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  5. Leibniz-Preis Zumbusch

Leibniz-Preis für Geisteswissenschaftlerin der Uni HamburgMit einem Blick in die Literatur aktuelle Debatten bereichern

19. März 2026, von Christina Krätzig

Prof. Zumbusch bei der Preisverleihung

Foto: DFG/Ausserhofer

Untersucht unter anderem Wechselwirkung zwischen Literatur und Wissenschaft: Leibniz-Preisträgerin Prof. Dr. Cornelia Zumbusch bei der Preisverleihung am 18. März 2026.

Prof. Dr. Cornelia Zumbusch von der Universität Hamburg ist mit dem wichtigsten deutschen Forschungspreis ausgezeichnet worden. Die Professorin für Neuere deutsche Literatur hat aufgrund ihrer Arbeiten auf dem Gebiet der Wissenspoetik den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis zugesprochen bekommen.

Frau Zumbusch, Sie sind für Ihre Arbeiten zum Wissen der Literatur bzw. zur Wissenspoetik ausgezeichnet worden. Was heißt Wissenspoetik?

Wissenspoetik bedeutet, dass man Literatur als eigene Wissensform begreift. Dabei geht es in meinen Büchern „Immunität der Klassik",  „Vorgeschichte und Literatur" oder „Romantische Thermodynamik" um die Übergänge zwischen Literatur und Wissenschaft. Ich untersuche nicht nur, wie sich literarische Texte auf naturwissenschaftliche Entdeckungen oder Erkenntnisse beziehen. Ich achte in wissenschaftlichen Texten auch auf rhetorische Strategien und Metaphern. Letztlich interessiert mich, was diese Wissensformen mit unserer Gegenwart zu tun haben. Also: Wie verlief der Weg in die immunologische Moderne? Wie sah unser Einstieg in die gegenwärtige Energiekultur aus?

Der Leibniz-Preis ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert. Dieses Geld können Sie im Verlauf von sieben Jahren ausgeben – wissen Sie schon, wofür?

Großartig ist, dass ich mich gar nicht sofort festlegen muss. Das ist anders als bei herkömmlichen Forschungsförderungen, auf die man sich ja mit einem fertigen Antrag bewerben muss. Aber tatsächlich habe ich schon Ideen. Zum Beispiel würde ich gerne die Rolle der Literatur bei der Ausbildung von Naturgefühlen untersuchen. Welche Emotionen verbinden sich mit der Erfahrung von Natur? Das Gefühlsvokabular der Dichtung reicht da von Vergnügen und Ergötzen über Ehrfurcht oder Schrecken bis hin zu Trauer oder Abscheu. Dabei werden die Gefühle gerade in der Moderne diffuser, auch ambivalenter. Man kann aber auch sehen, wie Gefühle mobilisiert oder instrumentalisiert werden sollen. Eine solche Geschichte der Naturgefühle könnte zu den aktuellen Diskussionen über Klimagefühle oder Green Emotions beitragen – und zwar jenseits von Polarisierungen wie Angst oder Hoffnung.

Ein anderes Thema wären Literarisierungen von Sorge. Hier interessieren mich die Spannungen zwischen unterschiedlichen Narrativen und Leitbildern. Care-Arbeit wird ja nach wie vor gesellschaftlich entweder verdrängt oder als Liebesarbeit verkitscht. Mir geht es darum, mithilfe der Literaturgeschichte die emotionalen, ethischen und politischen Komplikationen sorgenden Handelns auszuleuchten.

Auf den ersten Blick scheinen diese Themen sehr unterschiedlich. Oder trügt dieser Eindruck?

Eigentlich liegen sie gar nicht so weit auseinander. Es gibt es ja derzeit Überlegungen, ob Earthcare oder Sorge um die Natur nicht Leitkonzepte der Ökologie sein könnten. Aber vor allem geht es mir bei beiden Themen darum, zu differenzieren; hellhörig zu werden für Nuancen und Widersprüche. Ich denke, dass das Potenzial der Geisteswissenschaften nicht darin liegt, einfache Lösungen vorzuschlagen.

Kann man so eine Arbeit im Team machen?

Oh ja, das sollte man sogar! Zwar ist die sogenannte Einzelforschung, also die von Einzelnen verfassten Aufsätze und Bücher, in den Geisteswissenschaften sehr wichtig. Dafür bildet der Austausch mit anderen aber eine Voraussetzung. Als Co-Sprecherin der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Imaginarien der Kraft“ habe ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen und Kollegen Austauschformate etabliert, um miteinander unterschiedliche Gegenstände und Ansätze zu diskutieren. Dazu laden wir jedes Semester Fellows aus aller Welt ein; zusätzlich gibt es ein Team vor Ort, das aus Postdocs, Doktorandinnen und Doktoranden besteht. Eine solche Arbeitsgruppe würde ich gerne aufbauen, natürlich etwas kleiner. Schön wäre, wenn eine Postdocstelle einen Teil meiner Lehre übernehmen könnte. Großgeräte oder Laborausrüstung brauche ich als Literaturwissenschaftlerin ja nicht – aber der Preis kann mir wertvolle Zeit für meine Forschung verschaffen. Insofern ist der Leibniz-Preis wirklich ein Geschenk!

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