Projektleiter: Christoph Gabriel ![]()
Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen: Ingo Feldhausen, Andrea Pešková
Studentische Hilfskräfte:
Fruth, Ricarda
Kireva, Elena
Nanula, Nina
Rodríguez Arguedas, Mariela
Schlegel, Natividad
Teichmann, Claudia
Kooperationspartner:
Arana, Valeria (Universidad Nacional del Comahue)
Blázques, Bettiana (Universidad Nacional del Comahue)
Buthke, Carolin
(Universität Osnabrück)
Colantoni, Laura
(University of Toronto)
Dabrowski, Alejandra (Universidad Nacional del Comahue)
Kubarth, Hugo
(Universität Graz)
Kuchenbrandt, Imme
(Universität Bremen)
Labastía, Leopoldo (Universidad Nacional del Comahue)
Lee, Su-Ar (University of Florida)
Meisenburg, Trudel
(Universität Osnabrück)
Prieto, Pilar
(Universitat Pompeu Fabra)
Sichel-Bazin, Raphael
(Universität Osnabrück, Universitat Pompeu Fabra)
Vázques, Mónica (Universidad Nacional del Comahue)
Benet, Ariadna / Feldhausen, Ingo / Pešková, Andrea (in Vorbereitung): Prosodische Grenzen in der Spontansprache. Arbeiten zur Mehrsprachigkeit, Universität Hamburg.
Feldhausen, Ingo / Gabriel, Christoph / Pešková, Andrea (2010): "Prosodic Phrasing in Argentinean Spanish: Buenos Aires and Neuquén." In: Hasegawa-Johnson, Mark et al. (eds.): Speech Prosody 2010. Chicago, IL. [PDF] ![]()
Gabriel, Christoph / Feldhausen, Ingo / Pešková, Andrea / Colantoni, Laura / Lee, Su-Ar / Arana, Valeria / Labastía, Leopoldo (2010, i. E.): "Argentinian Spanish Intonation." In: Prieto, Pilar / Roseano, Paolo (eds.): Transcription of Intonation of the Spanish Language. München: Lincom, 285-317.
[Sounddateien publiziert im Atlas interactivo de la entonación del español] ![]()
Gabriel, Christoph / Feldhausen, Ingo / Pešková, Andrea (2011, i.E.): "Prosodic Phrasing in porteño Spanish." In: Gabriel, Christoph / Lleó, Conxita (eds.): Intonational Phrasing in Romance and Germanic: Cross-Linguistic and Bilingual Studies. Amsterdam: Benjamins, 153-182.
Gabriel, Christoph / Pešková, Andrea / Labastía, Leopoldo / Vázquez, Betiana (2011, i. E.): "La entonación en el español de Buenos Aires." In: Colantoni, Laura / Rodríguez Louro, Celeste (eds.): Perspectivas teóricas y experimentales sobre el español de la Argentina.
Pešková, Andrea / Feldhausen, Ingo / Gabriel, Christoph (2011, i. E.): "Fraseo prosódico en el español porteño." In: Di Tullio, Ángela / Kailuweit, Rolf (eds.): El español rioplatense. Frankfurt/Madrid: Vervuert.
Ziel
ist eine Bestandsaufnahme der Intonation des argentinischen Prestigedialekts porteño, ausgehend von prosodischen
Merkmalen, die er mit der migrationsbedingten Kontaktsprache Italienisch teilt.
Anhand der Daten von Sprechern verschiedenen Alters und unterschiedlicher
geografischer Herkunft sowie durch den Vergleich mit älteren Tondokumenten wird
untersucht, ob sich mutmaßlich ‘italienische Züge’ nach dem Übergang zur
spanischen Einsprachigkeit verstärken oder abschwächen. Dies soll zum besseren Verständnis der Rolle der Intonation in Mehrsprachigkeit
und Sprachwandel beitragen.
Immigration und Mehrsprachigkeit in Buenos Aires
Bedingt durch massive Einwanderungsströme aus Mittel-
und Süditalien bestand die Bevölkerung von Buenos Aires zu Beginn des 20. Jh.s
zu ca. einem Drittel aus italienischen Einwanderern (Fontanella de Weinberg
1987, Lipski 2004); in einzelnen Stadtvierteln betrug der Anteil der
italienischsprachigen Bevölkerung bis zu 45%. Die sprachliche Situation war
lange Zeit durch Mehrsprachigkeit und insbesondere durch spanisch-italienischen
Bilingualismus gekennzeichnet. Zwar ist im
heutigen Buenos Aires spanische Einsprachigkeit zum Normalfall geworden, doch
ist die argentinische Prestigevarietät porteño
(< puerto ‘Hafen’), die trotz der
großen dialektalen Vielfalt innerhalb des Landes (Böck/Pfaffstaller 2007) für
gewöhnlich als das argentinische
Spanisch schlechthin wahrgenommen wird, durch massiven italienischen Einfluss
geprägt. Neben lexikalischen Besonderheiten ist hier vor allem die
Intonation zu nennen, die in zahlreichen Darstellungen als „italienisch“
charakterisiert wird (Kailuweit 2005, Di Tullio 2003, Wurl 2007, Vidal de
Battini 1964).
Intonation: Standardnahe Varietäten vs. porteño-Spanisch
Die Intonation standardnaher Varietäten des Spanischen
ist durch den Kontrast zweier Akzenttöne charakterisiert: early peak (LH*, schneller Tonanstieg innerhalb der metrisch
starken Silbe) und late peak (L*H,
langsamer Anstieg mit dem Tonhöhengipfel nach der metrisch starken Silbe).
Dabei ist L*H die default-Realisierung
pränuklearer Akzenttöne; LH* ist die Realisierung des Nuklearakzents und damit
zugleich fokaler Akzentton (Sosa 1999, Face 2001, Hualde 2002a, b). Das porteño-Spanische teilt sein auffälligstes intonatorisches
Charakteristikum mit dem Italienischen: Es besteht kein Kontrast L*H vs. LH*;
auch pränukleare Akzenttöne werden als steigende Töne mit early peak realisiert und nach Colantoni/Gurlekian (2004) als H* analysiert
(für das Italienische vgl. Rabanus 2001, D’Imperio 2002). Dies wird
kompensiert, indem der fokale Akzentton mit erhöhtem F0-Wert und früher
silbeninterner Alignierung realisiert wird (Gabriel 2006). In der Grafik, die die Alignierung der Akzenttöne
in standardnahen Varietäten und im porteño-Spanischen
schematisch gegenüberstellt, ist die silbenintern frühe Alignierung als ‘←H’ und der erhöhte F0-Wert durch ‘^H’ symbolisiert.
Alignierungseigenschaften von Akzenttönen (Gabriel 2006)

Auf größerer Datenbasis als in vorliegenden Studien (u. a. Arana et al. 2007, Colantoni/Gurlekian 2004, Gabriel 2006) soll zunächst eine Bestandsaufnahme der porteño-Intonation erstellt werden:
Ausgangspunkt sind die prosodischen Merkmale, die das porteño-Spanische mit zahlreichen italienischen Dialekten teilt (Realisierung pränuklearer Akzenttöne als early peak, fallende Schlusskontur, tonale Markierung des kontrastiven Fokus; vgl. Gabriel 2006, Kaisse 2001). Es werden spontansprachliche und laborphonologische Daten ausgewertet sowie Perzeptionsexperimente durchgeführt. Theoretischer Rahmen ist das Autosegmental-Metrische Modell (Beckman/Pierrehumbert 1986, Ladd 1996). Weiteres Ziel ist ein besseres Verständnis kontaktbedingten intonatorischen Wandels. Es wird untersucht, ob die „italienischen“ Merkmale in der Prosodie des argentinischen Spanischen eher zurückgehen oder sich verfestigen. Dabei werden die regionale und die diachrone Dimension in den Blick genommen und folgende Sprechergruppen miteinander kontrastiert:
Regionale Dimension
Diachrone Dimension