Gebärdensprache sichtbar machen – Bildung barrierefrei gestaltenProjekt: Deutsche Gebärdensprache als Bildungssprache

Foto: Elbschule Rörig
Rechte Angriffe auf die Erwachsenenbildung bleiben oft unsichtbar. Das Projekt sammelt erstmals systematisch Erfahrungen aus der Praxis und entwickelt Strategien, mit denen Bildungseinrichtungen demokratische Bildungsarbeit wirksam schützen können.
Transfer von Forschungsergebnissen zu bildungssprachlichen Aspekten der Deutschen Gebärdensprache in die Entwicklung und Verstetigung einer Qualifizierungsmaßnahme für Lehrkräfte zur Sicherung der Teilhabe an Bildungsinhalten für taube Schülerinnen und Schüler.
Für viele taube Menschen ist Deutsche Gebärdensprache (DGS) nicht nur Kommunikationsmittel, sondern Muttersprache und Bildungssprache. Dennoch stoßen taube Menschen im Bildungssystem immer wieder auf strukturelle Barrieren – sei es durch fehlende Angebote, mangelnde Qualifizierung oder unzureichende institutionelle Verankerung. Das Ziel unseres Projekts war, DGS als Sprache im Bildungsbereich zu stärken und Bildungszugänge nachhaltig zu verbessern. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass bildungssprachliche Angebote fragmentiert waren und wissenschaftliche Expertise, schulische Praxis und Behörden zu selten systematisch zusammenarbeiteten.
In den neuen Hamburger Bildungsplänen wird sprachliche Bildung als Querschnittsaufgabe für alle Unterrichtsfächer benannt, sodass auch Gebärdensprache als Bildungssprache in den Fokus rückt. Für hörende Lehrkräfte, die deutsche Gebärdensprache als Fremdsprache lernen, entsteht hier der Bedarf einer Qualifizierung, um marginalisierten Schüler:innen mit Gebärdensprache als primärer Kommunikationssprache die Teilhabe an Bildungsinhalten zu ermöglichen.
Da im Forschungsfeld „Gebärdensprache als Bildungssprache“ noch ein hoher Forschungsbedarf besteht, konzipierten Prof. Dr. Barbara Hänel-Faulhaber, Dr. Iris Wagener und Constanze Braatz (MA) (Uni Hamburg, Fakultät für Erziehungswissenschaft/ Pädagogik bei Behinderung und Benachteiligung) an der Universität Hamburg, das Transfer-Projekt „DGS als Bildungssprache“ (2024 bis 2025).
Von Beginn an wurde das Vorhaben ko-kreativ angelegt: Wissenschaftler:innen arbeiteten eng mit Schulen, Lehrkräften, Behörden und Studierenden zusammen. Diese Kooperation war mehr als Begleitung: Hörende und taube Vertreter:innen dieser Gruppen trafen sich regelmäßig in einem Projekt-Beirat. Dieses Format eröffnete Austausch zur Bedeutung von Gebärdensprache als Bildungssprache, spiegelte die Situation in der Praxis und machte deutlich, wo strukturelle Barrieren und Qualifizierungsbedarfe liegen. Auch begleitete der Beirat den Projektverlauf sowie die Pilotierungsphase des Sprachkurses „DGS als Bildungssprache“ und wertete dessen Evaluation für die Verstetigung der Qualifizierungsmaßnahme für Lehrkräfte am Landesinstitut aus.
Ausgangspunkt der Forschung bildeten Unterrichtsbeobachtungen und Interviews mit tauben Lehrkräften als Expert:innen für gebärdensprachliche Unterrichtskommunikation an der Elbschule (Bildungszentrum Hören und Kommunikation). Die Ergebnisse zeigen die bildungssprachlich effektive Verknüpfung visueller Kommunikation mit einem visuell strukturierten Unterricht. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden in ein Curriculum „DGS als Bildungssprache“ für die gebärdensprachliche Qualifizierung hörender Lehrkräfte integriert, sodass sie unmittelbar in der Praxis wirksam werden konnten. In Zusammenarbeit mit Prof. Liona Paulus und Dozent:innen des Instituts für Deutsche Gebärdensprache (IDGS) und Studierenden des Studiengangs Lehramt für Sonderpädagogik im Schwerpunkt Hören und Kommunikation entwickelte das Projekt die sprachpädagogische Qualifizierungsmaßnahme für Lehrkräfte, um diese am Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung an Schulen zu verstetigen.
Im Verlauf des Projektes wuchs die Sichtbarkeit der DGS institutionell und wurde im Zusammenhang mit der Bedeutung von Fremdsprachen in Bildungsprozessen ins Bewusstsein gerückt. Das Projekt hat dazu beigetragen, Barrieren ko-kreativ zu überwinden und damit Handlungsspielräume zu erweitern und nachhaltige Strukturen für barrierefreie Bildung aufzubauen. So ist aus punktuellen Initiativen ein koordiniertes Vorgehen hervorgegangen, das als best-practice-Beispiel für die Entwicklung von institutionellen Weiterbildungsangeboten für zukünftige Projekte effektive Wege der Kooperation aufgezeigt hat.
Transferprojekt "Gebärdensprache sichtbar machen – Bildung barrierefrei gestalten"
- Projektleitung: Prof. Dr. Barbara Hänel-Faulhaber (Fakultät für Erziehungswissenschaft, insbesondere Gebärdensprach- und Audiopädagogik)
- Constanze Braaz(constanze.braatz"AT"gmail.com)
- Dr. Iris Wagener (Fakultät für Erziehungswissenschaft)
- Projektpartner:innen: Prof. Liona Paulus, Dozent:innen des Instituts für Deutsche Gebärdensprache (IDGS) und Studierende des Studiengangs Lehramt für Sonderpädagogik im Schwerpunkt Hören und Kommunikation
- Zum Weiterhören: Link
Und bald auch zum Sehen in verdolmetschter Form in DGS.