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Sonderforschungsbereich 538: Mehrsprachigkeit



Inhalt:

K8: Varianz in der Mehrsprachigkeit auf den Färöern 

Flagge Färöer Seite auf Färöisch

Flagge DK  Seite auf Dänisch

Projektleitung: Prof. Dr. Kurt Braunmüller

Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen: Dr. Hjalmar P. Petersen, Dr. Karoline Kühl

Studentische Hilfskräfte: Tine Stensbjerg (bis 2007); Minja Rudolf, Jana Wittkugel, Helena Hansen, N.N.

Kooperationspartner:

  • Höskuldur Þráinsson (Háskóli Íslands, Reykjavík)
  • Michael P. Barnes (University College London)
  • Helge Sandøy (Universitetet i Bergen)
  • Jógvan í Lón Jacobsen und
  • Zakaris Svabo Hansen (beide Fróðskaparsetur Føroyar, Tórshavn).


Allgemein

Dieses Forschungsprojekt, das erste seiner Art, das sich mit der Mehrsprachigkeit auf der zu Dänemark gehörenden Inselgruppe der Färöer beschäftigt, wurde hat Anfang November 2005 seine Arbeit aufgenommen und befindet sich nun in seiner zweiten und letzten Förderphase. Es untersucht primär den bilingualen, (spontanen) mündlichen Sprachgebrauch der Bewohner der Färöer exemplarisch anhand von über 60 Probanden aus nun drei Generationen und, neu, jetzt auch stichprobenartig die Entwicklung der beiden Schriftsprachen auf den Färöern.


Thematik

Es werden weiterhin (schwerpunktmäßig) die morphosyntaktische Faktoren der fär.-dän. Mehrsprachigkeit unter­sucht.


Fragestellungen

Bereits bei der erstmaligen Antragsstellung lag als Ausgangsfragestellung zugrunde, mit welcher Art von Zweisprachigkeit wir es auf den Färöern zu tun haben. Zur Debatte standen da­mals (a) eine gleichgewichtige, (b) eine – historisch begründete – diglossisch-funktional verteilte Mehrsprachigkeit sowie (c) Dänisch als Fremdsprache neben Färöisch als Muttersprache. Die Ergebnisse der ersten Phase haben zweifelsfrei ergeben, dass die Möglichkeit (b) nicht (mehr) zutrifft und dass (c) ebenfalls ausscheidet. Alle bisherigen Daten und deren Auswertung sprechen für die Hypothese (a).


Ausgangspunkte

Seit 1380 gehören diese 18 In­­seln im Nordatlantik zum dänischen Gesamtstaat. Seit 1937 ist Färöisch als Schul- und seit 1938 als Kirchensprache anerkannt. Seit 1948, dem Beginn der färöischen Autonomie, ist Färöisch die Nationalsprache, allerdings mit der Maßgabe, dass das Dänische in den Schulen sehr gründlich gelernt werden solle. Bis zur Mitte des 20. Jhs. waren also alle wichtigen öffentlichen Bereiche wie Schule, Verwal­tung sowie das Mi­litär ausschließlich vom Dänischen geprägt.


Ziele

In der letzten Phase dieses Teilprojekts soll als übergeordnete Fra­ges­tellung weiterhin verfolgt werden, mit welcher Art von Zweisprachigkeit wir es auf den Färöern heute zu tun haben und wie sie konkret, d. h. in ihren individuellen Aus­prägun­gen in drei unterschiedlichen Generationen aussieht. Zur Auswertung der Entwicklung des mündlichen Sprachgebrauchs dreier Gene­ratio­nen soll nun in der zweiten Phase (a) der Sprachgebrauch der mittleren Generation analysiert, (b) die Ent­wicklung der fär. wie dän. Schriftsprache auf den Färöern stichprobenartig anhand ver­schiedener Textsorten für verschiedene Perioden im 20. Jh. untersucht so­wie (c) quantita­tive Längsschnittuntersuchungen aller (mündlichen) Daten nach Trans­fer- und Kon­vergenztypen sowie nach der Häufigkeit von Code Switchings vorgenommen wer­den.


Methode

Um diese Untersuchungsziele zu erreichen, werden wie schon in der ers­ten Phase Probanden – diesmal jedoch insgesamt 20 ­– in ca. einstündigen, halbstruktu­rier­­ten Gesprächen ­in ungezwungener Atmosphäre zuerst auf Färöisch, nach einigen Mo­na­ten dann auf Dänisch jeweils von muttersprachlichen Interviewern zu Situatio­nen des täg­lichen Lebens, zur früheren Berufsausbildung und derzeitigen Berufspra­xis, zur inter­na­tionalen Politik und zur derzeitigen Situation auf den Färöern etc. befragt. Darüber hinaus werden dann erstmalig auch schriftlich Quellen untersucht. Es handelt sich dabei einerseits um fär. Zeitungskorpora, die in größeren Stichproben nach Themen geordnet und (so­weit möglich) in 10-Jah­res-Schritten ausgewertet, wobei gezielt nach solchen Konstrukti­o­­nen bzw. Konstruktionstypen gesucht wird, die in den Interviews der Proban­den salient waren. Der Bereich reicht hier von der Syntax (Stellung der Satzadverbien und der Ne­ga­tion in Nebensätzen, die im Dänischen – von wenigen Ausnahmen abgese­hen – keines­falls parallel zur Stellung im Hauptsatz stehen können), zur Morphosyntax (Übernahme dän. Verbvalenzmuster, Nachstellung von Partikeln in zusammengesetzten Fragewörtern) sowie zur Wortbildung (Replizierung dän. Muster). Aufgrund der bereits vorliegenden Ana­lyse der mündlichen Daten können wir nun sehr gezielt nach den entspre­chenden sog. vulnerable domains suchen. Für die Untersuchung der dän. Schriftsprache auf den Färöern werden hauptsächlich die Zeitungen Føroyingatíðindi auszugsweise ebenfalls in 10-Jahres­schritten ausgewertet.


Publikationen

  • Braunmüller, K. (32007): Die skandinavischen Sprachen im Überblick. Tü­bin­gen, Basel.

  • Petersen, Hj. P. (2006): ”Føroyskt-danskt málsamband: athall, tillaging, ein­gangs­­­til­­­­lag­ing og mál­bygging.” In: Fróðskaparrit 54, 8-20.

  • Petersen, Hj. & Sandøj, H. (2007): "Tilpassing av importord i færøysk talemål", in Stuntman og andre importord i Norden. (Ed.) Pia Jarvad & Helge Sandøj, pp. 53-71.

  • Petersen, Hj. P. (2008): “Væk af vejen, konge skrejen. Gøtudanskt or Dano-Faroese.” In: RASK. International Journal of Language and Communication.

  • Petersen, Hj. P. (2008): "The Borrowing Scale and Faroese-Danish Language Contact". Fróðskaparrit 56: 97-115.

  • Petersen, Hj. P. (2008): "Tann nýggi noktandi boðshátturin í føroyskum [The new negated imperative  in Faroese] Íslenskt Mál, 30: 141-152.

  • Petersen, Hj. (akzeptiert): “Related languages, convergence and replication: Faroese-Danish”. In: In­ter­national Journal of Bilingualism.
     
  • Petersen, Hj. (eingereicht): “Faroese-Danish contact induced changes or drift?” In: Ís­lenskt mál og almenn málfræði.

  • Petersen, Hj. (akzeptiert): „Convergence in Dano-Faroese“. Arkiv för nordisk filologi.

  • Petersen, Hj. (2009): Gender assignment in Modern Faroese. Phil. Dissertation Hamburg, Juli 2008 [Verlag dr. Kovac: Hamburg].
 

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