Logo der Universität Hamburg
Universität Hamburg



Inhalt:

"Religion und Gesellschaft" – Indologie



Prof. Dr. Michael Zimmermann (Buddhismuskunde)


A. PROJEKTE

I. Aktuell/geplant


"Herrschaft und Gewalt im Buddhismus Indiens"

Weder die normativen Ideen indischer Buddhisten mit Bezug auf politische Herrschaftsformen noch die historische Realität buddhistischer Herrscher des indischen Subkontinents sind bisher einer umfassenden und systematischen Aufarbeitung unterzogen worden. Mit dem Herrscher Aschoka, der im 3. Jahrhundert vor der Zeitenwende große Teile des indischen Subkontinents unterworfen hatte und sich als Anhänger des Buddhismus offenbarte, tritt erstmals ein Monarch auf, in dessen in Stein gehauenen Proklamationen sich Elemente finden lassen, die deutlich dem Grundkanon buddhistischer Ethik entsprechen (Zügelung der Sinne; Empathie mit allen Lebewesen, also auch Tieren; Beendigung der aggressiven Expansionspolitik; Weitervermittlung der buddhistischen Lehre, etc.). In den kommenden Jahrhunderten werden dann verschiedene Stränge erkennbar, wie buddhistische Denker sich zu Fragen von Machtausübung und Gewalt positionierten, wobei sich insbesondere in den Schulen des um die Zeitenwende literarisch in Erscheinung tretenden Mahayana-Buddhismus interessante neue Ideen ergeben. In diesen Schulen ist es nämlich nicht mehr das „Gebot“ der Gewaltlosigkeit (ahimsa), das (zumindest theoretisch) als eine zentrale Kategorie allem ethischen Verhalten unterliegen soll, sondern die Idee, dass der nach Erwachen strebende Bodhisattva das Mitgefühl mit allen Lebewesen zum höchstem Leitsatz macht, wobei Gewaltanwendung dabei durchaus als eine Spielart gelten kann, solange die ihr unterliegende Motivation rein altruistisch ist. Visionären buddhistischer Herrschaftsideologie wurde durch diese, zunächst wohl auf den Bereich der privaten Heilssuche und Individualethik beschränkten, Ansätze die Möglichkeit gegeben, buddhistische Herrscher neu zu positionieren und deren Handlungen zu legitimieren. Hinweise darauf, dass ein solcher Schritt tatsächlich gemacht worden ist, finden sich in verschiedenen Passagen bzw. Kapiteln der buddhistischen Literatur vieler Kulturen Asiens. Parallel zu diesen Entwicklungen stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die neuen buddhistischen Herrschaftsideale auf die Konzeption der Sakralität des indischen Königtums hatten. Wird in den traditionell von Priestern und Kriegern verfassten Werken zur politischen Herrschaft in Indien der König als göttlich (im Sinne einer übermenschlichen Klasse von Wesen angehörig) oder zumindest von den Göttern eingesetzt angesehen, scheinen buddhistische Quellen für den König eher die Rolle eines für das Amt besonders geeigneten, von seinen Untertanen aber Gewählten vorzusehen. Bis heute werden in von buddhistischen Vorstellungen geprägten Ländern Asiens, wie z.B. Thailand, aber auch die enormen Errungenschaften im Bereich einer moralischen und altruistischen Lebensweise in zurückliegenden Leben angeführt, die allein es dem wahren buddhistischen König ermöglichen, sein Amt optimal zu bekleiden, und, parallel zum Buddha, damit das Wohlergehen seiner Untertanen zu bewirken. Interessant in diesem Kontext ist es auch, der Frage nachzugehen, welche Formen religiöser Herrschaftslegitimierung diese neuen buddhistisch inspirierten Ideen von Königsherrschaft hervorgebracht haben bzw. welche Elemente vor/nicht-buddhistischer Legitimierung in hybride Konstruktionen übernommen wurden, die, wie z.B. in Thailand (buddhistischer Herrscher mit brahmanischen Hofpriestern), bis heute fortleben.

Mögliche Promotionsthemen

– Buddhistische Vorstellungen von rechter politischer Herrschaft im Alten Indien

– Der Bodhisattva: ein Heilskonzept fur buddhistische Herrscher? Parallelen zwischen Buddha und weltlichem Herrscher

– Der buddhistische Monarch: seine Legitimierung und (fehlende?) Sakralität


II. Bisherige Projekte

(B = Buchprojekt, G = größeres disziplinäres Projekt, I = interdisziplinäres Projekt, D = Drittmittelprojekt mit Angabe von Laufzeit und Finanzierung)

a) bereits abgeschlossen:

B: Sammelband "Buddhism and Violence"

b) zur Zeit in Arbeit:

Buddhistische Herrschaftsethik im alten Indien


B. EINSCHLÄGIGE VERÖFFENTLICHUNGEN

II. Sammelbände


2006 Buddhism and Violence, M. Zimmermann (ed.), Lumbini: Lumbini International Research Institute

III. Aufsätze

- 2000 “A Mahayanist Criticism of Arthasastra: The Chapter on Royal Ethics in the Bodhisattva-gocaropaya-visaya-vikurvana-nirdesa-sutra,” Annual Report of the International Research Institute for Advanced Buddhology at Soka University for the Academic Year 1999, 177–211
- 2006 “Only a Fool Becomes a King: Buddhist Stances on Punishment,” in Buddhism and Violence, M. Zimmermann (ed.), Lumbini: Lumbini International Research Institute, 213–242
 - 2007 “Conceptions of Buddhist Kingship in South Asia,” in His Majesty King Bhumibol Aduyadej: Upholder of All Faiths, Institute of Language and Culture for Rural Development, Mahidol University (ed.), Nakhonpathom: Mahidol University, 121–128



 

Seiteninfo: Impressum  | Kontakt | Browserinfo | Letzte Aktualisierung am 30. Dez. 2010 durch RuG
Blättern: Seitenanfang|Zur vorangehenden Seite|Zur nächsten Seite