31. Mai 2026
Befragung zu Olympia-Referendum in HamburgWirtschaftliche Gründe sind entscheidend für Abstimmungsverhalten

Foto: AdobeStock/M. Claushallmann
Insgesamt 57 Prozent der Befragten gaben im Mai 2026 an, gegen das Referendum stimmen zu wollen, circa 30 Prozent waren dafür und 13 Prozent noch unentschlossen. Bei einer vorherigen Befragung im Februar und März war das Ergebnis noch deutlich ausgeglichener gewesen: Circa 33 Prozent der befragten Personen waren gegen eine Bewerbung, 24 Prozent dafür und 43 Prozent unentschlossen. An der zweiteiligen Online-Befragung, die am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg durchgeführt wurde, nahmen im ersten Durchgang 563 abstimmungsberechtigte Personen mit Wohnsitz in Hamburg teil. In der zweiten Welle im Mai 2026 konnten 371 der 563 Personen erneut befragt werden.
Um im räumlich begrenzten Erhebungsgebiet ausreichend hohe Fallzahlen zu erzielen, wurde auf eine bei Online-Befragungen übliche Quotierung verzichtet. Die Daten wurden stattdessen anhand amtlicher Angaben zur Hamburger Wohnbevölkerung nach Geschlecht, Alter und Bildung gewichtet, um eine möglichst repräsentative Abbildung der abstimmungsberechtigten Bevölkerung zu gewährleisten.
Die Umfrage zeigt einen Trend im Verlauf der Kampagne. „Seit der ersten Befragung haben sich deutlich mehr der zuvor noch Unentschlossenen gegen eine Olympia-Bewerbung positioniert als dafür, während nur wenige Befragte, die schon im Februar eine Absicht bekundeten, diese noch änderten. In der zweiten Welle spricht sich nun eine absolute Mehrheit der Befragten dagegen aus“, sagt Nelly Buntfuß, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Methoden.
Das Forschungsteam um Buntfuß und Leininger fragte die Panelteilnehmenden darüber hinaus nach ihrer Sicht auf mögliche Vor- und Nachteile Olympischer Spiele in Hamburg. Mit einer Zustimmung zum Referendum verbinden sich vor allem die zu erwartenden wirtschaftlichen Vorteile und Infrastrukturverbesserungen in der Stadt und nachgelagert auch ein möglicher Imagegewinn für die Stadt.
Auf der anderen Seite tragen Befürchtungen hinsichtlich negativer Auswirkungen auf die Lebensqualität sowie Umwelt- und Sicherheitsrisiken zur Ablehnung bei. Letztere spielen jedoch eine deutlich geringere Rolle als die Kostenfrage, die für viele „Nein“-Stimmen entscheidend ist: „Es sind also vor allem wirtschaftliche Faktoren, die von den Befragten als besonders wichtig eingeschätzt werden – sowohl bei der Zustimmung als auch bei der Ablehnung“, so Projektleiter Arndt Leininger, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg.
Laut Auswertung der Befragung haben andere Faktoren wie soziodemografische Merkmale oder Nähe zu einer politischen Partei kaum Einfluss auf die Meinungsbildung. Anhängerinnen und Anhänger befürwortender Parteien (SPD, Grüne und CDU) und ablehnender Parteien (Linke und AfD) unterscheiden sich in ihrer Meinung weder voneinander noch von Befragten ohne Parteineigung.
Die Befragung zum Hamburger Olympia-Referendum ist Teil des Forschungsprojekts „Polarisierung in und durch Referenden”, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Emmy Noether-Programms gefördert wird. Das Projekt untersucht, ob und wie Volksabstimmungen bestehende gesellschaftliche Spaltungen verstärken oder neue Gegensätze erzeugen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die inhaltliche Positionierung der Bürgerinnen und Bürger im Umfeld von Referenden, sondern auch die Frage nach möglicher affektiver Polarisierung. Damit ist ein gesellschaftlicher Prozess gemeint, bei dem politische Gegenseiten einander nicht nur inhaltlich, sondern zunehmend auch emotional ablehnend gegenüberstehen.
Mit Blick auf die aktuelle Befragung zeigt sich: Fast 80 Prozent der Befragten ordnen sich einem der beiden Lager zu, und die Sympathiewerte für die eigene Gruppe fallen deutlich wärmer aus als für die Gegenseite – ein Befund, der auf affektive Polarisierung nicht nur zwischen Parteien, sondern auch rund um konkrete Sachfragen hindeutet.
Die Ergebnisse der Befragung sind online abrufbar (PDF). Prof. Arndt Leininger steht für Medienanfragen zu den Befragungsergebnissen sowie rund um das Referendum zur Verfügung.