Campus neu denken: Im Dialog mit der Stadt
21. Juli 2026, von Newsroom-Redaktion

Foto: UHH/Liesberg
Wie kann ein Campus ein offener, lebendiger und stärkerer Teil der Stadt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Universität Hamburg an ihren Standorten Von-Melle-Park und Bundesstraße. Im Interview erklärt Eva Liesberg, Referatsleitung Campusentwicklung, wie in einem kooperativen Werkstattverfahren gemeinsam mit verschiedenen Akteurinnen und Akteuren Ideen für die Weiterentwicklung dieser Bereiche erarbeitet wurden.
Dieses Interview ist Teil des Jahresberichts 2025 der Universität Hamburg. Der ganze Jahresbericht mit vielen Informationen und spannenden Einblicken steht zum direkten Lesen oder zum Download bereit.
Was ist die zentrale Idee hinter der Weiterentwicklung der beiden Campusstandorte?
Mit der Entwicklung der Science City Bahrenfeld befindet sich die Universität in einem Transformationsprozess, der die Chance bietet, auch den Campus Eimsbüttel neu zu denken. Grundlage ist eine Strategie, die Nachhaltigkeit, pluralistische Wissenschaft und gesellschaftliche Verantwortung verbindet. Ziel ist es, die Universität als integratives Element in der Stadt zu stärken und zur Bewältigung globaler Herausforderungen wie Klimawandel und Digitalisierung beizutragen.
Die Forschung und Innovation sollen durch Wissenschaftstransfer, Teilhabe und Demokratieförderung in einem von Stadt und Universität gemeinsam gestalteten Stadtquartier sichtbarer und erlebbarer werden. Gleichzeitig wirken sich große Planungsprojekte der Stadt – wie Magistralenplanung, der Bau der U5 und die Rekonstruktion der Bornplatzsynagoge – unmittelbar auf die Campusanlagen aus. Die Weiterentwicklung des Campus Eimsbüttel versteht sich deshalb als vernetzender Ansatz, der diese Vorhaben zusammenführt.
Die Konzepte sind in einem Werkstattverfahren entstanden. Was unterscheidet dieses Vorgehen von einer klassischen Planung?
In klassischen Planungsverfahren, etwa bei Architekturwettbewerben, erhalten Planungsbüros zu Beginn eine Aufgabenstellung und bearbeiten diese weitgehend ohne Rücksprachemöglichkeiten. Die Wettbewerbsteilnehmenden kennen die konkurrierenden Arbeiten in der Regel nicht. Die Ergebnisse werden anonymisiert durch eine Jury begutachtet und ein Gewinner ausgewählt.
In diesem Werkstattverfahren arbeiteten vier Planungsteams über drei Tage in denselben Räumen an ihren Aufgaben und konnten sich fortlaufend mit den Auftraggebenden aus Bezirk, den beteiligten Behörden und der Universität abstimmen. Am Ende gab es Korrekturvorschläge, die in die finalen Ergebnisse einfließen konnten. Es wurde kein Gewinner gekürt. Die Ergebnisse dienen als Inspiration und Grundlage für die weitere Entwicklung.
Viele unterschiedliche Akteurinnen und Akteure waren beteiligt. Wie gelingt es, so viele Perspektiven sinnvoll zusammenzubringen?
Neben den Auftraggebenden – dem Bezirk Eimsbüttel, den Behörden für Stadtentwicklung und Wohnen sowie Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung und der Universität Hamburg – waren weitere Institutionen beteiligt, darunter die Behörde für Kultur und Medien, die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende, die Behörde für Wirtschaft und Innovation, die Bezirkspolitik, die Hamburger Hochbahn AG, Grindel e.V., die Jüdische Gemeinde, die SUB, das Studierendenwerk, der AStA, der Hochschulsport, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie weitere Interessenvertretungen.
Es werden die Interessen und Bedarfe aller dokumentiert und – wo sinnvoll – in die Planung integriert, teils auch in Varianten, die dann im diskursiven Austausch abgewogen werden. Für die Entwicklung der Campusanlagen in Eimsbüttel besteht seit Jahren eine enge Kooperation mit den beteiligten Stakeholdern. In zahlreichen Abstimmungsrunden konnten Bedarfe geklärt, Vertrauen aufgebaut und das Verständnis für unterschiedliche Perspektiven gestärkt werden.
Durch diese Vorarbeit konnten im Werkstattverfahren selbst meist konstruktive Lösungen für strittige Aspekte gefunden werden. Es hilft auch, dass allen Beteiligten vermittelt wurde, dass die im Verfahren entstandenen Visionen Spielraum für Transformationen der kommenden Jahrzehnte lassen.
Was hat dieser offene Austausch konkret verändert – für die Ergebnisse oder die Herangehensweise?
Es ist eine gemeinsame Grundlage und Vision entstanden, anhand derer wir nicht immer wieder jedes Thema von vorne diskutieren müssen, sondern schrittweise gemeinsam mit den anderen Stakeholdern die einzelnen Projekte weiterentwickeln können. Der institutionsübergreifende Konsens zur Campusentwicklung lässt hoffen, dass die Abstimmungsprozesse für die zukünftigen Projekte schlanker werden, da alle bereits vor dem Projektstart mitgenommen wurden und an der Zielstellung beteiligt waren. Zugleich verknüpft die Vision die einzelnen Projekte miteinander. Synergien können genutzt und ein stimmiges Gesamtbild geschaffen werden.
Wenn man nach vorn schaut: Was wird sich für die Studierenden und die Stadt künftig spürbar verändern?
Für Studierende entsteht ein lebendigeres, vielfältigeres und nachhaltigeres Campusviertel mit mehr Grün und Aufenthaltsqualität. Dazu zählen auch angrenzende Stadträume wie die Magistrale Grindelallee, die durch den U-Bahn-Bau in ihrer Breite zugunsten erweiterter Fußwege und Begrünung verringert werden kann. Die Universität erhält mehr Sichtbarkeit im Stadtraum und der Campus Bundesstraße als Campus der Twin Transformation soll langfristig die Lücke zwischen dem belebten Grindel- und Schanzenviertel schließen, indem neben den wissenschaftlichen Einrichtungen auch Studierendenwohnungen und Angebote der Stadt aus Kultur und Gastronomie sowie Start-Ups und wissenschaftsnahe Firmen das Areal prägen.

