Einfach mal die Welt retten?! Demokratiebildung als gelebte Praxis im Hörsaal

Foto: UHH/Esfandiari
Die Ringvorlesung verbindet wissenschaftliche Reflexion mit zivilgesellschaftlichem Engagement. Studierende bringen ihre Praxiserfahrungen ein und reflektieren diese im Lernjournal. Engagement wird erstmals mit Leistungspunkten anerkannt und als Teil akademischer Bildung sichtbar.
Universitäten sollen nicht nur Wissen vermitteln, sondern zur aktiven Teilhabe an einer demokratischen Gesellschaft befähigen. Doch Engagement bleibt im Studium häufig privat – sichtbar, aber nicht systematisch eingebunden. Die Ringvorlesung „Einfach mal die Welt retten?! Gesellschaftliche Diskurse und Praxisbeispiele rund ums Ehrenamt“ will dies ändern. Das Format verbindet wissenschaftliche Reflexion mit konkretem zivilgesellschaftlichem Engagement. Ehrenamtlich aktive Studierende treten als Expert:innen ihrer eigenen Praxis in den Dialog mit Vertreter:innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft sowie mit dem Aktivoli-Landesnetzwerk Hamburg. Engagement wird nicht nur diskutiert, sondern als Erfahrungswissen ernst genommen und in akademische Reflexion überführt.
Begleitet wird die Ringvorlesung durch ein Lernjournal, in dem Studierende ihre Erfahrungen, Wertorientierungen und theoretischen Einsichten systematisch reflektieren. So entsteht ein Raum, in dem persönliche Praxis, gesellschaftliche Diskurse und wissenschaftliche Perspektiven miteinander verschränkt werden. Ein zentrales Novum ist die Anerkennung von Engagement im Wahlbereich mit drei Leistungspunkten – eine strukturelle Innovation an der Universität Hamburg. Engagement wird dadurch nicht als freiwilliger Zusatz, sondern als integraler Bestandteil akademischer Bildung sichtbar gemacht.
Evaluationen und begleitende Lehrforschung zeigen, dass sich durch diese veränderte Rolle der Studierenden ihre Fähigkeit zur demokratischen Reflexion, zur kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen und zur Übernahme von Verantwortung deutlich stärkt. Studierende entwickeln ein vertieftes Verständnis von „responsible citizenship“ und erleben Universität als Ort demokratischer Praxis. Die Ringvorlesung macht damit den Campus zu einem erweiterten Erfahrungsraum: Wissen wird nicht nur vermittelt, sondern gemeinsam mit engagierten Studierenden weiterentwickelt – im Dialog mit der Gesellschaft und mit Blick auf eine offene, inklusive Demokratie.
Transferprojekt
- Projektleitung: Prof. Dr. Kai-Uwe Schnapp (Professor für Politikwissenschaft, insb. Methoden, Dekan der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
- Dr. Eileen Lübcke (Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Koordination des Schwerpunktes Forschendes Lernen, Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen (HUL))
- Nadja Blüthmann (Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Arbeitsstelle Studium und Beruf (AStuB), Fakultät für Geisteswissenschaften)
- Dr. habil. Nils Zurawski (Institut für kriminologische Sozialforschung, Akademie der Polizei/WiSo)
- Projektpartner:innen: ehrenamtlich aktive Studierende, Vertreter:innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft, Aktivoli-Landesnetzwerk Hamburg