Positionspapier und neuer VereinUHH-Forschende stärken deutschsprachige Data-Science-Community
24. November 2025, von Newsroom-Redaktion

Foto: UHH/Esfandiari
Die Forschung mit großen Datenmengen ist in immer mehr Disziplinen relevant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von 21 deutschen und österreichischen Forschungseinrichtungen, darunter auch der Universität Hamburg, fordern daher mehr politisches und wissenschaftliches Engagement für Digital und Data Science.
Martin Semmann, Managing Director des Hub of Computing and Data Science (HCDS) an der Universität Hamburg, und Chris Biemann, Professor für Sprachtechnologie und wissenschaftlicher Direktor des HCDS, sind zwei der 40 Forschenden, die das „Positionspapier zur Zukunft der Data- und Digital Science-Community“ mitverfasst und unterzeichnet haben. Sie fordern darin eine verlässliche, langfristige Ausstattung für zentrale Einrichtungen wie Data- und Digital-Science-Zentren, um datenintensive und digital gestützte Forschung nachhaltig zu stärken. Aktuell ist häufig noch eine projektbasierte Finanzierung üblich, wie etwa bei den elf Datenkompetenzzentren, die vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert werden.
Forschung mit großen Datenmengen – ein fächerübergreifendes Phänomen
Das Anliegen ist umso dringlicher, da Forschung mit großen Datenmengen und digitalen Methoden in vielen Wissenschaftsdisziplinen inzwischen üblich ist – und das nicht nur in Statistik oder Informatik. Auch in Fachrichtungen wie der Geschichte oder den Gesundheitswissenschaften nimmt die datenintensive Arbeit zu. Grund dafür ist nicht zuletzt, dass durch die Digitalisierung mehr und mehr Daten digital verfügbar sind, zum Beispiel Mobilfunk- und Standortdaten, Open-Government-Daten von Städten oder Daten aus Gesundheitsapps.
Die Stellungnahme ist daher einer von mehreren Schritten, die aktuell unternommen werden, um die Stimmen in der datenwissenschaftlichen Forschung im gesamten deutschsprachigen Raum zu vernetzen. Unter Koordination des HCDS, der Universität Bremen und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wird etwa der überregionale Verein „Data & Digital Science Community e.V. (DaDiSC)“ gegründet. Auch er soll die Position der Community stärken.
„Einrichtungen wie das HCDS sind in einem zunehmend datenintensiven Wissenschaftssystem die Voraussetzung für exzellente und nachhaltige Forschung. Um ihr Potenzial voll ausschöpfen zu können, müssen Data und Digital Science unserer Ansicht nach explizit in Forschungs-, Digital- und Innovationsstrategien von Bund und Ländern berücksichtigt und mit langfristigen Förderlinien unterstützt werden“, erklärt Martin Semmann vom HCDS, Mitunterzeichner des Positionspapiers und Gründungsvorstand von DaDiSC.
Data und Digital Science an der Universität Hamburg
Mit dem HCDS verfügt die Universität Hamburg bereits seit 2021 über eine zentrale wissenschaftliche Einheit für Data und Digital Science. Sie stärkt die datengetriebene Forschung, bündelt bestehende Kompetenzen und erweitert diese strategisch. Forschende können sich über Fachgrenzen hinweg vernetzen und für Projekte innovative datenbasierte Methoden, KI-Technologien und digitale Infrastrukturen nutzen. Ein zentraler Bestandteil des HCDS ist das Methodenkompetenzzentrum, das Forschende aller Fakultäten bei der Auswahl, Anwendung und Weiterentwicklung moderner datenwissenschaftlicher Methoden unterstützt.
Die Unterzeichnenden des Positionspapiers fordern neben einem gestärkten Fokus auf der Forschungsunterstützung, dass Data und Digital Literacy – also die Fähigkeit, mit großen Datenmengen umzugehen – in der Lehre umfassender gefördert werden müsse. „Gemeinsam mit dem Hamburger Zentrum für Universitäres Lehren und Lernen, dem HUL, arbeiten wir in geförderten Projekten wie dem DDLitLab oder ReAction daran, relevante Skills für eine datenintensive wissenschaftliche Welt systematisch im Lehrplan zu verankern und weiterzuentwickeln“, so Semmann. Der kompetente Umgang mit Daten müsse aber noch mehr fachübergreifend in verschiedenen Studiengängen gelehrt werden – in Zusammenarbeit von technischen und nicht-technische Disziplinen.

