Wissenstransfer-Netzwerk Obstbauböden im Alten Land (WEBB)
Transdisziplinär lernen zwischen Wissenschaft, Landwirtschaft und Politik
Das Alte Land ist das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Deutschlands und steht damit im Zentrum aktueller Debatten um Bodengesundheit, Pflanzenschutz, Klima- und Biodiversitätsschutz. Obstbäuer:innen sind wachsendem gesellschaftlichem und politischem Druck ausgesetzt, während sie zugleich ökonomische Zwänge und praktische Realitäten bewältigen müssen. Nachhaltige Strategien können hier nur entstehen, wenn unterschiedliche Perspektiven ernsthaft und auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch kommen. Genau hier setzte das Wissenstransfer-Lernprojekt an. Im Sommersemester 2025 entwickelten und erprobten Bodenkundler und Soziolog:innen gemeinsam ein transdisziplinäres Lehrformat, in dem 15 Studierende ökologische, ökonomische und soziale Aspekte nachhaltiger Bodennutzung gemeinsam untersuchten – im direkten Austausch mit Praxispartner:innen.
Das Seminar verband wissenschaftliche Grundlagenarbeit mit Exkursionen, Paneldiskussionen und politischen Beteiligungsformaten. Bei einer ganztägigen Exkursion zum Obsthof von Jan-Hinrich Minners erhielten die Studierenden Einblicke in konkrete Bewirtschaftungspraktiken, in Fragen des Pflanzenschutzes sowie in die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen des Obstbaus. Diskussionen über Transformation, Umweltpolitik und ökonomische Rahmenbedingungen fanden nicht abstrakt, sondern vor Ort und im direkten Austausch mit Praktikern und deren Erfahrungswissen statt.
Weitere Einblicke boten Gespräche mit Vertreter:innen der Hamburger Umweltbehörde sowie eine Paneldiskussion mit Akteur:innen aus Agrarforschung und Praxis. Eine Studierendengruppe beteiligte sich zudem an Zielbildwerkstätten zur Hamburger Agrarstrategie „Zukunft Agrar+ 2045“ und erlebte politische Aushandlungsprozesse aus nächster Nähe.
Die Wirkung des Projekts zeigt sich auf mehreren Ebenen: Studierende entwickelten nicht nur fachliche Expertise in Bodenkunde und Sozialwissenschaften, sondern lernten, Zielkonflikte zwischen Umwelt-, Wirtschafts- und Gesellschaftsinteressen differenziert zu analysieren. Obstbäuer:innen und politische Akteur:innen erhielten Einblick in wissenschaftliche Perspektiven und studentische Analysen. Es entstand ein Dialograum, der von gegenseitigem Respekt und Offenheit geprägt war.
Die erfolgreiche Pilotphase führte zur erneuten Durchführung im Sommersemester 2026 und zu dem Ziel, das Format langfristig curricular zu verankern. Darüber hinaus wurde gemeinsam mit dem Hamburger Informatik Technologie-Center (HITeC) ein Anschlussprojekt initiiert: die Entwicklung einer Smartphone-App zur Bewertung der Bodengesundheit im Obstbau – erneut in Kooperation mit Studierenden und Praxispartner:innen.
Aus einem Seminar ist so eine dauerhafte Transferstruktur entstanden. Das Projekt zeigt, wie universitäre Lehre zu Plattform und Modell für gelingenden transdisziplinären Dialog werden kann – und wie nachhaltige Landwirtschaft nur im Zusammenspiel von Wissenschaft, Praxis und Politik gestaltet werden kann.
Transferprojekt "Wissenstransfer-Netzwerk Obstbauböden im Alten Land"
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Projektleitung: Prof. Dr. Lars Kutzbach (MIN-Fakultät, Fachbereich Erdsystemwissenschaften, Professur für Böden im Klimasystem)
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Dr. Tim Eckhardt (Wissenschaftler, MIN-Fakultät, Fachbereich Erdsystemwissenschaften)
- Hauke Feddersen, M. A. (Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Sozialwissenschaften, Soziologie)
- Projektpartner:innen: Hamburger Informatik Technologie-Center (HITeC)