UHH Newsletter

April 2017, Nr. 95

CAMPUS



Kontakt:

Prof. Dr. Gertraud Koch
Institut für Volkskunde/Kulturanthropologie

t. 040.42838-2014
e. gertraud.koch"AT"uni-hamburg.de

Setzt sich für die Digitalisierung von Kunstwerken ein: Prof. Dr. Gertraud Koch, Organisatorin der Initiative „Sharing is caring“. Foto: UHH/Kranz

Setzt sich für die Digitalisierung von Kunstwerken ein: Prof. Dr. Gertraud Koch, Organisatorin der Initiative „Sharing is caring“. Foto: UHH/Kranz

3 Fragen an: Prof. Dr. Gertraud Koch

Kultur und Kunst für alle! Das ist – etwas überspitzt formuliert – das Ziel der Initiative „Sharing is Caring“ aus Dänemark, die wissenschaftliche, historische und künstlerische Sammlungen, etwa aus Museen und Universitäten, digitalisieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen will. Am 20. und 21. April 2017 findet erstmals ein Ableger der Jahreskonferenz im Ausland statt, genauer: in Hamburg. Veranstaltet wird die Konferenz vom Fachbereich Kultur/Kulturanthropologie der Universität Hamburg und dem Museum für Kunst und Gewerbe. Wir haben mit Organisatorin Prof. Dr. Gertraud Koch gesprochen.

Frau Koch, warum sollten Museen ihre Sammlungen einfach ins Internet stellen, wenn sie doch eigentlich wollen, dass die Leute kommen und Eintritt bezahlen?

Digitale Kopien im Internet sind Abbilder von Kunstobjekten, aber das eine ersetzt das andere nicht. Die Kunstdrucke in Plakatformat haben auch nicht dazu geführt, dass man die Maler der klassischen Moderne beispielsweise nicht mehr im Museum ansehen will – im Gegenteil, die Museen mit solchen Exponaten haben großen Zulauf. Digitale Sammlungen verweisen lediglich auf die Originale, rufen diese ins Bewusstsein und motivieren dann vielleicht, mal wieder hinzugehen.

Wie beeinflusst es die Wahrnehmung von Kunst, dass ich nicht das Original sehe, sondern „nur“ einen Scan?

Spannend ist, dass damit neue Wahrnehmungsweisen ermöglicht werden, die mit den digitalen Medientechnologien entstehen. Was „Pokemon Go“ so erfolgreich machte – virtuelle Objekte per Smartphone-App mit realen Räumen zu verknüpfen –, auf die Idee ist das Museum of London schon früher gekommen: Öffentliche Räume in London können per Smartphone mit historischen Bildern aus dem Archiv überblendet werden; es entstehen sogenannte Augmented oder auch Mixed Realities.

Zum Beispiel legen sich dann digitalisierte historische Fotografien passgenau über die London Bridge und zeigen vor Ort, wie sich diese im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat.

Welche Rolle spielen Universitäten in der Bewegung und wie sieht es an der Universität Hamburg momentan aus?

Die Universitäten sind oft mit Museen verbunden und insofern auch Teil dieser Entwicklungen – wie die Sammlungen an der Universität Hamburg, die ihre Bestände auch zunehmend digitalisieren und über das Internet zugänglich machen. Es besteht aber auch noch erheblicher Forschungsbedarf, der momentan vor allem im Bereich der Rechte und Verwertung digitalisierter Objekte gesehen wird.

Mit der Tagung „Sharing is Caring. Building Connectivity through Cultural Heritage“ möchten wir aber auf einen anderen, noch wenig beachteten Forschungsbedarf hinweisen: Das sind Fragen der Partizipation und der sozialen Inklusion aller Bevölkerungsgruppen, also eines Cultural Citizenship, die sich im Zusammenhang mit digitalisiertem Kulturerbe neu stellen und auch gestaltet werden müssen. Einige Beispiele aus London zeigen, dass hier große Potenziale liegen. Das sind wichtige Entwicklungspotenziale gerade für Städte, die so dezidiert wie Hamburg auf eine digitale Stadtentwicklungsstrategie setzen.

Red.
 
 
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