Hamburg-Vigoni Forum„Nostalgie ist keine Strategie“ – Klare Worte und Optimismus bei der Rede zur Zukunft Europas
20. Februar 2026, von Newsroom-Redaktion
Globale Krisen, Zweifel und Kritik von innen und außen: Wie historisch die aktuelle Situation Europas ist und wie eine sichere, demokratische Zukunft aussehen kann, skizzierte der ehemalige italienische Ministerpräsident und EU-Kommissar Paolo Gentiloni in seiner Rede am 16. Februar 2026. Über einen Abend voller Zuversicht und europäischer Überzeugung.
Bereits das Interesse an der Veranstaltung zeigte, dass die „Hamburg Speech on the Future of Europe“ in diesen Zeiten hochrelevant ist: Knapp 350 Personen verfolgten im voll besetzten Agathe-Lasch-Hörsaal der Universität Hamburg die Rede von Paolo Gentiloni sowie die anschließende Diskussion mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Politik, die unten auf dieser Seite auch als Video verfügbar sind.
Prof. Dr. Hauke Heekeren, Präsident der Universität Hamburg, betonte in seiner Eröffnung, dass Universitäten in der momentanen politischen Situation eine besondere Verantwortung hätten, Wissen zur Verfügung zu stellen und Räume für Reflektion und Austausch zu bieten. Gentiloni begrüßte er als „Führungspersönlichkeit, die Europa auf den höchsten Ebenen mitgestaltet hat“ – und der ehemalige EU-Kommissar nutzte seine Rede für eine klare, hoffnungsgetragene Vision einer strategisch autonomen Europäischen Union. „Es bringt nichts, nur zurückzuschauen“, erklärte der ehemalige italienische Außenminister und Ministerpräsident und machte in Anlehnung an den kanadischen Premier Mark Carney klar: „Nostalgie ist keine Strategie.“ Eine perfekte Welt habe es nie gegeben und die Veränderungen sollten uns inspirieren, neue Lösungen zu finden.
Vorbereitung und Investitionen als Basis
Mit Blick auf die geopolitischen Entwicklungen, insbesondere in den Beziehungen mit Russland und den USA, sei die strategische Autonomie Europas eine „dringende Notwendigkeit“. Diese solle nicht etwa als Verweigerung von Allianzen verstanden werden, aber als „Weigerung, uns zu einer Zukunft zwingen zu lassen, die wir nicht wollen oder an die wir nicht glauben“. Gentiloni führte in seiner Rede aus, dass dafür gute Vorbereitung und Handlungsfähigkeit in zentralen Bereichen von Sicherheit und Verteidigung bis zu Wirtschaftspolitik sowie Investitionen „in Demokratie, in Institutionen und in unsere Bürgerinnen und Bürger“ notwendig seien.
Dass diese Transformationen nicht einfach zu bewältigen seien, thematisierte der Redner des Abends ebenso wie entscheidende Ansatzpunkte: schnellere Entscheidungen, mehr Integration und eine gerechtere Verteilung von Lasten. Gentiloni betonte zudem, wie viel Europa in den vergangenen Jahren bereits erreicht habe, etwa bei der Unterstützung der Ukraine: „Wir sind viel stärker als wir wirken […], wir müssen uns diese Stärke bewusst machen […] und sie mehr zeigen, als wir es bisher gewohnt sind.“
Vertiefende Diskussion unterstreicht Optimismus
Dieser Einschätzung schlossen sich auch Luigi Mattiolo (Präsident des Deutsch-Italienischen Zentrums für den Europäischen Dialog Villa Vigoni), Prof. Dr. Ursula Schröder (Direktorin des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg) und Liv Assmann (Staatsrätin und Bevollmächtigte der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, der Europäischen Union und für auswärtige Angelegenheiten) in der Diskussion mit Gentiloni und Moderator Prof. Dr. Markus Kotzur (Präsident des Europa-Kolleg Hamburg, wissenschaftlicher Direktor des Hamburg-Vigoni Forums) an.
Sie vertieften im Gespräch insbesondere, wie die strategische Autonomie in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik, der Wirtschaftspolitik und bei der institutionellen Reform der EU aussehen sollte. Eine besondere Rolle spielte dabei die deutsch-italienischen Partnerschaft. Bewusst, aktiv, resilient, stark – die Wünsche für Europas Zukunft und seine strategische Autonomie am Ende des Gesprächs spiegelten den Optimismus des Abends und unterstrichen den gemeinsamen Aufruf zu europäischer Stärke und entschiedenem Handeln.
Die „Hamburger Rede zur Zukunft Europas“ ist Teil des Hamburg-Vigoni Forums, einer gemeinsamen Initiative von Universität Hamburg, Europa-Kolleg Hamburg, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und dem Deutsch-Italienischem Zentrum für den Europäischen Dialog Villa Vigoni. Das Hamburg-Vigoni Forum wird als eine der internationalen Strategiekonferenzen der Universität Hamburg veranstaltet und aus Mitteln der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern finanziert.





