Transferfonds der Exzellenzuniversität HamburgDigitale Werkzeuge zur Verbesserung der Müttergesundheit in Äthiopien
18. Dezember 2025, von Christina Krätzig

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In Äthiopien sterben schätzungsweise 400 von 100.000 Frauen während der Schwangerschaft, Geburt oder im Wochenbett. Damit liegt die Müttersterblichkeit mehr als 150-mal höher als in Deutschland. Ein Transferprojekt an der Universität Hamburg will nun insbesondere für werdende Mütter mit Behinderungen Informationen rund um die Themen Gesundheit, Hygiene und Ernährung zur Verfügung stellen.
In den abgelegenen Dörfern der ländlichen Regionen Äthiopiens stehen Frauen mit Behinderungen, die schwanger werden, vor vielfältigen Problemen. Die Wege zu Ärztinnen und Ärzten oder Geburtskliniken sind oft weit, unbefahrbar und mit öffentlichen Transportmitteln kaum zu bewältigen. In dem von regionalen Konflikten erschütterten ostafrikanischen Land sind Reisen ohnehin gefährlich - und viele bestehende Hilfsangebote sind nicht an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen angepasst. So kommt es, dass schätzungsweise 150.000 bis 200.000 behinderte schwangere Mädchen und Frauen in Äthiopien kaum wissen, was mit einer Schwangerschaft auf sie zukommt und bei Komplikationen keine Hilfe erhalten.
„Die Behinderung einer Person sollte nicht dazu führen, dass ihr Hilfe verwehrt wird. Dennoch zeigt die Forschung, dass Mädchen und Frauen mit Behinderungen unterdurchschnittlich gut lesen können und somit bestehende Hilfsangebote oft nicht in Anspruch nehmen können“, erklärt Dr. Larissa Gebken von der Universität Hamburg. Mit Mitteln aus dem Transferfonds der UHH und in Zusammenarbeit mit Forscherinnen der Universität von Addis Abeba will die wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team von Prof. Laura Marie Edinger-Schons eine digitale Plattform aufbauen, die Informationen rund um die Themen Schwangerschaft und Geburt zur Verfügung stellt – in einer Form, die auch seh- oder hörbehinderte Frauen nützt.
„Die Probleme, vor denen wir stehen, sind riesig“, erklärt Gebken. „Viele Frauen in ruralen Gebieten besitzen selbst keine mobilen Endgeräte. Das Netz selbst ist ebenso unzuverlässig wie die Stromversorgung. Hinzu kommt, dass Informationen in vielen verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen müssen, da in Äthiopien über 80 Sprachen gesprochen werden.“
30.000 Euro hat Gebken aus dem Transferfonds der Universität Hamburg erhalten, um ihr Projekt auf den Weg zu bringen. Zu den ersten Schritten gehört es, zu klären, ob eine digitale Plattform überhaupt das richtige Instrument ist. Alternativ stehen auch niedrigschwelligere Technologien zur Wahl, die eher kleinen Radios entsprechen, deren Inhalte jedoch immer wieder abgespielt werden können. Zudem müssen Kontakte zu den lokalen Stakeholdern geknüpft werden: von NGOs, die bereits im Land arbeiten, über staatliche Gesundheitsbüros, traditionell arbeitende Hebammen bis hin zu den betroffenen Familien.
Als Forscherin im Bereich Sozialökonomie mit einem in der Informatik erworbenen Doktortitel hat Gebken bereits Erfahrungen mit E-Learning-Plattformen gesammelt und ist überzeugt, dass digitale Instrumente Potenzial für soziale Veränderungen bieten können. Gleichzeit weiß sie jedoch auch, dass jede Zielgruppe anders ist und bestehende Konzepte nicht einfach wiederverwendet werden können. In ihrem Projekt setzt sie große Hoffnung in das neu zusammengestellte Team, dass sie im vergangenen Frühling bereits besucht hat. Sie ist bereit, ihre Ausgangsideen so lange anzupassen, bis sie sicher ist, ihre Zielgruppe zu erreichen – damit das Leben behinderter äthiopischer Mütter zukünftig ein bisschen sicherer wird.
Der Transferfonds der Exzellenzuniversität Hamburg wird aus Mitteln der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder finanziert.

