UHH Newsletter

Mai 2010, Nr. 14

CAMPUS

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Das Auditorium war nahezu voll besetzt: Die Fachtagung zur Primarschule stieß auf großes Interesse, Foto: EPB/Christian Scholz



Kontakt:

Prof. Dr. Wolfram Weiße
t. 040.42838-2131
e. weisse-at-erzwiss.uni-hamburg.de

Prof. Dr. Johannes Bastian
t. 040.42838-6276
e. bastian-at-uni-hamburg.de

Fachtagung zur sechsjährigen Primarschule

Prof. Dr. Johannes Bastian, Prof. Dr. Karl Dieter Schuck und Prof. Dr. Wolfram Weiße vom Fachbereich Erziehungswissenschaft veranstalteten im April eine Fachtagung zum Thema „Längeres gemeinsames Lernen in der sechsjährigen Primarschule. Argumente der Erziehungswissenschaft“. Hamburger und auswärtige Expert/innen stellten vor rund 500 Teilnehmer/innen den Stand der Forschung dar und diskutierten vor diesem Hintergrund in Vorträgen und Workshops die geplante Einführung der Primarschule.
Schulreform mit weitreichender Wirkung

„Diese geplante Schulreform ist die umfassendste in einem westlichen Bundesland seit 1945“, so Prof. Dr. Reiner Lehberger, Leiter des Zentrums für Lehrerbildung Hamburg, „Sollte sie wie geplant umgesetzt werden, brauchen wir eine stark veränderte Lehrerausbildung.“ Auf der „Gewinnerseite“ befinden sich seiner Ansicht nach die Grund- bzw. Primarschule, aber auch das Gymnasium, da seine Existenz gestärkt werde. „Verlierer“ seien dagegen die Gesamtschule und humanistische Gymnasien.

Entscheidender Faktor: soziale Herkunft

„Dass die Primarschule leistungsfähige Schülerinnen und Schüler bremst, ist wissenschaftlich nicht belegt. Sie sollte einen positiven Rahmen bieten, um mehr Schülerinnen und Schülern aus niedrigen Schichten den Weg zum Abitur zu ermöglichen“, so Prof. em. Dr. Klaus-Jürgen Tillmann, Universität Bielefeld. Der renommierte Erziehungswissenschaftler legte in seinem Beitrag außerdem anhand verschiedener Studien dar, wie stark die soziale Ungleichbehandlung bei einer Trennung der Kinder nach der 4. Klasse ist. So hat beispielsweise die IGLU-Studie zuletzt 2006 gezeigt, dass die Chance eines Akademikerkindes auf ein Gymnasium zu kommen 3,8 mal höher ist, als die eines Arbeiterkindes – und das bei gleicher Intelligenz und gleicher Leistung. Für Tillmann ein starker Hinweis darauf, dass hier dringender Handlungsbedarf sei.

Beispiel Schweiz


Im Nachbarland Schweiz hat die Primarschule, hier „Primärschule“ genannt, eine lange Tradition – sie geht auf das Napoleonische Schulgesetz aus dem Jahr 1802 zurück. Prof. Dr. Jürgen Oelkers, Universität Zürich, schilderte in der Abendveranstaltung die historische Entwicklung der Schweizer Schullandschaft und ihre heutige Situation. In allen 26 Kantonen ist der Besuch der sechsjährigen „Primärschule“ obligatorisch. Gleichzeitig stellte er Planungen vor, das sechsjährige gemeinsame Lernen auf 8 Jahre gemeinsames Lernen zu verlängern.

Weitere Programmpunkte waren u.a.: Prof. Dr. Matthias von Saldern, Leuphana Universität Lüneburg, mit einem Vortrag zur „Auseinandersetzung mit den Argumenten von Kritikern der Primarschule“ und Prof. Dr. Annedore Prengel, Universität Potsdam, die sich mit der „Integrativen Schule als Schule der Demokratie“ beschäftigte.

Einen ausführlichen Tagungsbericht und das Medienecho gibt es unter: www.epb.uni-hamburg.de/de/node/3669
A. Dose
 
 
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