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Inhalt:

"Religion und Gesellschaft" - Alte Geschichte



Dr. Sabine Panzram

A. PROJEKTE

I. Aktuell/geplant


Macht durch Kommunikation. Zur Genese der Institution „Kirche“ in der dioecesis Hispaniarum (4.-7. Jh.)

Konstantin gilt gemeinhin als Wegbereiter der Christianisierung des Imperium Romanum. Akzeptiert man die infolge seiner „Bekehrung“ erlassenen Edikte und Gesetze als hinreichendes Argument für die Christianisierung des Imperium Romanum, dann traf diese insbesondere auf einen Teil zu: die Iberische Halbinsel. Sie galt und gilt traditionell als sehr früh und in Gänze christianisierte Region im Mittelmeerraum. Ungeachtet der „historiographical revolution”, die nach dem Tode Francos einsetzte (Bowes / Kulikowski 2005), ist noch kein Versuch unternommen worden, dieses Diktum zu hinterfragen. Das Habilitationsprojekt will „Entselbstverständlichkeitsarbeit“ leisten, wie sie die Kulturgeschichte (Landwehr 2004) postuliert und die Geschichte des Christentums und der Kirche unter dieser veränderten Perspektive in den Blick nehmen. Anknüpfend an die Überlegung, dass eine Institution stets aufs Neue durch kommunikative Prozesse erzeugt wird, sie nur existiert, wenn sie stattfindet, gilt das Interesse „Ordnungsbehauptungen“ und „Geltungsansprüchen“, mithin einem Diskurs, wie er insbesondere im Medium des Briefes fassbar ist. Das Aufkommen des Christentums löste eine beispiellose Briefeflut aus; die Bischöfe tauschten sich über elementare Fragen der kirchlichen Ordnung aus, sie setzten sich über den Umgang mit den lapsi auseinander und stritten über die Festlegung des Ostertermins. Standardisierte Techniken nutzten sie derart kreativ, dass letztlich genuin christliche Kommunikationsformen entstanden. Auf der Basis einer Analyse der Briefe, die Bischöfe innerhalb der dioecesis Hispaniarum wechselten oder aber an den Bischof von Rom sandten, soll Aspekten wie z.B. der Definition des idealen Gläubigen, dem Selbstverständnis der Amtsträger, der Stellung der Gemeinde innerhalb der reichsweiten Hierarchie nachgegangen werden, die die Institution letztlich auszeichneten. Insofern verspricht die Studie Erkenntnisse hinsichtlich der Ausgestaltung des Institutionalisierungsprozesses der Kirche zwischen dem 4. und dem 7. Jahrhundert; sie widerlegt die weiterhin propagierte mythisch verklärte Selbstverständlichkeit, dass es auf der Iberischen Halbinsel seit den Zeiten der Apostel eine Kirche gab – und belegt vor allem, dass die Kirche erschaffen, „gemacht“ wurde.


II. Bisherige Projekte

(B = Buchprojekt, G = größeres disziplinäres Projekt, I = interdisziplinäres Projekt,
D = Drittmittelprojekt)

siehe unter B.

B.
EINSCHLÄGIGE VERÖFFENTLICHUNGEN

Aufsätze
            

- Eulalia und die Bischöfe von Merida. Von der 'Handlungsmacht' einer Heiligen zur Zeit der Westgoten, in: J. Hahn / M. Vielberg (Eds.): Formen und Funktionen von Leitbildern, Stuttgart 2007, 177-225 (= Altertumswissenschaftliches Kolloquium; 17)
- Bischöfe und Sexualität. Die canones von Elvira als Instrument der Sozialdisziplinierung, in: Dies. (Ed.): Städte im Wandel. Bauliche Inszenierung und literarische Stilisierung lokaler Eliten auf der Iberischen Halbinsel. Internationales Kolloquium. Hamburg 2005, Münster 2007, 213-235 (= Geschichte und Kultur der Iberischen Welt; 5) = Obispos y sexualidad. Los canones de Elvira como instrumento de disciplinamiento social, in: Anuario Argentino de Derecho Canónico 14 (2007), 217-240

 

 

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