Diese von der Hamburger Akademie der Wissenschaften geförderte Konferenz, die ich gemeinsam mit Jun.-Prof. Monika Arnez organisiere, möchte auf der Basis eines interdisziplinären Ansatzes divergierende VerkörperungenKonzeptionen moralischer Ordnungsvorstellungen in verschiedenen mehrheitlich muslimischen Ländern untersuchen. Sie findet voraussichtlich im Juli 2011 statt.
b) „Jeder Tag ist Ashura und jeder Ort ist kerbala“. Schiitische Märtyriumsspiele als politische Kritik
Die performative Darstellung des Märtyriums Husains erlebt zur Zeit eine unerwartete Verbreitung in verschiedenen arabischen schiitischen Gemeinschaften. Hierbei durchdringen sich heilsgeschichtliche Erwartungen und politische Kritik an den zeitgenössischen Herrschaftsverhältnissen. So wird zum einen politische Entrechtung sakralisiert. Andererseits wird politischer Aktvismus in Partizipation an der Heilsgeschichte umgewertet.
c) Hüter beider Heiligtümer. die Herrschaftslegitimation der saudischen Könige.
Unter den golfarabischen Herrschern beruft sich einzig die saudische Königsfamilie auf eine religiöse Legitimation. Eine Komponente hierbei bildet ihre Allianz zu einer Dynastie von Religionsgelehrten (Al ash-Shaykh). Wenig erforscht ist indes die Signifikanz der jährlichen Organisation der Wallfahrt. Wie nutzen die Al Saud diesen Ritus, um ihren Herrschaftsanspruch global darzustellen?
d) Erbcharisma heute. die Huthi-Rebellion im Jemen
Der Herrschaftsanspruch der jemenitischen Sayyids (Nachfahren des Propheten) schien ein rein historisches Phänomen geworden zu sein. Doch seit der Jahrtausendwende ist ein Revival der Zaydiyya zu beobachten, das sich dezidiert politisch manifestiert. Mittlerweile haben die Auseinandersetzungen zwischen dem jemenitischen Staat und den Huthi-Rebellen, die sich dem Anschein nach mittlerweile soweit radikalisiert haben, dass sie eine Wiedereinsetzung des Imamats verlangen, zu einem Bürgerkrieg entwickelt. Hier stellt sich die Frage, welche Rolle hierbei der Herrschaftsanspruch durch Erbcharisma spielt.
e) Schiitisch-Sunnitische Beziehungen: Zwischen ökumenischen Bemühungen und Häresievorwürfen
Mit zunehmender Verbreitung des sunnitischen Islams hanbalitischer Prägung wird schiitischen Muslime zunehmend ihre Rechtgläubigkeit, oft sogar ihre Zugehörigkeit zum Islam, abgesprochen. Gleichzeitig haben sich in den letzten Jahren aber auch Bewegungen etabliert, die eine Annäherung zwischen den Konfessionen und Rechtsschulen suchen. Diese ökumenischen Bestrebungen wurden bislang indes noch kaum analysiert: Wie tragfähig können solche Bemühungen sein? Auf welcher theologischen bzw. „orthopraktischen“ Ebene finden sie statt? Wie sind sie institutionalisiert?
II. Bisherige Projekte
(B = Buchprojekt, G = größeres disziplinäres Projekt, I = interdisziplinäres Projekt, D = Drittmittelprojekt mit Angabe von Laufzeit und Finanzierung)
b) zur Zeit in Arbeit:
1) B Political Reform in Bahrain: Institutional Transformation, Identity Conflict and Democracy, Routledge, London, New York, im Druck
2) I Körper und Moral: Ordnungsvorstellungen in mehrheitlich muslimischen Ländern. Tagung, gefördert durch die Hamburger Akademie der Wissenschaften, 2010/11.
B. EINSCHLÄGIGE VERÖFFENTLICHUNGEN
II. Sammelbände
- The small Gulf States, in: Werner Ende and Udo Steinbach (eds.): Islam in the World Today. A Handbook of Politics, Religion, Culture, and Society, Ithaca and London, Cornell University Press, 2010: 530-537.
- Bahrain: Alte Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten neu artikuliert, (Bahrain: Old Sunni-Shiite conflicts in new discurses). In: Sigrid Faath (ed.): Rivalitäten und Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten in Nahost. Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Berlin, 2010: 155-176.
- Bahrainisches Paradox: Autoritäre Islamisten durch Partizipation, pro-demokratische durch Exklusion? In: Politische Reformen und politischer Islam. SWP-Sammelstudie. Berlin, 2007.
III. Aufsätze
Voices in Parliament, Debates in Majalis, and Banners on Streets. Avenues of Political Participation in Bahrain. EUI Working Paper 2006/27, San Domenico di Fiesole.