Weihnachtliche TraditionenWer ist eigentlich das Christkind?
17. Dezember 2025, von Newsroom-Redaktion

Foto: Adobe Stock/Hannes Mallaun
Viele Kinder schreiben in der Adventszeit ihre Wunschzettel an das Christkind oder erwarten, dass es ihnen Geschenke bringt. Aber: Wer oder was ist das Christkind eigentlich? Warum bringt es Geschenke und was hat Martin Luther damit zu tun?
Zur Adventszeit gehören Weihnachtsmärkte, Plätzchenbacken, festliche Dekoration, der Tannenbaum im Wohnzimmer und für viele christlich geprägte Familien der Gottesdienst an Heiligabend, um die Geburt Jesu zu feiern. Gleichzeitig ist Weihnachten stark mit dem Schenken verbunden. Die Heiligen Drei Könige oder die drei Weisen aus dem Morgenland bringen zur Geburt Jesu Geschenke mit. „Aber das hat mit den Geschenken zu Weihnachten tatsächlich nicht viel zu tun“, sagt Jan Gehm, Lehrbeauftragter für Interkulturelle Theologie und Religionswissenschaft an der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Hamburg.
Die mit dem Christentum verbundene Tradition sei besonders mit dem Bischof Nikolaus von Myra in Kleinasien (1. Hälfte des 4. Jahrhunderts) verknüpft, so Gehm: „In den Legenden beschenkt Nikolaus Kinder und Bedürftige, etwa indem er einer verarmten Familie heimlich Mitgift für die Töchter zukommen lässt. Daher wurden seit dem 12. Jahrhundert Kinder am 6. Dezember zum Nikolaustag mit kleinen Gaben beschenkt, um sie mit dem Heiligen vertraut zu machen.“
Einige sehen Luther als Erfinder des Christkindes
Mit der Reformation sei in vielen protestantischen Regionen die Heiligenverehrung zurückgegangen, erläutert Gehm weiter: „Martin Luther war einer dieser Gegner der Verehrung von Heiligen. So kann man bereits bei Luther neben dem Nikolaus auch vom Christkind lesen: ‚Gleichwie man die kindlin gewenet, das sie fasten und beten und jr kleiderlin des nachtes ausbreiten, das jn das Christkindlin odder Sanct Nicolas bescheren sol.‘ Es gibt einige, die daher in Luther den Erfinder des Christkindes sehen. Allerdings ist diese Meinung umstritten und nicht gesichert.“ So soll ab 1531 in Luthers Familie bereits mit dem „Heiligen Christ" die Bescherung gemacht worden sein. Weil der Nikolaus als Heiliger in den Hintergrund trat, suchte man nach einem neuen Gabenbringer: Das Christkind bzw. der „Heilige Christ“ trat an seine Stelle. Zugleich verlagerte sich die Bescherung zunehmend vom 6. Dezember (Nikolaustag) auf Heiligabend oder den Weihnachtstag.
Theologisch bezeichnet das Christkind das neugeborene Jesuskind – die Menschwerdung Gottes, erläutert Gehm. „Im Volksbrauchtum entwickelte sich daraus eine eigenständige Figur, die die Geschenke brachte: engelhaft, oft mit blondem lockigem Haar, weißem Gewand und goldenem Heiligenschein. In vielen Orten (z. B. an großen Weihnachtsmärkten) oder auch auf Weihnachtskarten wird das Christkind von einem Mädchen in weißer Kleidung verkörpert, die Reinheit und Unschuld symbolisieren soll.“
Wenn vom „Christkind“ als Geschenkebringer die Rede ist, ist damit also nicht das Jesuskind gemeint, sondern eine symbolische, engelhafte Botenfigur, die Weihnachten repräsentiert. Gehm: „In evangelischen Gebieten entstand es als Alternative zum Nikolaus und wurde später auch in katholischen Regionen übernommen, unter anderem Anfang des 19. Jahrhunderts in Bayern und im Rheinland. Bis heute bringt das Christkind die Geschenke heimlich – niemand bekommt es zu Gesicht. Die Figur bleibt unsichtbar und geheimnisvoll, und die Freude sowie die Spannung auf die Geschenke des Christkinds bestehen bis heute fort.“

