Beteiligung an europäischen GroßprojektenDreifacher Erfolg für Forschende der MIN-Fakultät
31. März 2026, von Maria Latos

Foto: UHH/Esfandiari
Gesundheit, Ernährung und Klimaschutz stehen im Mittelpunkt von drei europäischen Forschungsprojekten, an denen Forschende der Universität Hamburg beteiligt sind. In den Projekten PanEuCOPT, AQUALICIOUS und OAeSIS entwickeln sie innovative, praxisnahe Lösungsansätze.
PanEuCOPT: Neue Wege im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen
Die zunehmende Verbreitung antibiotikaresistenter Erreger stellt eine der größten globalen Herausforderungen im Gesundheitswesen dar. Hier setzt das europäische Netzwerk PanEuCOPT (Pan-European Cooperation in Photodynamic Inhibition) an und verfolgt einen innovativen Ansatz: die sogenannte photodynamische Inaktivierung. Dabei werden lichtempfindliche Wirkstoffe gezielt mit Licht und molekularem Sauerstoff kombiniert, um Krankheitserreger zu inaktivieren.
Obwohl vielversprechende Ergebnisse aus Labor- und Tierstudien vorliegen, ist die Methode bislang wenig bekannt und kaum standardisiert. Die COST Action PanEuCOPT bringt Wissenschaftlerinnen mit medizinischen Fachpersonal sowie Industriepartnern zusammen, um in einem Zeitraum von vier Jahren einheitliche Testprotokolle, technische Richtlinien, gemeinsame Terminologien und Bildungsangebote zu entwickeln. Ziel ist es, die Methode bis zur klinischen Anwendung und regulatorischen Anerkennung von Photoantimikrobiotika voranzubringen und damit eine Alternative zu klassischen Antibiotika zu etablieren.
An der Universität Hamburg wird das Projekt von Prof. Dr. Bianka Siewert vom Fachbereich Chemie geleitet. Es läuft über vier Jahre, das Budget wird pro Jahr neu verhandelt. Erwartungsgemäß wird es um die 600.000 Euro liegen. Es handelt sich um ein Netzwerkprojekt, welches kontinuierlich neue Mitglieder aus verschiedenen Fachbereichen und mit verschiedenen Anbindungen aufnimmt.
AQUALICIOUS: Nachhaltige Aquakultur für Europa
Die Aquakultur ist weltweit der am schnellsten wachsende Lebensmittelsektor. In Europa steht sie jedoch vor ökologischen Herausforderungen, da sie von Raubfischarten wie beispielsweise Lachsen dominiert wird, was zu Lebensraumzerstörung und einer Abhängigkeit von wild gefangenen Fischen als Futtermittel führt.
Das EU-Projekt AQUALICIOUS setzt auf einen grundlegenden Wandel hin zu nachhaltigen, klimaresilienten Produktionssystemen. Im Fokus stehen sogenannte niedrig-trophische und integrierte multitrophische Aquakultursysteme. Ziel ist es, allesfressende Fisch-, Schalentier-, Weichtier- sowie Algenarten einzuführen, um die Diversifizierung zu fördern und Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern. Das Projekt wird innovative Technologien und Protokolle liefern, darunter fortschrittliche Sensoren für die Umweltüberwachung und digitale Tools zur Produktionsoptimierung. Diese Lösungen werden an drei Demonstrationsstandorten in Norwegen, Belgien und Spanien unter realen Bedingungen getestet und validiert.
Von der Universität Hamburg ist Dr. Arne M. Malzahn vom Fachbereich Biologie beteiligt. Die Gesamtsumme des Projekts beträgt knapp sechs Millionen Euro, die UHH erhält 152.000 Euro.
OAeSIS: Klimaschutz im Ozean
Mit OAeSIS widmet sich ein interdisziplinäres Konsortium einer vielversprechenden, aber bislang wenig verstandenen Methode zur Entfernung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre: der Erhöhung der Alkalität der Ozeane. Diese Technik könnte langfristig sowohl zur Minderung des Klimawandels als auch zur Abschwächung der Ozeanversauerung beitragen. Allerdings bestehen nach wie vor erhebliche Unsicherheiten und Wissenslücken hinsichtlich der Wirksamkeit der Methode, ihrer technologischen und wirtschaftlichen Machbarkeit, ihrer Auswirkungen auf die Umwelt sowie ihrer Regulierung.
Das Projekt untersucht die ökologischen, biogeochemischen, technischen, ökonomischen sowie rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen bei der Erhöhung der Alkalität der Ozeane. Dabei werden unter anderem Auswirkungen auf marine Organismen und die Biodiversität analysiert, das Skalierungspotenzial identifiziert und Governance-Modelle für eine verantwortungsvolle Umsetzung entwickelt. OAeSIS soll wissenschaftlich fundierte Grundlagen für politische Entscheidungsprozesse zur Nutzung mariner CO₂-Entnahmetechnologien schaffen.
Die Gesamtsumme des Projekts beträgt 5,92 Millionen Euro, die UHH erhält 540.000 Euro. Von der Universität Hamburg sind Prof. Dr. Jens Hartmann und Dr. Charly Moras vom Fachbereich Erdsystemwissenschaften beteiligt.

