UHH Newsletter

Dezember 2014, Nr. 69

VERANSTALTUNGEN



Kontakt:

Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland
Fakultät für Erziehungswissenschaft
Projektleiterin „Geschlecht und Berufsorientierung“

t. 040.42838-2157
e. Hannelore.Faulstich-Wieland"AT"uni-hamburg.de

Prof. Dr. Hannelore Faulstich lud zu einer Tagung ein, die sich mit dem aktuellen Forschungsstand zum Thema „Gender und Berufsorientierung“ befasste. Foto: UHH/Scholand

Prof. Dr. Hannelore Faulstich lud zu einer Tagung ein, die sich mit dem aktuellen Forschungsstand zum Thema „Gender und Berufsorientierung“ befasste. Foto: UHH/Scholand

Tagung „Gender und Berufsorientierung“: Welchen Beitrag können Allgemeinbildende Schulen leisten?

Fachkräftemangel – wer kennt entsprechende Nachrichten aus der Presse nicht? Eine geeignete Methode zur Abhilfe des Problems ist die Berufsorientierung. Da in Hamburg zum Beispiel keine 40 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach der 10. Klasse eine Ausbildung beginnen, gibt es von Seiten der Bildungspolitik und -verwaltung vermehrt Anstrengungen auf diesem Sektor, um dem prognostizierten Fachkräftemangel gegenzusteuern. Am 24. Oktober 2014 fand auf Einladung von Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland eine Tagung statt, die sich mit dem aktuellen Forschungsstand zum Thema „Gender und Berufsorientierung“ befasste.

Rund 30 Fachleute aus den Bereichen Schule, Wirtschaft, Behörden sowie Studierende und Vertreterinnen und Vertreter der Öffentlichkeit tauschten sich bei der Veranstaltung zu den Möglichkeiten und Grenzen schulischer Berufsorientierung aus. Als Wunsch für die Zukunft wurde insbesondere formuliert, den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die pädagogische Praxis zu verbessern.

Was die Entscheidung positiv beeinflusst

Zur Frage, was die Berufswahl bei Jungen und Mädchen beeinflusst, stellte Dr. Nina Wehner von der Universität Basel eine Studie vor, die zeigt, dass die familiäre Unterstützung der entscheidende Aspekt für eine untypische Berufswahl ist. Vor allem Personen mit vielen sozialen Ressourcen würden den Schritt in einen geschlechtsuntypischen Beruf wagen.

In einem weiteren Vortrag zeigte Dr. Elena Makarova von der Universität Bern anhand einer Untersuchung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts, dass sich für die Identifizierung junger Frauen mit naturwissenschaftlichen Fächern unter anderem Lehrbücher als Hürde erwiesen, in denen fast ausschließlich männliche Wissenschaftler gezeigt wurden. Chancen bot hingegen ein Unterricht, der die Lebenswelten der Schülerinnen einbezog.

Mehr Orientierung für Jungen

Darüber hinaus wurde auch der Nutzen von speziellen Formaten zur Berufsorientierung diskutiert. Prof. Dr. Sylvia Rahn von der Bergischen Universität Wuppertal präsentierte die Ergebnisse einer Studie, nach der „Girls’ und Boys’ Days“ – bei durchaus positiver Beurteilung – kaum Effekte hinsichtlich einer nicht-stereotypen Berufswahl haben.

Ferner zeigten sich, dass Mädchen aktiv auf Ausbildungsplatzsuche gingen, während die Jungen eher zufällig in geschlechtsuntypische Berufe „hinein stolperten“. In ihrem Fazit plädiert Rahn unter der Perspektive von Geschlechtergerechtigkeit dafür, in unterrichtlichen Projekten zur Lebensplanung das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ verstärkt an Jungen heranzutragen.

Vorstellung der Berufsfelder nicht dem Zufall überlassen

Im Abschlussvortrag fasste Prof. Dr. Hannelore Faulstich-Wieland, Professorin für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg, einige vorläufige Erkenntnisse aus dem noch bis 2016 laufenden Forschungsprojekt „Geschlecht und Berufsorientierung“ zusammen.

In den bisher beobachteten berufsorientierenden Unterrichtsstunden war eine intensive und den Schülerinnen und Schülern individuell zugewandte Arbeit der Lehrkräfte zu erkennen. Es fehlte jedoch eine Systematisierung der Informationen über Berufsfelder: Berufe kamen eher zufällig zur Sprache und es fehlten Methoden und Materialien, welche zwischen den Interessen der Jugendlichen und möglichen beruflichen Feldern vermitteln.

Thematisierung von Geschlecht und Berufswahl: kontraproduktiv?

Darüber hinaus erwies sich die Thematisierung von Geschlecht im Zusammenhang mit Berufen als eher verstärkend im Hinblick auf Geschlechterstereotype.

In einem an die Tagung anschließenden Workshop diskutierten die Wissenschaftlerinnen Möglichkeiten der Zusammenarbeit in Bezug auf Publikationen und zukünftige Forschungsprojekte. Weitere Information zum Forschungsprojekt „Geschlecht und Berufsorientierung sind hier zu finden.

Die Veranstaltung, die durch den Frauenförderfond und die Arbeitsstelle wissenschaftliche Weiterbildung finanziert wurde, fand im Rahmen des seit Februar 2013 laufenden Forschungsprojekts „Geschlecht und Berufsorientierung“ statt, in dem Wissenschaftlerinnen an Hamburger Stadtteilschulen untersuchen, welche berufsorientierenden Maßnahmen wie durchgeführt werden und inwiefern „Geschlecht“ dabei eine Rolle spielt.

B. Scholand/Red.
 

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