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Inhalt:

"Religion und Gesellschaft" – Archäologisches Institut



Prof. Dr. Inge Nielsen (Klassische Archäologie)

A. PROJEKTE

I. Aktuell/geplant


1) Die Räumlichkeit für Versammlungen religiöser Vereine und Gruppierungen in der antiken Gesellschaft

Die religiösen Vereine waren zentrale und wichtige Institutionen der hellenistischen und römischen Gesellschaft, und dennoch sind sie erst in den letzten Jahren Gegenstand eines größeren Forschungsinteresses innerhalb der verschiedenen Altertumswissenschaftlichen Fächer geworden. Die Funktionen dieser Vereine, die als koina, thiasoi, synodoi, collegia u.a.m. in der Antike bezeichnet wurden, sind sehr vielfältig. Gruppierungen wie „professionelle“ Priesterschaften, Laienpriesterschaften und Gemeinschaften von eingeweihten in de Mysterien spielten eine große Rolle im Leben der Heiligtümer und der Städte. Eine Mitgliedschaft in einem solchen Verein gab den unteren und mittleren Schichten der Bevölkerung die Möglichkeit, in der sozialen Hierarchie aufzusteigen, und gewährte den einzelnen Mitgliedern eine gewisse Sicherheit durch die Unterstützung der Gruppe. Eine sehr wichtige Funktion dieser Vereine war darum die Schaffung eines sozialen Netzwerks, und in diesem Zusammenhang spielte das gemeinsame Mahl eine große Rolle. Die Vereine hatten besonders in den kosmopolitischen Perioden der Antike, in hellenistischer und römischer Zeit, ihre Blütezeit und sind am häufigsten in den Großstädten und Hafenstädten wie Athen, Piräus, Delos, Pergamon, Dura Europos, Rom und Ostia zu finden. Die Vereinsgebäude wurden demnach nicht nur in den (meist urbanen) Heiligtümern, sondern auch in den Städten platziert, und können, zusammen mit den literarische Quellen und besonders den Inschriften das Leben und Treiben dieser religiösen Vereine beleuchten.

Mögliche Promotionsthemen

– Das Verhältnis des Mithraskult und der Mithrasgruppierungen zum Vereinsgedanken

– Räumlichkeiten für Vereine in Nordafrika: Treffpunkt Wohnhaus?

– Die Bedeutung des Vereinswesens in den westlichen Provinzen Roms, basierend auf archäologischen Quellen

2) Die Architektur der Antike als Mikrokosmos zur Beleuchtung von Akkulturationsprozessen zwischen Ost und West.

Im Bereich der Archäologie hat nicht zuletzt die Architektur einiges beizutragen, da sie Stationär ist und grundlegend funktionell. Sie spiegelt daher die Bedürfnisse wieder, die es in der dazuhörenden Lokalität zu erfüllen galt. Wenn Architektur sich funktionell ändert, dann sagt das etwas über die Änderungen in der entsprechenden Gesellschaft aus. Deshalb ist die Architektur und nicht zuletzt die Heiligtümer als ein Mikrokosmos sehr gut dazu geeignet, weitere historische, religiöse und kulturelle Prozesse zwischen Ost und West zu beleuchten.

Das Eindringen der orientalischen, und damit meine ich der Anatolischen, syrisch-phönizischen und Ägyptischen Kulte, in Griechenland und Italien und deren Anpassung an ein neues, politisches, kulturelles und kultisches Milieu bietet sich an in verschiedenen Periode der Antike. Wichtig ist es zu sehen, wie diese Kulte sich in den Gastländern etablierten und was sie vom Heimatland mitgebracht haben. Schließlich welche Aspekte dieser Kulte nicht nur ihre eigene, das heißt, die viele Händler, Sklaven und Immigranten aus den betreffenden Gebieten, sondern auch die neuen, potentiellen Verehrer aus den Gastländern zu bieten hatten. Umgekehrt kann das Eindringen der „Westlichen“ Kulte im Orient, besonders in der hellenistischen und römischen Periode, Auskunft über die Tiefe oder Oberflächlichkeit der Hellenisierung beziehungsweise Romanisierung dieser Gebiete liefern.

II. Bisherige Projekte

(B = Buchprojekt, G = größeres disziplinäres Projekt, I = interdisziplinäres Projekt, D = Drittmittelprojekt mit Angabe von Laufzeit und Finanzierung)

bereits abgeschlossen:


Zwischen Kult und Gesellschaft. Kosmopolitische Zentren des antiken Mittelmeerraums als Aktionsraum von Kultvereinen und Religionsgemeinschaften

Ziel der transdisziplinären und internationalen Tagung, die von der Volkswagenstiftung unterstützt wurde und deren Beiträge diesen speziellen Band von HEPHAISTOS ausmachen, ist es, zum ersten Mal Forscherinnen und Forscher verschiedener Fächer und wissenschaftlicher >Schulen< zu einem archäologisch-historischen und zugleich kulturpolitisch hoch brisanten Thema zusammenzubringen, das bisher in seiner Breite nur eingeschränkt und zudem eher separierend unter juridischen, theologischen und historisch-chronologischen Gesichtspunkten angegangen wurde. Es geht um das Funktionieren und das konkurrierende Aufeinandertreffen unterschiedlicher Religionen in Großstädten – vor allem Hafenstädten – der antiken Welt. Eine zentrale Funktion besaßen hierbei, nicht anders als heute, religiöse Vereine und sonstige Gemeinschaften, die deshalb als Betrachtungsgegenstand einen Hauptschwerpunkt der Tagung bilden. (B, I, D. Volkswagenstiftung. Unterstützung der Tagung)

B.
EINSCHLÄGIGE VERÖFFENTLICHUNGEN

I. Monographien


- I. Nielsen, Cultic Theatres and Ritual Drama. A Study in Regional Development and Religious Interchange between East and West in Antiquity (ASMA IV), Aarhus Univ. Press 2002.
- I. Nielsen, Hellenistic Palaces, (SHC 5), Aarhus Univ.Press 1998²

II. Sammelbände


- I. Nielsen (Herausgeber), The Royal Palace Institution in the First Millennium BC (Monographs of the Danish Institute at Athens IV),  Athen 2001.
- I. Nielsen (Herausgeber). Zwischen Kult und Gesellschaft. Kosmopolitische Zentren des antiken Mittelmeerraums als Aktionsraum von Kultvereinen und Religionsgemeinschaften. Themenband zu Hephaistos 24, 2006.

III. Aufsätze


- I. Nielsen, “Synagogue (synagogé) and Prayerhouse (proseuché): The relationship between Jewish religious architecture in Palestine and the Diaspora”, Hephaistos 23, 2005, 53-102
- I. Nielsen, Vorbilder für Räumlichkeiten der religiösen Vereine hellenistischer und römischer Zeit, in: I. Nielsen (Herausgeber). Zwischen Kult und Gesellschaft. Kosmopolitische Zentren des antiken Mittelmeerraums als Aktionsraum von Kultvereinen und Religionsgemeinschaften. Themenband zu Hephaistos 24, 2006, 31-46
- I. Nielsen, „The Sanctuary of Artemis Brauronia. May Architecture and Iconography helt to trace the settings for the Rituals?”, in: From Artemis to Diana. Collegium Hyperboreum 2006 (im Druck).




Prof. Dr. Martina Seifert (Klassische Archäologie)



A. PROJEKTE

I. Aktuell/geplant

Griechische Feste: Sozialstrukturen und kommunikative Strategien in Attika in archaischer und klassischer Zeit

Die Feste zu Ehren der Götter bildeten in den ländlichen und städtischen Gemeinschaften der griechischen Polis Athen in archaischer und klassischer Zeit einen strukturierenden Faktor der sozialen, politischen und kulturellen Ordnung. Das Durchlaufen von spezifischen Festritualen ermöglichte in hierarchisierender Form die Integration in die Sozialverbände von Polis, Demos, Phratrie oder Oikos. Ausgehend von archäologischen und schriftlichen Zeugnissen legt die Forschungsarbeit eine Charakterisierung der durch die Festkultur geschaffenen Netzwerke vor. Das Ziel ist es, Sozialisationsstrukturen und -mechanismen der athenischen Sozialverbände aufzudecken und kommunikative Strategien im kultisch-religiösen Bereich sichtbar zu machen.


II. Bisherige Projekte

(B = Buchprojekt, G = größeres disziplinäres Projekt, I = interdisziplinäres Projekt, D = Drittmittelprojekt mit Angabe von Laufzeit und Finanzierung)

a) bereits abgeschlossen:

1) B= Buchprojekt: -Dazugehören. Kinder in griechischen Kulten und Festen: Bildanalysen zu attischen Sozialisationsstufen (6. bis 4. Jh.v.Chr.); Habilitationsschrift, vorgelegt beim Franz Steiner Verlag Stuttgart zum Druck 2011.

b) zur Zeit in Arbeit:

1) s. B


B. EINSCHLÄGIGE VERÖFFENTLICHUNGEN

I. Monographien          

-Dazugehören. Kinder in griechischen Kulten und Festen: Bildanalysen zu attischen Sozialisationsstufen (6. bis 4. Jh.v.Chr.); Habilitationsschrift, vorgelegt beim Franz Steiner Verlag Stuttgart zum Druck 2011

II. Sammelbände

-Aphrodite. Herrin des Krieges - Göttin der Liebe (2009) -Hrsg. M. Seifert .

III. Aufsätze

- Choes, Anthesteria und die Sozialisationsstufen der Phratrie, in: M. SEIFERT (Hrsg.), Komplexe Bilder, HASB Beiheft 5, 2009, 85-100.

-Aphrodite. Eine Liebesgöttin auf einer langen Reise, in: M. SEIFERT (Hrsg.), Aphrodite. Herrin des Krieges - Göttin der Liebe (2009) 14-26.

-Kleine Bärinnen in Brauron? Ein Kult und seine Interpretation, in: F. Andraschko - B. Kraus - B. Meller (Hg.), Archäologie zwischen Befund und Rekonstruktion. Festschrift für Renate Rolle (2007) 55-71.

-"Epi Xenia", zu Tisch! Überlegungen zu griechischem Weihreliefs klassischer Zeit, Hephaistos 25, 2007, 257-273.

-Auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Welche Rolle spielten die Kinder in attischen Kulten und Festen?, Antike Welt 3/2006, 71-79.

-Children without Childhood? Social Status and Childrepresentation on Attic Vases and Votive Reliefs (6th-4th c. B.C), Akten des XVI. Kongresses für Klassische Archäologie, Boston 2003 (2005) 443-445.

-Vom Kind zum Manne. Rituale der "Mannwerdung" im klassischen Athen, Ethnoscripts 3/2001, 68-81.            

C. DISSERTATIONEN

I. Zur Zeit betreut

-Heidi Tauber, Mithraskult.




Juniorprof. Dr. Britta Ramminger (Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie)


A. PROJEKTE

I. Aktuell/geplant


a) Soziale Regeln und Ausnahmen im Bestattungskontext prähistorischer Gesellschaften Mitteleuropas

Im Grab- und Bestattungsritus prähistorischer Kulturen fassen wir Überreste religiöser Jenseitsvorstellungen und Sinngebungssysteme. Für die einzelnen vorgeschichtlichen Kulturen sind vielfältige Grab- und Bestattungssitten bekannt. Sowohl in der Bestattungsart als auch in der Beigabensitte und der Gestaltung des Grabmonumentes lassen sich zahlreiche kulturspezifische Eigenarten erkennen. In einem diachronen Forschungsprojekt sollen Grab- und Bestattungssitten prähistorischer Kulturen Mitteleuropas in Bezug zu anderen gesellschaftlichen Aspekten insbesondere zu Veränderungen im Siedlungs- und Wirtschaftssystem aber auch zu demographischen Schwankungen analysiert werden. Hierbei soll ein Schwerpunkt auf der sozialen Bedeutung des Individuums im Bestattungskontext liegen. Gab es unterschiedliche Behandlungen von Frauen und Männern im Totenbrauch, wurden Menschen unterschiedlicher Altersgruppen verschieden behandelt, wo zeigen sich Unterschiede, die auf eine hierarchische Abstufung der Gesellschaft schließen lassen, etc? Als zweiter Schwerpunkt soll untersucht werden, ob Veränderungen der Grab- und Bestattungssitten als Ausdruck religiöser Sinngebungssysteme Anzeiger für bewältigte Krisensituationen sind. Die Grab- und Bestattungssitten müssen dazu hinsichtlich ihrer Einheitlichkeit oder Heterogenität innerhalb der einzelnen archäologischen Kulturen geprüft werden. Die Ergebnisse der Gräberanalyse sollen anschließend mit Hinterlassenschaften anderer Lebensbereiche verglichen werden, um auf diese Weise fließende Übergänge von abrupteren Umbrüchen im kulturellen Wandel zu unterscheiden und mögliche Krisensituationen zu erkennen.




 

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