Strukturen aufbrechen und neue Wege gehenStrategische Kommunikation als Exzellenzfaktor
29. Juli 2026, von Newsroom-Redaktion

Foto: UHH/Esfandiari
Angesichts von Fake News, stark veränderter Mediennutzung und des Zeitalters künstlicher Intelligenz kommt Wissenschaftskommunikation eine noch größere Bedeutung zu. Doch gleichzeitig muss sie neu gedacht werden, um wirken zu können. Wie das an der Universität Hamburg gelingt, erklärt Katrin Greve, Leiterin der Abteilung für Kommunikation und Marketing.
Dieses Interview ist Teil des Jahresberichts 2025 der Universität Hamburg. Der ganze Jahresbericht mit vielen Informationen und spannenden Einblicken steht zum direkten Lesen oder zum Download bereit.
Der Jahresbericht steht unter dem Motto „Aufbruch“. Inwiefern muss die Hochschulkommunikation gerade jetzt Strukturen aufbrechen und sich neu erfinden?
Wir befinden uns in einer Zeit multipler Krisen, gesellschaftlicher Spannungen und eines rasanten technologischen Wandels. Kommunikation, gerade auch die Hochschul- und Wissenschaftskommunikation, spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle: Sie kann Vertrauen sichern, öffentliche Institutionen stärken und Wissenschaft sowie ihre Institutionen nachhaltig im gesellschaftlichen Diskurs verankern. Dafür müssen wir unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fit machen, sie beraten und sie in ihrer Resilienz stärken, damit wir alle angemessen auf Desinformation oder öffentliche Wissenschaftsskepsis reagieren können.
Welche Rolle spielt die Wissenschaftskommunikation heute für den Status als Exzellenzuniversität?
Sie ist endlich anerkannt als systemrelevant und bei immer mehr Universitäten und Hochschulen ein Teil der Gesamtstrategie. Alle großen Forschungsförderorganisationen haben verbindliche Standards für Wissenschaftskommunikation und Wissenstransfer in ihren Ausschreibungen aufgenommen. Und in der vom BMFTR verantworteten #FactoryWisskomm wurden Leitlinien für eine Anerkennungskultur für die Wisskomm gesetzt. Wir haben das auch für uns adaptiert und in unserem Leitbild festgehalten.
Wichtig ist uns: Wir unterstützen unsere Forschenden bereits ab Early Career dabei, Kommunikation und Wissenstransfer als Teil ihrer akademischen Identität zu begreifen. Beides gehört zur Wissenschafts-DNA einer Exzellenzuniversität und sollte nicht nur unterstützt, sondern auch honoriert werden im wissenschaftlichen Wettbewerb.
Das Thema künstliche Intelligenz verändert derzeit alles. Wo liegen hier die größten Chancen für die tägliche Arbeit in der Hochschulkommunikation?
KI ist ein enormer Hebel für die Effizienz. In der zentralen Hochschulkommunikation nutzen wir generative Tools bereits für das Monitoring oder für Entwürfe von Texten, Projektplänen oder PR-Material. Die Chance liegt in der Skalierung und im Tempo. Zudem hilft KI uns, unsere Webseiten nutzerfreundlicher aufzubereiten, wodurch wir mehr Sichtbarkeit bei Suchmaschinen und – davon gehen wir aus – bei KI-Bots erzeugen.
Am Ende sollte man aber nicht unterschätzen, dass es Menschen sind, die entscheiden. Eine KI kann nur Vorschläge machen, der Mensch bewertet, ob der gewünschte Effekt erzielt wird. Gerade im Wissenschafts- und Hochschulsystem sind Sensibilität und Verantwortung in der KI-Anwendung gefragt, da wir einen gründlichen Faktencheck einfordern und diesen umgekehrt auch bieten wollen und müssen.
Wie profitiert die gesamte Universität von diesem technologischen Wandel? Versteht sich Deine Abteilung hier auch als Service-Dienstleister für die Fakultäten?
Absolut. Wir sehen uns auf jeden Fall als Ambassadors – wie einige andere Bereiche in der Uni auch – und durchaus als „Enabler“. Im Rahmen von Großprojekten wie der Webseiten Umstellung auf das neue Design oder der Einführung des Social Intranets bspw. empfehlen wir Mitarbeitenden die Nutzung von KI-Tools. Wir stellen dafür exemplarische Prompts bereit. Im Social Intranet wird es zudem eine KI-gestützte Übersetzungsfunktion geben. Unser Ziel ist es, wie wahrscheinlich in vielen Bereichen, unsere Ressourcen von operativen Routineaufgaben zu entlasten, damit mehr Zeit für die inhaltliche Qualität, die Beratungsleistung und den persönlichen Dialog bleibt.
Wenn KI nun die Produktion und Distribution übernimmt – braucht es dann überhaupt noch eine Professionalisierung der Köpfe?
Mehr denn je! KI kann vieles für uns generieren, aber sie kann keine strategischen Ziele definieren oder persönliche Begegnungen ersetzen. Wir haben das bei der Jahrestagung des Bundesverbands Hochschulkommunikation e. V., für die wir dieses Jahr Gastgeber waren, unter Beweis gestellt: die Begrüßung der Teilnehmenden im Audimax durch einen „Präsidenten-Avatar“ war zwar technisch perfekt und sehr nah an der Realität, aber den echten Hauke Heekeren danach live auf der Bühne zu erleben, ist an Authentizität und Wirkung durch keine KI zu ersetzen.
Zudem muss man festalten: Je mehr Inhalte durch KI gerade über Social Media unsere Welt „fluten“, desto wichtiger wird der professionelle Auftritt der Hochschule auf allen Kanälen. Dafür brauchte es Expertise an verantwortlicher Stelle in der Kommunikation, weil das System immer multidimensionaler und auch fragiler wird.
Zum Abschluss: Was ist das wichtigste Ziel für das kommende Jahr?
Wir wollen noch besser werden in der Anwendung der KI-Transformation und sie so gestalten, dass sie uns Freiräume schafft für neue Formate und Kanäle, mit denen wir vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen. Zudem bauen wir unsere interaktiven und partizipativen Formate aus, wie wir sie mit unserem „Labor für morgen“ im Unimuseum bereits erfolgreich umsetzen. Und mein persönlicher Wunsch ist es, das Leitmotiv unseres Präsidenten, die „Kultur der Kommunikation“ noch stärker strategisch in allen Bereichen der Universität zu verankern, so dass auch Wissenschaftskommunikation ein gelebtes und wertgeschätztes Kernelement unserer Universität in allen Bereichen wird.

