29. September 2026
Mehr als 900.000 Euro FörderungÄlteste Koranhandschriften werden erstmals analysiert

Foto: UHH/Brannahl-Archiv
Aufgrund der gegenwärtigen politischen Situation im Jemen sind die Originale der Schriften, die zu den ältesten Koranhandschriften überhaupt zählen, derzeit unzugänglich. Doch die in den 1990er-Jahren davon angefertigten rund 24.000 Mikrofilmaufnahmen sowie 5.000 Farbdias und Schwarz-Weiß-Fotos konnten 2019 von der Orientabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin akquiriert und mittlerweile digitalisiert werden. Somit besteht jetzt erstmals die Möglichkeit, diesen wertvollen Handschriftenfund in seiner Gesamtheit zu analysieren.
Dafür haben Forschende der Islamwissenschaft am Asien-Afrika-Institut der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Hamburg und der Staatsbibliothek zu Berlin Fördermittel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für ein auf zwölf Jahre ausgelegtes Forschungsprojekt eingeworben: „From the Particular view to the Overall Picture. Using Computer Vision, AI, Palaeography, and Philology to Reconstruct the Biography of the Great Mosque of Sanaa Manuscript Collection as an ensemble” (BiSaME) läuft in der ersten Projektphase von 2026 bis 2029 und erhält für diese Zeit Fördermittel in Höhe von 934.301 Euro.
Geleitet wird das Projekt von Dr. Alba Fedeli von der Staatsbibliothek zu Berlin, die lange an der Universität Hamburg forschte, und Prof. Dr. Thomas Eich aus der Islamwissenschaft der Uni Hamburg. „Das Langfristprojekt setzt sich die Untersuchung der Sammlung in ihrer Gesamtheit zum Ziel, und zwar durch die Analyse der Geschichte der Handschriften. Dabei rekonstruieren wir unter anderem ihrer Entstehung und Herstellung und betrachten ihre Verwendung als religiöse Texte durch die Gemeinschaft. Zudem beschäftigen wir uns mit den Debatten, die ihre öffentliche Rezeption der vergangenen 50 Jahre beeinflusst haben, insbesondere aufgrund der Medienberichterstattung“, sagt Prof. Dr. Thomas Eich.
Das Projekt soll das Potenzial der Bilder der Handschriften entfalten und so die Geschichte der Sammlung rekonstruieren. Durch die Nutzung von Technologie aus den Bereichen Computer Vision und Künstlicher Intelligenz in Verbindung mit der aktuellsten Koranhandschriftenforschung wird das Projekt eine der meist diskutierten Handschriftensammlungen des Nahen Ostens systematisch untersuchen, die oft Gegenstand von Spekulationen und Polemik wurde, so Eich und Fedeli.
„Das Projekt soll nicht nur die wissenschaftliche Erkenntnis vorantreiben, sondern auch Wertschätzung und Zugang zu dieser Sammlung fördern, indem es eine Forschungslücke angeht, die bislang Mediennarrative abgedeckt haben. Es wird also die Bedeutsamkeit der Sammlung sowohl innerhalb akademischer Forschung bekannt machen, als auch darüber hinaus“, sagt Dr. Alba Fedeli.