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Departments Sprache, Literatur, Medien I+II



Inhalt:

Das Institut für Griechische und Lateinische Philologie

Griechische und Lateinische Philologie in Hamburg

Mehr als Klassische Philologie!
oder:
Was ist Griechische und Lateinische Philologie?

Aufgabe der Philologie ist es, literarische Texte oder auch Gebrauchstexte sprachlich und sachlich verständlich zu machen. Sie durchleuchtet sie textkritisch, interpretiert sie als literarische Kunstwerke und als historische Zeugnisse, setzt sie in den Zusammenhang der Zeit, die sie hervorgebracht hat, und verfolgt ihre Rezeption. Auch widmet sich die Philologie dem Studium der Sprache, in denen die Texte verfasst sind – der Sprache, wie sie vom Autor und durch ihre Sprachgemeinschaften geformt wurde.

Griechische und Lateinische Philologie bezeichnet diejenigen philologischen Disziplinen, die sich den Literaturen und sonstigen Texten, die in griechischer und in lateinischer Sprache verfasst sind, und dem wissenschaftliche Studium dieser Sprachen widmen.

Den ursprünglichen Kernbereich der Griechischen und Lateinischen Philologie bildet die Klassische Philologie. Sie beschäftigt sich vornehmlich mit den Sprachen und Literaturen der Antike, d. h. den griechischen Texten aus der Zeit von ca. 800 v.Chr. bis 500 n.Chr. und den lateinischen Texten, die zwischen ca. 300 vor und 400 n.Chr. entstanden sind. Vor allem mit der Entstehung der griechischen und lateinischen Sprache (und vieler weiterer Sprachen) befasst sich insbesonders die Indogermanistik. Gegenstand der Byzantinistik ist die Literatur des Byzantinischen Reiches vom 6. Jh. n. Chr. bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen i.J. 1453: das griechisch-orthodoxe Mittelalter. Die Mittellateinische Philologie erarbeitet die Literatur des katholischen Mittelalters, von etwa 550 n.Chr. bis zur Reformation. Die Neulateinische Philologie befasst sich mit den in Latein verfassten Texten von der Renaissance bis zur Neuzeit, wobei der Rezeption der antiken Literatur in der frühneuzeitlichen sowie den mannigfaltigen Wechselwirkungen mit den zeitgenössischen, z. T. noch im Entstehen begriffenen nationalen Literaturen große Bedeutung beigemessen wird; dem entspricht im griechischen Bereich das so genannte Humanistengriechisch, das sowohl von byzantinischer als auch von neugriechischer Perspektive aus zu untersuchen ist. Die Neugriechische Philologie schließlich befasst sich mit den griechischsprachigen Literaturen der Nachfolgestaaten des Byzantinischen Reiches – Zypern unter den Lusignians; Kreta, Zypern und die westgriechischen Inseln als venezianische Provinzen; Osmanisches Reich – und besonders natürlich mit der modernen und zeitgenössischen Literatur Griechenlands und Zyperns.

Stellung der Griechischen und Lateinischen Philologie innerhalb der geisteswissenschaftlichen Fächer

Latein und Griechisch waren die Schriftsprachen des christlichen Mittelalters (das Altkirchenslavische gesellte sich später hinzu). Die sakralen Texte der Christenheit wurden entweder in griechischer Sprache verfasst (das Neue Testament) oder doch in griechischer bzw. lateinischer Übersetzung rezipiert (Septuaginta bzw. Vulgata). Die immense historische Bedeutung des Imperium Romanum für die Entstehung des Christentums führte dazu, dass die Staaten des Mittelalters und die Nationalstaaten der Neuzeit immer wieder auf das römische Reich und seine kulturellen Bezugspunkte, die klassische Zeit der Athener Demokratie und die hellenistische Epoche zurückgriffen. Der enge kulturelle Kontakt zwischen Byzantinern und Arabern (und nicht zuletzt auch die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen) hatte Bezüge zwischen der griechischen und den Literaturen der muslimischen Völker zur Folge.

Diese historischen Gegebenheiten spiegeln sich in der engen Verflechtung der Griechischen und Lateinischen Philologie innerhalb des geisteswissenschaftlichen Fächerkanons wider; zu nennen sind: Alte Geschichte, Anglistik, Arabistik, Evangelische Theologie (Altes Testament, Neues Testament, Kirchen- und Dogmengeschichte), Geschichte des Mittelalters (Mediävistik) und der Neuzeit, Germanistik, Klassische Archäologie, Philosophiegeschichte, Romanistik, Slavistik, Turkologie.

In welcher Tradition steht das Hamburger Institut für Griechische und Lateinische Philologie?

Das Hamburger Institut ist - ebenso wie die hiesige Universität - noch keine 100 Jahre alt; die Geschichte institutionalisierter griechischer und lateinischer Studien in Hamburg reicht allerdings bis in die Reformationszeit zurück. Seit 1529 vermittelte die Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg höhere Bildung; später kam als Aufbaustufe das Akademische Gymnasium hinzu. Zu seinen bedeutendsten Schülern zählte der spätere Kustos der Vatikanischen Bibliothek, LUCAS HOLSTENIUS (1596-1661); JOACHIM JUNGIUS (1587-1657) und JOHANN ALBERT FABRICIUS (1668-1736), der Verfasser bedeutender bibliographischer Werke zum griechischen und lateinischen Schrifttum, wirkten dort.

Bei der Gründung der Universität nach dem Ersten Weltkrieg entstand zunächst ein Seminar für Klassische Philologie mit zwei Lehrstühlen, die in den ersten Jahren in rascher Folge von OTTO PLASBERG, KARL REINHARDT (der hier sein Poseidonios-Buch verfaßte), RUDOLF PFEIFFER, FRIEDRICH KLINGNER und, ab 1931, von BRUNO SNELL wahrgenommen wurden. Besonders Snell gab dem Institut seinen bedeutenden Platz in der europäischen Wissenschaftslandschaft und prägte es in fast 50jähriger Verbundenheit. Seine frühen Kontakte mit ERNST CASSIRER, ERNST ABY WARBURG und ERWIN PANOFSKY eröffneten bleibende Verbindungen zu anderen kulturwissenschaftlichen Disziplinen, die sich u.a. in der Gründung der Zeitschrift Antike und Abendland niederschlugen. Bereits im Gründungsjahr der Universität Hamburg wurde hier auch Neugriechisch unterrichtet, damals durch den Althistoriker ERICH ZIEBARTH.

Wegen der Betonung des Neulateinischen durch WALTHER LUDWIG und der Einrichtung einer planmäßigen Professur für Byzantinistik und Neugriechische Philologie im Jahr 1971 (ATHANASIOS KAMBYLIS) erschien die Bezeichnung Seminar für Klassische Philologie dem Profil des Instituts nicht mehr angemessen: So heißt es heute Institut für Griechische und Lateinische Philologie, um die hier angestrebte Verbindung aller mit der griechischen und lateinischen Sprache beschäftigten Philologien auch im Namen zu zeigen.

Das Hamburger Institut heute

Das Hamburger Institut für Griechische und Lateinische Philologie gehört seit 2006 dem Department Sprache, Literatur, Medien II in der Fakultät für Geisteswissenschaften an. In der Fakultät sind die ehemaligen geistes-, literatur- und kulturwissenschaftlichen Fachbereiche zusammengefasst. Es gibt am Institut vier planmäßige Professuren: Klassische Philologie / Gräzistik (CHRISTIAN BROCKMANN); Klassische Philologie / Latinistik (CLAUDIA SCHINDLER); Indogermanistik (JOHAN CORTHALS); Byzantinistik und Neugriechische Philologie (ULRICH MOENNIG).

Darüber hinaus sind am Institut eine Reihe großer und kleinerer Forschungsprojekte angesiedelt:

Die einzelnen Fächer werden im Folgenden vorgestellt:

Welche Studiengänge werden zurzeit angeboten?

Um zu Kurzdarstellungen und zu den ausführlichen Modulhandbüchern, Studienplänen und Prüfungsordnungen zu gelangen, folgen Sie bitte den angegebenen Links.

Kontakt

Für Informationen zu den Fächern und zum Lehrangebot, die nicht über diese Internetseite erhältlich sind, wenden Sie sich bitte an das Geschäftszimmer: Von-Melle-Park 6 ("Philosophenturm"), 8. Stock, Zimmer 806 (eingeschränkte Öffnungszeiten!), Telefon ++49 040 42838 4770, Fax ++49 040 42838 4764. E-Mail: IGrLatPhil~AT~uni-hamburg.de. Im Geschäftszimmer erhalten sie außerdem: das aktuelle Kommentierte Vorlesungsverzeichnis, Exemplare der Studienpläne und der Modulhandbücher.

Um Kontakt mit den Lehrenden aufzunehmen, informieren Sie sich bitte über deren Sprechzeiten, Durchwahl und E-Mail-Adresse in der Personalliste.

Graecum & Latinum

Lateinische Sprachkurse für Hörer aller Fachbereiche werden seit 2006 unter der Leitung der VHS angeboten; Informationen erhalten Sie hier: http://www.uni-hamburg.de/Einrichtungen/vhs/. Das Institut für Griechische und Lateinische Philologie bietet Kurse an, in denen die für das Graecum nötigen Kenntnisse erworben werden können; die genauen Termine entnehmen Sie bitte dem Vorlesungsverzeichnis der Universität oder dem KVV: Studierende der Lateinischen Philologie müssen das Graecum, Studierende der Griechischen Philologie das Latinum nachweisen, wobei für die BA-Studiengänge z. T. reduzierte Anforderungen gelten. Hierfür sind ggf. 1-2 Semester einzuplanen; die BAföG-Förderung kann auf Antrag um ein Semester verlängert werden.

Wie sehen die Berufsperspektiven aus?

Die Mehrzahl der Studierenden der Klassischen Philologie strebt als Abschluss das 1. Staatsexamen (neuerdings: "Master of Education"!) an, das alle beruflichen Perspektiven offen hält. Für Studierende der Indogermanistik und der Byzantinistik und Neogräzistik besteht die Perspektive einer Laufbahn im Schuldienst nur in eingeschränktem Maße. Für BA- und MA-Absolventen sowie für Magistri und Magistrae Artium ergeben sich Perspektiven im öffentlichen Dienst (Forschungsunternehmen) wie in privatwirtschaftlichen Segmenten (z. B. Print- u. sonstige Medien), dies allerdings weniger fachspezifisch als abhängig von weiteren individuellen Qualifikations- und Leistungsprofilen der "Hochschulabsolventen".

Sowohl an das 1. Staatsexamen (den "Master of Education") als auch an den Magister/Magistra-Abschluss oder den MA kann bei entsprechender Leistung eine ca. dreijährige Promotionsphase angeschlossen werden, in der eine Dissertation angefertigt wird und die mit dem Erwerb des Doktortitels abgeschlossen wird; die durch das Doktordiplom gewissermaßen zertifizierte wissenschaftliche Reife ist für die Arbeit an Forschungsinstituten und für eine weitere universitäre Laufbahn in aller Regel eine notwendige Voraussetzung.

Eine historische Fußnote: Hamburg als Land der Phäaken?

Diese Frage leitet sich aus einem höchst lesenswerten, nach Platonischem Vorbild verfassten Dialog ERWIN PANOFSKYs ab, den dieser unter einem Pseudonym 1931 publizierte und der mehrfach nachgedruckt wurde: A. F. Synkop: "Sokrates in Hamburg oder Vom Schönen und Guten". Erstdruck: Der Querschnitt 11, 1931, 593ff.:

"Bekanntlich sind des öfteren Zweifel an der überlieferten Ansicht laut geworden, die Hamburgs Gründung erst unter Karl dem Großen stattfinden lässt. Einige Forscher haben z. B. der Ursprung Hamburgs auf Ham, den zweiten Sohn Noahs, zurückführen wollen, indem sie sich einerseits auf die Namensentsprechung stützen, andrerseits aber auf den Umstand, dass Ham beim Abschluss des Bundes, in dem das Aufhören des 40tägigen Regens stipuliert wurde, nicht gegenwärtig war; es wäre also mit dieser Hypothese nicht nur der Name, sondern auch das Klima der Freien und Hansestadt erklärt. Gleichwohl ist eine andere Vermutung wahrscheinlicher, die Hamburg mit dem Phäakenlande Homers identifizieren möchte. Denn nicht nur allgemeinere Charakteristika wie der Hang zur Seefahrt und die Vorliebe für reichliches und gut bereitetes Essen stimmen überein, sondern auch in Einzelzügen besteht eine Verwandtschaft, die kaum zufällig sein kann..."
 

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