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Inhalt:


"Religion und Gesellschaft" – Turkologie




Prof. Dr. Raoul Motika


A. PROJEKTE

I. Aktuell/geplant


a) Soziale Mobilität und Integration in der Frühen Neuzeit: Christliche und muslimische Renegaten im Osmanischen Reich und in Westeuropa

Das Forschungsprojekt untersucht christliche und muslimische Renegaten im Osmanischen Reich und in Westeuropa vom 16. bis 18. Jahrhundert. Erstmals soll das Phänomen der Renegaten auf beiden Seiten der politisch und religiös definierten Grenze zwischen islamisch und christlich dominierter Welt mit einer komparativen Herangehensweise erforscht werden. Obwohl die Zahl der Renegaten in die Zehntausende ging und etliche von ihnen in führende Positionen aufstiegen, gibt es bislang keine systematische Beschäftigung mit diesem Phänomen. Insbesondere soll im Projekt komparativ untersucht werden, welche Mechanismen von Integration und Exklusion dabei wirksam waren.
Da die Thematik von Migration und Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunftskulturen in Europa heute höchst aktuell ist, können durch die historische Aufarbeitung von Integrationsmustern neue Perspektiven für die Bewältigung der Herausforderungen durch Migrationsbewegungen eröffnet werden. (Antrag im August 2007 bei der DFG eingereicht)

b) Social Change and Mysticism in Muslim Societies: The Instance of the Mevlevis. An International Co-operation; Stage One

Gegenwärtig erlebt der mystische Islam in der gesamten muslimischen Welt, insbesondere der Türkei, und den Diasporagemeinden einen Aufschwung. Migrationsbewegungen, Urbanisierung sowie die verschiedenen Globalisierungsphänomene fordern und fördern die Herausbildung von neuen bzw. hybriden Identitäten und Gemeinschaften auch in muslimischen Gesellschaften. Esoterische und sufische Gemeinschaften scheinen dabei besonders sensible Indikatoren für religiöse Transformationsprozesse und sozialstrukturelle Veränderungen zu sein. Daher soll eine der zentralen Sufi-Gemeinschaften, die Mevleviye, in diesem Kontext untersucht werden. Trotz der großen Relevanz der Mevleviye für das Verständnis der religiösen Entwicklungen in der Türkei und darüber hinaus sind die sozialen Hintergründe, die Strukturen und Aktivitäten der einzelnen mevlevitischen Gemeinschaften sowie deren Selbstverständnis bisher nicht Gegenstand der Forschung gewesen.
Das Projekt konzentriert sich auf Organisation und Wandel der mevlevitischen Bewegung in diachroner Hinsicht, deren Beziehung zu anderen islamischen Gemeinschaften, ihrem Verhältnis zum türkischen Staat, sowie auf die Hintergründe der Entstehung neuer Gemeinschaften. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Analyse des Gender-Diskurses in den etablierten und den neuen Gemeinschaften, da Diskussionen um die Position von Frauen in den Gemeinschaften ein zentrales Thema ihrer gesamtgesellschaftlichen Selbstverortung sind.
Dieses Projekt ist die erste Stufe eines internationalen interdisziplinären Forschungsprojekts zum Thema „Neue Formen der Religiosität im Vorderen Orient und der Diaspora: lokale und globale Handlungsfelder“, dessen Planung den Zeitraum von Januar 2008 bis 2014 (mit möglicher Verlängerung) umfasst. Aus der Fakultät sind daran bisher beteiligt Prof. Dr. Bettina Dennerlein (Islamwissenschaft) und Prof. Dr. Ulrich Dehn (Evangelische Theologie). (Antrag Anfang März 2008 bei der DFG eingereicht)

c) Wie entstehen transnationale Sufi-Netzwerke? Das Beispiel der aktuellen Inayat-Khan-Rezeption unter Türken in Deutschland und der Türkei

Ziel des Vorhabens ist es, durch teilnehmende Beobachtung, semistrukturierte Interviews und kritische Textanalyse den Einfluss des `Universellen Sufismus´ des indischen Musikers und Mystikers Inayat Khan (1882-1927) auf die türkischen Anhänger in Deutschland (Mannheim) und der Türkei (Istanbul, Izmir und Mersin) zu erforschen und darzustellen. Weiterhin soll der vor ca. 12 Jahren einsetzende und sich aktuell verstärkende `Export´ der Inayat-Khan-Bewegung aus Deutschland in die Türkei beobachtet und dokumentiert werden. Das einzigartige an diesem Prozess ist, dass hier erstmals sufische Literatur aus einer `westlichen´ (Englisch) in eine `östliche´ Sprache (Türkisch) übersetzt wird und zugleich eine mehrheitlich aus Nichtmuslimen bestehende, `westliche´ Sufiorganisation in einem `islamischen´ Land Anhänger wirbt und `missionarisch´ tätig wird. Am Beispiel der aktuellen, sehr dynamischen Inayat-Khan-Rezeption unter Türken in Deutschland und der Türkei soll die Entstehung von Sufi-Netzwerken untersucht werden. Dabei soll geprüft werden, inwieweit transnationale Sufi-Netzwerke als eine Folge von Migration und Globalisierung und den damit verbundenen Austausch- und Transformationsprozessen bezeichnet werden können.
(Teilprojekt des o.g. Großprojekts „Neue Formen der Religiosität im Vorderen Orient und der Diaspora: lokale und globale Handlungsfelder“; Antrag wird voraussichtlich im April bei der DFG eingereicht).


II. Bisherige Projekte

(B = Buchprojekt, G = größeres disziplinäres Projekt, I = interdisziplinäres Projekt, D = Drittmittelprojekt mit Angabe von Laufzeit und Finanzierung)

a) bereits abgeschlossen:

1) I/B: Bioethische und gesundheitliche Herausforderungen für die islamische Welt: AIDS, Drogen und Reproduktionsmedizin 2007/08
2) D: Ritualtransfer in marginalisierten religiösen Gruppen in islamischen Gesellschaften des Vorderen Orients und der Diaspora; DFG-finanziert, ehem. Leiter des Teilprojekts C7 des SFB 619 (Universität Heidelberg) 2002-2005                       

b) zur Zeit in Arbeit:
(s. oben u. A.I.)                   


B. EINSCHLÄGIGE VERÖFFENTLICHUNGEN

I. Monographien

II. Sammelbände  
     

- Bioethische und gesundheitliche Herausforderungen für die islamische Welt: AIDS, Drogen und Reproduktionsmedizin. Hamburg 2008. Hgg. Raoul Motika u. Christian H. Meier (Publikation unter: http://www.heceas.org/media/bioethik_tagungsband.pdf)
- Religion et politique dans le Caucase post-soviétique. Les traditions réinventées à l’épreuve des influences extérieures. Paris: Maisonneuve & Larose 2007. Hgg. Bayram Balci u. Raoul Motika.
- Migration und Ritualtransfer: Religiöse Praxis der Aleviten, Jesiden und Nusairier zwischen Vorderem Orient und Westeuropa. Frankfurt am Main [u. a.] 2005. Hgg. Robert Langer, Raoul Motika, Michael Ursinus.

III. Aufsätze

- „Islam in post-Soviet Georgia“. In: Central Asian Survey. Bd. 26.3 (2007). S. 335-353 (Gemeinsam mit Bayram Balci)
- „Gibt es einen türkischen Islam?“. In: Einheit und Vielfalt in der türkischen Welt. Materialien der 5. Deutschen Turkologenkonferenz, Universität Mainz, 4.-7. Oktober 2002. Hgg. Hendrik Boeschoten u. Heidi Stein. Wiesbaden 2007. S. 348-359
- „The Role of Religion in the South Caucasus – Conflict Prevention and Mediation?“ In: OSCE-Yearbook 2004. Yearbook on the Organization for Security and Co-operation in Europe (OSCE). Hg.: Institute for Peace Research and Security Policy at the University of Hamburg
- IFSH. Baden-Baden 2005. S. 261-273
- „Alevitische Großstadt-Cems: Transfer und Re-Invention eines Kongregationsrituals (Türkei und Deutschland)“. In: Migration und Ritualtransfer: Religiöse Praxis der Aleviten, Jesiden und Nusairier zwischen Vorderem Orient und Westeuropa.Frankfurt am Main [u. a.] 2005. Hgg. Robert Langer, Raoul Motika, Michael Ursinus. S. 21-54 (Gemeinsam mit Robert Langer)
- „Das Recht der Religionsgemeinschaften in Aserbaidschan“. In: Das Recht der Religionsgemeinschaften in Mittel-, Ost- und Südosteuropa. Hgg. Wolfgang Lienemann u. Hans-Richard Reuter. Baden Baden 2005. S. 75-103
- „Entwicklungstendenzen des Islams in Tatarstan“. In: Pera-Blätter. Deutsches Orient Institut Istanbul. Nr. 18 (2004). S. 1-18


C. DISSERTATIONEN

I. Zur Zeit betreut


- Der staatliche religiöse Bildungssektor in der Türkei seit 1946
- Religiöse Führerschaft bei den türkischen Alawiten zwischen Statusbewahrung und Neubestimmung



 

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