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Sonderforschungsbereich 538: Mehrsprachigkeit



Inhalt:

Projektbereich H: Historische Aspekte der Mehrsprachigkeit und Varianz

Bereichskoordinator: Kurt Braunmüller

Vorbemerkung: Die acht Teilprojekte dieses Projektbereichs (H1, H3, H5, H6, H8 und H 9 sowie K4 und K8) sind aus der H- bzw. K-Gruppe der 3. Phase des SFBs hervorgegangen. Neu hinzugekommen sind die H-Projekte H8 und H9. Aufgrund zahlreicher inhaltlicher Gemeinsamkeiten und um die projektübergreifende Zusammenarbeit weiter zu verbessern, wurden beide Gruppen für diese letzte Phase (2008–2011) zu einer großen Gruppe zusammengelegt.

Die im Projektbereich H zusammengefassten Teilprojekte haben sich zum Ziel gesetzt, in den folgenden Arbeitsbereichen eng zusammenzuarbeiten:

  • Es soll ausgelotet werden, wie weit sich die grammatischen Systeme genetisch eng ver­wandter Sprachen als Folge des alternierenden Gebrauchs durch Bilin­gu­a­le ein­an­der annähern, ob es zu Sprachmischungen kommt und wel­che Kon­sequenzen diese genetische Nähe für die typologische Ent­wickl­ung dieser Kontakt­sprachen hat. Schwer­punktmäßig befassen sich die Projekte H6 und K8, aber auch H3 mit dieser Fragestellung. Auch in K4 zeigt sich, dass die genetische Verwandtschaft den englischen Einfluss auf deutsche Texte begünstigt. Von Projekt H9 werden hierzu weitere Auf­schlüsse aus den Bereichen Phonologie und Phonetik erwartet.
  • Es werden morpho-syntaktische Erscheinungen untersucht, die auftreten, wenn genetisch nur sehr entfernt miteinander verwandte Sprachen in Kon­taktsituati­onen aufein­andertreffen. Dabei soll insbesondere erforscht werden, in­wie­weit universale und typologische Pa­ra­meter zu Konvergenzen oder viel­leicht auch zu Divergenzen und neuen Varietäten führen. Dazu liegen von den Projekten H1 und H5 wie auch von H3 umfangreiche Vorarbeiten vor, auf denen das neue Projekt H8 aufbauen kann. Die Verschiedenheit theoretischer und methodischer Ansätze führt allerdings teilweise zu unterschiedlichen Vorhersagen bezüglich der Rolle des Sprachkontakts bei Sprachwandelprozessen, was jedoch im Sinnes eines positiven Synergie-Effekts zur Schärfung der jeweils eigenen Argumentation genutzt wird.
  • Die oftmals überdachende Rolle von Verkehrsprachen ist bislang in der Sprach­kon­takt­forschung nur sehr unzureichend untersucht worden. Die intensiven Studien im Teilprojekt K4 (zum Englischen) dienen als Ausgangspunkt für Untersuchungen, die feststellen sollen, ob die dort gewonnenen Erkenntnisse auf frühere Sprachzustände und -kon­stella­ti­onen zu übertragen sind. Dieser Aspekt wird auch von Projekt H3 anhand des Lateins näher un­tersucht.
  • In Kooperation mit Projekten der E-Gruppe wird es verstärkt bei den Projek­ten H1, H5, H6, H9, aber auch H8 darum gehen zu untersuchen, wie sich deren Ergebnisse aus früheren Sprachkontaktsituationen mit den Erkenntnissen aus den Forschungen zum bilingualen Spracherwerb in Übereinstimmung bringen lassen. Damit wird ei­ne gemeinsame Basis für die historische und die gegenwartsbezogene Mehrspra­chig­keits­forschung sichergestellt. Schließlich sollte ver­nünftigerweise nichts für frühere Zeiten postuliert werden, von dem man weiß, dass es sich bei gegen­wärti­gen Sprachkontaktsituationen nicht nachweisen lässt.
  • Mit zwei Transferprojekten, T1 und T3, sind bereits Kooperationen im Gange, wobei es einmal um Varietäten, hier des Englischen, wie zum anderen um die Umsetzung mehrsprachiger Kommunikationsformen in der wirtschaftlichen Praxis geht. Für beide Projekte ergeben sich Gegenstücke im historischen Bereich, so dass auch ein Transfer umgekehrter Richtung stattfindet.

Die Projekte im Projektbereich sind:

H1: Mehrsprachigkeit als Ursache und Folge von Sprachwandel: Histori­sche Syntax romanischer Sprachen
(Romanistik, Histo­rische Linguistik, Spracherwerb, Syntax)
Leiter: Jürgen M. Meisel & Esther Rinke, Inst. f. Romanistik

H3: Skandinavische Syntax im mehr­sprachigen Kontext
(Skandinavistik)
Leiter: Kurt Braunmüller, Inst. f. Germanistik I

H5: Hiberno-Englisch: Variation und Universalien im kontaktinduzierten Sprachwandel
(Varietätenforschung, Historische Linguistik, Uni­versalien­forschung, Anglistik)
Leiter:Peter Siemund, Inst. f. Anglistik u. Amerikanistik

H6: Phono-prosodische Entwicklung des Katalanischen im gegenwärtigen bilingualen Kontext
(Romanistik, Erst­spracherwerb, Phonologie, Morphologie)
Leiterin: Conxita Lleó, Inst. f. Romanistik

H8:Aktuelle polnisch-deutsche Zweisprachigkeit in Deutschland
(Slavistik)
Leiter: Bernhard Brehmer

H9: Zur Intonation des Spanischen in Argentinien
(Romanistik, Phonologie)
Leiter: Christoph Gabriel

K4: Verdecktes Übersetzen – Covert Translation
(Ange­wandte Linguistik, Übersetzungs­wissenschaft, Kontrastive Pragmatik)
Leiterin: Juliane House, Inst. f. Allgemeine u. Ange­wandte Sprach­wiss.

K8: Varianz in der Mehrsprachigkeit auf den Färöern
(Skandinavistik)
Leiter: Kurt Braunmüller, Inst. f. Germanistik I

 

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