Willkommen an Bord„Religionswissenschaft kann dabei helfen, mit Vielfalt und Unterschieden umzugehen“Prof. Dr. Stefanie Burkhardt verstärkt die Geisteswissenschaften
2. März 2026, von Burkhardt/Red.

Foto: Privat
Jedes Jahr kommen zahlreiche neue Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die Universität Hamburg. In dieser Reihe stellen wir sie und ihre Forschungsgebiete vor. Dieses Mal: Religionswissenschaftlerin Prof. Dr. Stefanie Burkhardt.
Prof. Dr. Stefanie Burkhardt ist zum Sommersemester 2026 von der Universität Münster nach Hamburg gekommen und hat an der Fakultät für Geisteswissenschaften eine Juniorprofessur mit dem Schwerpunkt „Evangelische Theologie: Interkulturelle Theologie und Religionswissenschaft“ angetreten.
Wie beschreiben Sie Ihr Forschungsgebiet in wenigen Sätzen?
Als Religionswissenschaftlerin beschäftige ich mich mit Religion als einem Teilbereich von Kultur und mit den Religionen in ihrer Pluralität und historischen Verflochtenheit. Besonders interessieren mich die vielfältigen Schnittpunkte und Zusammenhänge zwischen Religion und Literatur, vor allem bezüglich ihrer speziellen Arten der Wissensproduktion. Ganz konkret geht es in meinem aktuellen Forschungsprojekt um Figuren des Untoten und Erzählungen über den Kontakt mit Verstorbenen, und zwar verflechtungsgeschichtlich und vergleichend in Kulturen auf einer wichtigen Wegstrecke des transatlantischen Sklavenhandels: Westafrika, Mittel- und Nordamerika, Westeuropa. Afrodiasporische und in einem etwas weiteren Sinne esoterische Religionen sind hierbei für mich zentral, aber Figuren wie Zombies oder Poltergeister haben ja auch popkulturell weite Kreise gezogen.
Und so erkläre ich meiner Familie, worum es da geht:
Die Frage danach, was nach dem Tod passiert, ob und wie es für uns weitergeht und ob ein Kontakt mit Menschen über den Tod hinaus möglich ist, das sind Fragen, die Menschen immer und überall existentiell beschäftigt haben und die zugleich niemals sicher zu beantworten sind. Deswegen gibt es hierzu kein streng wissenschaftliches Faktenwissen, aber umso mehr Erzählungen (z.B. Spukgeschichten), die Erfahrungen, Ahnungen, empfangene Botschaften etc. verarbeiten. Wenn wir uns also diese Erzählungen genauer angucken, können wir viel über Hoffnungen, Ängste und ganz grundlegende Konflikte in Gesellschaften wie auch von einzelnen Gruppen und Personen erfahren, die meist unter der sichtbaren Oberfläche verborgen liegen.
Darum freue ich mich auf Hamburg – auf die Stadt und die Universität:
Auf Hamburg freue ich mich wegen der Nähe zur großen weiten Welt, sowohl durch den Hafen, als auch durch die geschichtliche und gegenwärtige Präsenz von Menschen aus vielen verschiedenen Kulturen. Überhaupt finde ich: Je näher am Meer, desto besser! Auf die Uni freue ich mich, weil es hier so viele Kolleg*innen mit spannenden Projekten gibt. Ich hoffe auf viele anregende Gespräche und bestimmt die eine oder andere Zusammenarbeit, die sich daraus entwickeln kann.
Das sind meine Pläne an der Uni Hamburg (in Bezug auf Transfer, Lehre o. Ä.):
Mit meinen Kolleginnen in der Interkulturellen Theologie und Religionswissenschaft möchte ich den Forschungsbereich Religion und Literatur ausbauen, stärken, aktiv mitgestalten und eine internationale Vernetzung vorantreiben. Außerdem habe ich viele Ideen zur weiteren Aufarbeitung von Hamburgs kolonialem Erbe und auch zur Kommunikation von religionswissenschaftlichem Wissen in die breitere Gesellschaft. Ich bin gespannt, welche Ideen es am Ende in die Umsetzung schaffen werden.
Darum sollten Studierende unbedingt meine Veranstaltungen besuchen:
Um den Blick über den Tellerrand zu wagen und dabei gleich viel Wissen an die Hand zu bekommen, um die eine oder andere Klippe umschiffen zu können. Was uns fremd ist, kann Angst und Abwehr, aber auch Exotisierung und Verkitschung auslösen, und beides wird gerne ja auch politisch ausgenutzt. Mir ist wichtig, dass Studierende kritisches Denken lernen und sprachfähig werden.
Ich plane auch spannende Exkursionen und Projekte, auf die die Studierenden hoffentlich genauso viel Lust haben wie ich.
Blick in die weite Welt: Mit diesen internationalen Einrichtungen, Universitäten oder Institutionen arbeite ich zusammen:
Gemeinsam denken, schreiben und mehr als nur eine Perspektive einbeziehen, das halte ich für zentral, um gute Forschung zu machen. Es erweitert den Horizont, fordert immer wieder heraus und macht außerdem auch noch Spaß. Ich bin im Austausch mit Kolleg*innen in verschiedenen Disziplinen und an vielen Orten auf der Welt, etwa in den USA, in Indien und Südkorea, in Italien und Großbritannien. Diese Kooperationen zu verstetigen und zu institutionalisieren, steht ganz oben auf meiner To Do-Liste.
Darum ist meine Forschung für die Gesellschaft wichtig:
Wir leben in pluralen Gesellschaften mit Menschen, die die Welt in manchen Aspekten fundamental unterschiedlich sehen, in vielen Punkten aber doch sehr viel gemeinsam haben. Das lässt sich nicht umkehren, sondern vielmehr gilt es, sinnvoll mit den Herausforderungen umzugehen, die das mit sich bringt, aber auch die große Bereicherung durch Vielfalt schätzen zu lernen. Religionswissenschaft kann genau dabei helfen, indem sie zu Ambiguitätstoleranz befähigt und dazu, mit Vielfalt und Unterschieden umzugehen. Die Literatur, die ich in die Religionsforschung einbeziehe, ermöglicht zusätzliche Einsichten in Weisen der Welt- und Wirklichkeitskonstruktion und ins Denken in Möglichkeiten, die über vermeintlich alternativlos Realistisches hinausweisen.

