Willkommen an Bord„Mich hat schon früh fasziniert, wie Kinder Schritt für Schritt ihre sprachlichen Kompetenzen aufbauen“Prof. Dr. Michael Krelle verstärkt die Erziehungswissenschaft
14. April 2026, von Krelle/Red.

Foto: privat
Jedes Jahr kommen zahlreiche neue Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die Universität Hamburg. In dieser Reihe stellen wir sie und ihre Forschungsgebiete vor. Dieses Mal: Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Michael Krelle.
Prof. Dr. Michael Krelle ist zum Sommersemester 2026 von der TU Chemnitz nach Hamburg gekommen und hat an der Fakultät für Erziehungswissenschaft eine Professur für die Didaktik der deutschen Sprache und Literatur – Primarstufe angetreten.
Wie beschreiben Sie Ihr Forschungsgebiet in wenigen Sätzen?
Mein Forschungsgebiet liegt in der empirischen Deutschdidaktik und damit an der Schnittstelle von sprachlicher Bildung, Literalität, Diagnostik und Unterrichtsentwicklung. Ich untersuche, wie Kinder sprachlich-literale Kompetenzen aufbauen und welche Lernumgebungen ihnen dabei besonders helfen – in der materiellen Welt wie im Digitalen. Ein Schwerpunkt ist die Entwicklung und Erprobung von Instrumenten, mit denen Lehrkräfte sprachliche Lernstände erfassen und daraus konkrete Förderentscheidungen ableiten können.
Insgesamt geht es mir darum, empirische Befunde so aufzubereiten, dass sie in Unterrichtspraxis und Lehrerbildung wirksam werden. Dabei interessieren mich immer auch folgende Fragen: Warum profitieren manche Kinder systematisch stärker von Bildungsangeboten als andere, obwohl sie im selben Unterricht sitzen? Wie hängen sprachliche Anforderungen, Ressourcen und schulische Förderung zusammen? Und an welchen Stellen verstärken Schulen ungewollt bestehende Ungleichheiten? Meine Expertise bringe ich mittlerweile in die Ständige Wissenschaftliche Kommission der der deutschen Kultusministerkonferenz ein.
Wie erklären Sie Ihre Forschung ganz einfach verständlich?
Das musste ich ehrlicherweise auch meinen Eltern häufiger erklären. Ich versuche es immer so: Ich schaue mir als Forscher an, was Kinder im Unterricht sprachlich schon können – zum Beispiel beim Lesen, Schreiben oder beim Sprechen und Zuhören – und was ihnen noch schwerfällt. Dann untersuche ich, woran das liegen könnte: am Unterricht, an den Aufgaben, an den Materialien oder daran, wie wir Dinge erklären. Aus all dem versuche ich schließlich, Ideen abzuleiten, wie Unterricht so gestaltet werden kann, dass möglichst viele Kinder gut mitkommen und weiterlernen können.
Zu welchen aktuellen gesellschaftlichen Themen oder Herausforderungen möchten Sie Ihre wissenschaftliche Expertise beitragen (und wie)?
Im Bildungsbereich überlagern sich derzeit mehrere große Herausforderungen, die sich auch international ähneln, aber je nach Land unterschiedliche Schwerpunkte haben. Zentral sind für mich vor allem Fragen der Bildungsungerechtigkeit, der Qualität von Unterricht sowie Anforderungen der Digitalisierung. Ich möchte meine wissenschaftliche Expertise in genau diese Debatten einbringen.
Zuletzt haben wir im Team beispielsweise mit LEON (Leseraum Online) eine digitale Lernumgebung für die Grundschule entwickelt, die von mehr als 150.000 Menschen genutzt wird und mit der wir evidenzbasierte Verfahren der Leseförderung in den Schulen verankern. Darauf aufbauend veröffentlichen wir gerade das sogenannte LES-O-METER – ein KI-Werkzeug, mit dem Lehrkräfte automatisiert Rückmeldungen zur Leseflüssigkeit der Schülerinnen und Schüler sowie Hinweise zur weiteren Förderung bekommen.
Worauf dürfen Studierende sich freuen oder gespannt sein?
Auf eine große Schatzkiste mit Schreibproben von Kindern, eine ganze Bibliothek von Kinderbüchern und eine große Begeisterung für Wissenschaft und Lehre.
Wie sieht Ihre internationale Zusammenarbeit aus, mit welchen Universitäten oder Institutionen arbeiten Sie zusammen?
Auf nationaler Ebene gibt es mehrere Kooperationen mit dem Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen sowie mit den Landesinstituten der Länder, z. B. dem Institut für Schulqualität des Landes Berlin und dem Institut für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung in Hamburg. Diese Kooperationen zielen auf Fragen der Diagnose und Förderung, unter anderem mit Blick auf „KERMIT (Kompetenzen ermitteln) 2 und 3“ und den Berliner Lernverlauf. Transferprojekte bestehen mit Ministerien der Länder, etwa dem Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.
International bestehen Forschungskooperationen mit dem Institut des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Schulwesen zur sogenannten individuellen Kompetenzmessung „PLUS – iKMPLUS“.
Worauf freuen Sie sich in Hamburg?
Wenn ich auf der Straße wieder mit „moin“ begrüßt werde und im Radio das Wetter mit „strichweise diesig“ beschrieben wird, weiß ich, dass ich zu Hause bin. Ich freue mich natürlich auch sehr auf das fachdidaktisch-pädagogische Umfeld und die vielen tollen Kolleginnen und Kollegen in Hamburg. Es gibt bereits jetzt viele fachliche Kontakte, die ich gern vertiefen und in gemeinsame Projekte einbringen möchte. Und schließlich freue ich mich natürlich auf die neugierigen Studierenden und die Lehre.

