Projekt E7: Kompetenz in der Deutschen Gebärdensprache und im Deutschen in Abhängigkeit vom Lebensalter beim Erwerb: Vorteile einer Mehrsprachigkeit?
Projektleitung: Prof. Dr. Brigitte Röder, Biologische Psychologie und Neuropsychologie Jun.-Prof. Dr. Barbara Hänel-Faulhaber, Erziehungswissenschaften
Wiss. Mitarbeiter/innen: Uta Salden, Monique Kügow, Nils Skotara
Ziel dieses Projektes ist es,
Entwicklungsprinzipien und ihre Umweltabhängigkeit (kritische Perioden) am
Beispiel des Spracherwerbs zu identifizieren. Am Modell gehörloser Menschen
wird untersucht, welchen Einfluss sowohl das Alter beim Erwerb als auch die
Sprachmodalität bei der zerebralen Organisation von Sprache im menschlichen
Gehirn hat.
Wir analysieren quantitative und qualitative Unterschiede in der funktionellen Organisation des Deutschen (Schriftdeutsch) und der Deutschen Gebärdensprache (DGS) bei gehörlosen und hörenden Personen, die DGS und Deutsch zu unterschiedlichen Zeitpunkten erworben haben. Folgende wissenschaftliche Fragestellungen sind Gegenstand des Projektes:
Wirkt sich der verzögerte Erwerb einer Erstsprache auf die Kompetenz und die zerebrale Organisation von Sprache aus?
Existieren quantitative und/oder qualitative Unterschiede zwischen einem verspäteten Erstspracherwerb und einem Zweitspracherwerb, der zum gleichen Zeitpunkt wie der verspätete Erstspracherwerb beginnt?
Veränderungen in der zerebralen Organisation von Sprache werden mit Hilfe von ereigniskorrelierten Potentialen (EKPs) untersucht.
Methodischer Ansatz
Folgende Gruppen werden untersucht:
Gehörlose, die DGS als frühe Erstsprache (L1) erworben haben und Gehörlose, die erst zum späteren Zeitpunkt DGS gelernt haben.
Zunächst werden semantische und syntaktische Unterschiede der DGS- Kompetenz anhand normierter Verfahren und EKPs erfasst. In einem zweiten Schritt werden semantische und syntaktische Unterschiede der deutschen Schriftsprache anhand altersnormierter deutscher Sprachtests und EKPs untersucht. Die Ergebnisse lassen Aussagen zu a) über die Kompetenz und die zerebrale Organisation der DGS in Abhängigkeit zum Erwerbsalter und b) über die Kompetenz und zerebrale Organisation der deutschen Schriftsprache in Abhängigkeit vom Erwerbsalter der DGS.
Hörende, die DGS und Deutsch als frühe Erstsprachen (2L1) gelernt haben (CODAs) und hörende Personen, die DGS zu einem späteren Zeitpunkt als L2 gelernt haben.
Wie bei der Gruppe der Gehörlosen wird die Sprachkompetenz dieser Personen hinsichtlich semantischer und syntaktischer Aspekte und ihrer neuronalen Organisation anhand normierter Verfahren und EKSs untersucht. Die Ergebnisse zur DGS werden mit den Ergebnissen aus Gruppe 1 verglichen.
Wir erwarten Hinweise auf allgemeine Entwicklungsprinzipien in Bezug auf ihre Umweltabhängigkeit. Unser Projekt soll Wissen über kritische Perioden des Erwerbs einer L1 vs. einer L2 liefern. Für die Anwendung könnte das Wissen Konsequenzen für die (Sprach-)Frühförderung gehörloser, schwerhöriger und hörender Kinder haben.
Literatur
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