10. März 2026
Erstes umfassendes Vorsorge-Handbuch erschienenSind alle Küsten tsunami-sicher?

Foto: UHH/Jörn Behrens
Jährlich gibt es bis zu 30 Tsunamis, die bewohnte Gebiete treffen und größere Schäden anrichten. Doch die Küsten weltweit sind unterschiedlich gut auf einen Tsunami vorbereitet. Während sich die von großen Tsunami-Katastrophen betroffenen Länder Japan und Indonesien in den vergangenen 15 Jahren zu Vorreitern entwickelt haben, stehen andere Regionen noch am Anfang. Das gefährdet im Ernstfall Menschenleben.
„Bei einem Beben im Mittelmeer dauert es zum Beispiel nur maximal 30 Minuten, bis die Welle auf eine Küste trifft“, sagt Mathematiker Jörn Behrens. „Wie gut die betroffene Region vorbereitet ist, macht einen riesigen Unterschied. Wenn die Zeit optimal genutzt wird, können viele Verluste vermieden werden.“
Hier setzt das nun veröffentlichte Handbuch an. Es leistet praktische Hilfe, das Risiko für Menschen, Infrastruktur und wirtschaftliche Schäden zu verringern. „Solch ein Standardwerk hat bisher gefehlt“, sagt Behrens. „Verantwortliche aus Politik und Verwaltung sowie weitere Fachleute finden hier die Infos, die sie individuell zur Vorbereitung brauchen.“
Das Buch ist online frei verfügbar und hilft, die Kriterien der UNESCO umzusetzen. Aufgebaut wie ein Kochbuch, enthält es die grundlegenden „Zutaten“ für eine Risikoabschätzung sowie 25 „Rezepte“, in denen anhand von Beispielen die Bausteine der Prävention durchgespielt werden. Modelle, Datensätze und Werkzeuge werden vorgestellt, sodass Verantwortliche sie an die Bedingungen vor Ort anpassen können.
Mit einem der Kapitel lässt sich zum Beispiel ermitteln, ob ein Risiko vorliegt. Wie hoch könnte im Ernstfall eine Welle auflaufen? Leben in dem Gebiet viele Menschen? Jede Region weltweit wird entsprechend bewertet. Wer für ein bestimmtes Gebiet verantwortlich ist, muss noch genauer hinschauen. Sind zum Beispiel die Gebäude in Küstennähe stabil? Ein weiteres Kapitel zeigt, wie sich die Anfälligkeit von Häusern und kritischer Infrastruktur ermitteln lässt. Ein Beben im Ozean? Dann kommt es oft auf Minuten an. Entscheidend ist, ob ein Frühwarnsystem etabliert ist, wie gut die Warnungen die Bevölkerung erreichen – oder wie im Ernstfall sinnvoll evakuiert wird.
„Wir haben die Forschungsergebnisse bedienfreundlich für die Praxis aufbereitet, damit sich alle bestmöglich vorbereiten können“, sagt Behrens. „Bleiben darüber hinaus noch Fragen, beraten wir auch individuell.“
Das Buch basiert auf den neuesten Methoden aus dem Bereich der Tsunami-Risikoforschung und stützt sich ausschließlich auf veröffentlichte Forschungsergebnisse. Es ist im Rahmen des von Behrens koordinierten internationalen Projekts AGITHAR (Accelerating Global science In Tsunami HAzard and Risk analysis) entwickelt worden und wird vom Verband „Global Tsunami Modell Association“, dem Jörn Behrens vorsitzt und dem mehr als 40 Forschende aus allen Kontinenten angehören, weiter in die Praxis umgesetzt.
