Kapitalmärkte im FokusDie Nadel im Heuhaufen: Wie man ein Portfolio strategisch am besten aufstelltSerie Forschen und Verstehen
13. August 2026, von Newsroom-Redaktion

Foto: AdobeStock/William W. Potter
Sowohl Privatleute als auch Stiftungen und Investmentfirmen sind auf der Suche nach der besten Geldanlage, um Vermögen aufzubauen oder zu erhalten. Prof. Dr. Wolfgang Drobetz forscht mit seinem Team der Professur für Unternehmensfinanzierung und Portfoliomanagement an der University of Hamburg Business School zur Optimierung von Anlagestrategien. Dabei schaut er sowohl auf die Entwicklung der Aktienmärkte, als auch auf die börsennotierten Unternehmen selbst.
Institutionelle Investoren wie etwa Stiftungen stellen ihre Vermögensportfolios systematisch zusammen, um ihre Anlageziele zu erreichen. Sie untersuchen, wie dieser Portfoliomanagementprozess verbessert werden kann. Welche Entscheidungen sind für diese Investorengruppe besonders wichtig?

Die wohl wichtigste Entscheidung, die anlegende Institutionen treffen müssen, betrifft die Struktur und den Stil des Portfolios, die sogenannte strategische Portfolioallokation. Zum Beispiel kann man das Vermögen auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien oder Tagesgeld aufteilen. Dabei spielen persönliche Renditeziele, der zeitliche Anlagehorizont und die individuelle Risikotoleranz eine Rolle. In der Regel ist die Strategie auf mehrere Jahre ausgelegt und soll helfen, kurzfristige Schwankungen („Marktlärm“) auszuhalten.
Wie sollte man vorgehen, um mit einem Portfolio langfristige Rendite- und Risikoziele am besten zu erreichen?
Im ersten Schritt ist es wichtig, die langfristigen Markterwartungen für die einzelnen Anlageklassen richtig zu bewerten. Meist steht für Stiftungen und andere institutionelle Investoren dabei die Frage im Mittelpunkt, um wie viel höher das langfristige Renditepotenzial des Aktienmarktes gegenüber Staatsanleihen ist. Wenn dazu keine verlässlichen Prognosemodelle verfügbar sind, kann ein Blick in die Vergangenheit aufschlussreich sein: In den zurückliegenden 100 Jahren haben zum Beispiel amerikanische Aktien im Vergleich zu kurzfristigen US-Staatsanleihen eine Überschussrendite von rund sechs Prozent pro Jahr erzielt.
Auf Basis dieser langfristigen Rendite- und Risikoschätzungen muss anschließend eine diversifizierte, also über verschiedene Anlageklassen gestreute, und robuste Portfolioallokation ermittelt werden. Dazu stehen mittlerweile auch Optimierungsverfahren auf Basis des maschinellen Lernens zur Verfügung.
Wie erforschen Sie, wie man ein erfolgreiches Portfolio zusammenstellt und verwaltet?
Wir arbeiten zum einen mit großen historischen Datensätzen für die Aktien- und Finanzmärkte. Mit mathematischen Modellen und statistischen Methoden können wir sehr genau analysieren, wie sich Aktien, Anleihen und andere Produkte über bestimmte Zeitverläufe entwickelt haben – auch im Vergleich zueinander. Zum anderen kooperieren wir mit den Investoren selbst, einige davon sehr große Fondshäuser und Versicherungen, die wir zu ihren Anlagestrategien interviewen und mit denen wir die Ergebnisse aus den Analysen rückkoppeln.
Der Gesamterfolg des Aktienmarktes wird von einer äußerst geringen An-zahl von ‚Super-Aktien‘ getragen
In einem aktuellen Forschungsprojekt untersuchen Sie die Anlageklasse Aktien im Detail. Dabei zeigen Sie, dass in der Vergangenheit eine extrem kleine Gruppe von Aktien die Gewinne am US-Aktienmarkt getragen hat. Welche Erkenntnisse ergeben sich daraus für Anlegerinnen und Anleger?
Es ist schon lange bekannt, dass die große Mehrheit der amerikanischen Einzelaktien langfristig schlechter abschneidet als US-Staatsanleihen. Wir konnten in unserer Analyse wissenschaftlich bestätigen, dass der Gesamterfolg des Aktienmarktes von einer äußerst geringen Anzahl von „Super-Aktien“ getragen wird, den sogenannten „Big 7“, zu denen unter anderem Apple, Alphabet und Meta gehören.
Diese Ergebnisse interpretieren wir als Hinweis auf die Überlegenheit des passiven Investierens für eine erfolgreiche Portfoliogestaltung. „Stock-Picking“, also der gezielte Kauf von Einzelaktien, ist sehr risikoreich: Wer versucht, gezielt auf Gewinner zu setzen, greift mit hoher Wahrscheinlichkeit daneben und verfehlt die Marktperformance. Daher ist breite Streuung Pflicht. Nur wer über Indexprodukte den gesamten Markt kauft, stellt sicher, die wenigen extremen Outperformer automatisch im Portfolio zu halten, die am Ende die gesamte Marktrendite generieren.
Ein besonderer Fokus lag bei Ihnen auch auf den börsennotierten Unternehmen selbst. Was haben Sie untersucht?
Wir konnten in unserer aktuellen Studie zeigen, dass die Zunahme der Aktionärsvermögen stark zwischen den einzelnen Phasen im Lebenszyklus von Unternehmen variiert. Dafür haben wir die Daten für US-Unternehmen im Zeitraum von 1990 bis 2024 analysiert. Für diese Jahre wird das geschaffene Aktionärsvermögen mit 60 Billionen US-Dollar beziffert – und einen Großteil davon haben Unternehmen in der sogenannten Reifephase erzielt.
In dieser Phase sind Unternehmen etabliert und arbeiten rentabel, sodass sie sich auf langfristige Investitionen konzentrieren können. Börsennotierte Unternehmen in der Einführungs- und Rückgangsphase haben dagegen insgesamt eher Wert vernichtet. Wenn man Unternehmen in diesen beiden Lebenszyklusphasen vermeidet, könnte es möglich werden, ein Portfolio zusammenzustellen, das eine Überrendite liefert. Daher wollen wir nach der Publikation unseres Aufsatzes eine möglichst einfach umsetzbare und stabile Portfoliostrategie in der Praxis etablieren.
Wird diese Portfoliostrategie dann auch für Privatpersonen gelten?
Wir konzentrieren uns in unserer Arbeit vorrangig auf größere Portfolios, die in der Regel nicht von Einzelpersonen geführt werden. Hier wird oft deutlich langfristiger und zielorientierter gedacht. Aber die grundlegenden Empfehlungen gelten auch für Privatpersonen, die Geld anlegen möchten. Insbesondere Menschen, die wenig Vorwissen haben oder keinen großen Aufwand betreiben wollen, sollten ihre Anlagen breit streuen und bei Einzelkäufen auf etablierte Unternehmen setzen.
Forschen und Verstehen
In den acht Fakultäten der Universität Hamburg forschen rund 6.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Reihe „Forschen und Verstehen“ gibt einen Einblick in die große Vielfalt der Forschungslandschaft und stellt einzelne Projekt genauer vor. Die Folgen erscheinen im UHH-Newsroom, manche von ihnen auch alle zwei Wochen als Kolumne im Hamburger Abendblatt. Fragen und Anregungen können gerne an die Newsroom-Redaktion(newsroom"AT"uni-hamburg.de) gesendet werden.

