Willkommen an BordNur wenn wir den Ist-Zustand des Bildungssystems kennen, lassen sich dringende Handlungsfelder erkennenProf. Dr. Gabriel Nagy verstärkt die Erziehungswissenschaft
14. Januar 2026, von Nagy/Red.

Foto: privat
Jedes Jahr kommen zahlreiche neue Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die Universität Hamburg. In dieser Reihe stellen wir sie und ihre Forschungsgebiete vor. Dieses Mal: Bildungsforscher Prof. Dr. Gabriel Nagy.
Prof. Dr. Gabriel Nagy ist im Wintersemester 2025/26 von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel nach Hamburg gekommen und hat an der Fakultät für Erziehungswissenschaft eine Professur mit dem Schwerpunkt „Design international vergleichender Studien“ angetreten.
Wie beschreiben Sie Ihr Forschungsgebiet in wenigen Sätzen?
Mein Forschungsgebiet hat zwei Schwerpunkte. Einerseits untersuche ich, wie sich Menschen in institutionellen Kontexten wie Schule, Ausbildung und Beruf entwickeln. Dabei interessiere ich mich insbesondere dafür, wie sie Übergangs- und Wahlentscheidungen treffen, beispielsweise bei der Wahl eines Fachs oder einer Ausbildung, und welche Folgen diese Entscheidungen für ihre weitere Entwicklung haben.
Zum anderen arbeite ich im Bereich Educational Measurement. In diesem Bereich befasse ich mich mit statistischen und psychometrischen Verfahren, die vor allem in großen Bildungsmonitoring-Studien eine zentrale Rolle spielen. Diese Verfahren erprobe und entwickle ich in meiner Arbeit weiter.
Wie erklären Sie Ihre Forschung ganz einfach verständlich?
Ich möchte meine Forschung gern anhand zweier Beispiele erklären. In Studien zum Bildungsmonitoring möchten wir beispielsweise herausfinden, was Schülerinnen und Schüler tatsächlich wissen und können. In der Regel setzen solche Studien auf Freiwilligkeit und gehen davon aus, dass alle Teilnehmenden motiviert sind, Tests und Fragebögen sorgfältig zu bearbeiten. In der Praxis ist das jedoch nicht immer der Fall. Deshalb entwickle ich gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen Methoden, mit denen sich solche Antworten erkennen und berücksichtigen lassen, um Kompetenzen verlässlich einschätzen zu können.
Im zweiten Bereich geht es um die Frage, was passiert, wenn Bildungswege gut oder weniger gut zur eigenen Person passen. Was bedeutet es beispielsweise, wenn jemand einen Studiengang wählt, der nicht zu den eigenen Interessen oder Stärken passt? Ich untersuche, wie sich diese Passung messen lässt und welche Auswirkungen sie auf Lernen, Motivation und weitere Entscheidungen hat.
Zu welchen aktuellen gesellschaftlichen Themen oder Herausforderungen möchten Sie Ihre wissenschaftliche Expertise beitragen?
Meine Forschung hat einen direkten Bezug zu aktuellen Herausforderungen. Einerseits geht es darum, die Leistungsfähigkeit unseres Bildungssystems verlässlich zu erfassen. Nur wenn wir ein genaues Bild des Ist-Zustands haben, lassen sich dringende Handlungsfelder erkennen. Mit meinen Arbeiten möchte ich dazu beitragen, dass das Bildungsmonitoring qualitativ hochwertig bleibt und eine solide Grundlage für bildungspolitische Entscheidungen bietet.
Andererseits beschäftige ich mich mit Fragen zur Gestaltung individueller Bildungswege. Angesichts hoher Abbruchquoten im tertiären Bildungsbereich ist es wichtig, junge Menschen frühzeitig zu unterstützen. Mit meiner Forschung möchte ich dazu beitragen, dass sie passende Studien- und Ausbildungsoptionen besser erkennen, einschätzen und langfristig erfolgreich nutzen können.
Was wollen Sie an der Universität Hamburg oder von der UHH ausgehend bewirken, bspw. in Bezug auf Lehre, Transfer, Nachhaltigkeit etc.?
An der Universität Hamburg möchte ich meine Aufgaben in Forschung und Lehre bestmöglich erfüllen. Wenn ich mit meiner Arbeit dazu beitragen kann, die Qualität des Bildungsmonitorings zu stärken und Impulse für eine bessere Unterstützung junger Menschen bei ihren Laufbahnentscheidungen zu geben, wäre das ein wichtiger Erfolg. Besonders am Herzen liegt mir, Studierenden wissenschaftliches Denken nahezubringen und sie dafür zu begeistern. Wenn mir das gelingt, kann daraus im Laufe der Zeit ganz konkret Nutzen entstehen – für die Universität und darüber hinaus.
Wie sieht Ihre internationale Zusammenarbeit aus, mit welchen Universitäten oder Institutionen arbeiten Sie zusammen?
Meine Arbeit ist international vernetzt. Enge Kooperationen bestehen mit der Universität Oslo und der University of Central Florida. Mit Kolleginnen und Kollegen dort arbeite ich in mehreren Projekten zusammen, vor allem im Bereich Educational Measurement.
Zudem ist meine Professur eng mit der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) verbunden. Diese Organisation bringt Forschungseinrichtungen und Forschende weltweit zusammen, um Bildung besser zu verstehen und weiterzuentwickeln. Dadurch ist meine Tätigkeit fest in der internationalen Bildungsforschung verankert, was ich als große Bereicherung empfinde.

