Die Geschichte der Hamburger Universität von 1945 bis in die Gegenwart ist weitgehend noch zu erforschen; insbesondere Entstehung und Gestaltung der „Reformuniversität“ harren kritischer Würdigung. Auch ihr Ende wird dann zu analysieren sein. Denn der vor allem seit Umsetzung der „Bologna-Beschlüsse“ von 1999 stattfindende Paradigmenwechsel in der deutschen Hochschulpolitik bedeutet die Abkehr von nahezu allem, was (west-)deutsche Universitäten seit den 1970er Jahren charakterisiert hat. Wie andere deutsche Hochschulen befindet sich die Universität Hamburg derzeit noch in einem grundlegenden Wandlungsprozess.
Dazu zählt die Einsetzung eines auch mit universitätsfernen Vertretern besetzten neunköpfigen Hochschulrats, dem nun die „strategische Steuerung der Hochschule“ und die Wahl des Präsidenten bzw. der Präsidentin obliegt. Veränderungen gibt es darüber hinaus auf allen Ebenen: Die zuletzt achtzehn Fachbereiche wurden 2005 wieder zu sechs Fakultäten umgestaltet, die Studienabschlüsse Bachelor und Master eingeführt, Studiengebühren beschlossen. Effizienz, Exzellenz und Wettbewerbsfähigkeit prägen die Zielvorgaben aktueller Hochschulpläne. Von den Entscheidungsstrukturen an der Spitze der Universität bis hin zur Atmosphäre in der einzelnen Lehrveranstaltung vollziehen sich Veränderungen, deren Konsequenzen noch nicht abzusehen sind.
Wie nur selten zuvor in den Fokus auch der überregionalen Presse geriet die Universität Hamburg während der Präsidentschaft der Stuttgarter Professorin für Raumtransporttechnologie Dr. Monika Auweter-Kurtz seit November 2006.[114] Nach heftiger Kritik von Lehrenden und Studierenden – nicht zuletzt am autoritären Führungsstil der Präsidentin – endete deren Amtszeit durch Auflösungsvertrag weit vorgezogen bereits am 8. Juli 2009. In dieses zweieinhalbjährige Zwischenspiel fielen seit Sommer 2008 von der Präsidentin unterstützte Überlegungen der Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach, die Universität auf den Kleinen Grasbrook zu verlagern – und damit auch die historisch gewachsenen identitären Bezüge zum urbanen Umfeld am Grindel, dem ehemaligen jüdischen Viertel, aufzulösen. Im Sommer 2010 wurde dieses Projekt aufgegeben; stattdessen soll die Universität Hamburg am bisherigen Standort in Eimsbüttel saniert und erweitert werden.
Seit dem 1. März 2010 amtiert als vierter Präsident in der Geschichte der Universität Hamburg der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Dieter Lenzen, zuvor Präsident der Freien Universität Berlin.[115] Lenzen betont, die Universität Hamburg sei bisher völlig unterschätzt worden; in vielen Bereichen könne sie schon jetzt als exzellent gelten. Allerdings müsse die Hochschule auch eine Finanzierung erhalten, die sie dauerhaft konkurrenzfähig mache.[116]
Im Zuge all dieser Wandlungsprozesse wird erst die Praxis zeigen, in welcher Weise die Losung der Hamburger Alma mater Bestand haben wird. Diese kündet von einer für die Universität unauflöslichen Trias. Eingemeißelt über dem Hauptportal, seit Oktober 2010 zudem Teil des Universitätslogos, erinnert jene von Edmund Siemers formulierte Widmung an die täglich einzulösende Aufgabe der Universität: „Der Forschung – Der Lehre – Der Bildung“.
Abb. 12: Motto und Mahnung: Der in Stein gemeißelte Bildungsauftrag der Universität über dem Portal ihres Hauptgebäudes. (Bildnachweis: Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte)