aktuelle Projekte an der Universität Hamburg:
STARG - Sturmfluten als Regionale Geohazards. CLISAP Flexpool gem. mit Prof. Irene Neverla. Risikowahrnehmung und mediale Vermittlung seit Juli 09
Multimediales Lernprogramm zur Vermittlung von Planungsverfahren. DBU Projekt gemeinsam mit der AMMMA AG Bielefeld, Mitarbeiter Dr. Nils Franke 2009-2011.
Das Ziel des Projektes ist die inhaltliche Erarbeitung einer Intranetplattform und einer daraus generierten CD, die einen Eingriff in den Naturhaushalt z.B. im Sinne eines Planfeststellungsverfahrens in seiner Komplexität nachvollziehbar macht und die Auswirkungen auf den für Natur- und Umweltschutz relevanten Ebenen analysiert und aufbereitet.
Intern-extern - Integration von externen ExpertInnen in die universitäre Vermittlung von Kenntnissen zu Natur- und Umweltschutz
Mitarbeiter Dr. Nils M. Franke 2009-2011 Das Projekt findet im Rahmen des Programms "Seminare ans Netz der Universität Hamburg" statt. Es hat zum Ziel, externen Sachverstand im Bereich Natur- und Umweltschutz in Hamburg in das Institut einzubringen. Zu diesem Zweck werden SpezialistInnen aus dem genannten Bereich zu Fachvorträgen anregt und mit der Lecture to go Technik dokumentiert. Die Beiträge werden dann online auf dem entsprechenden Server der Universität Hamburg zur Verfügung gestellt. Das Projekt wird ein Beitrag zur Initiative Europäische Umwelthauptstadt Hamburg 2011 sein. Die Einbindung der Ergebnisse in den Lehrbetrieb ist angestrebt.
RANGESHIVT - Klimabedingte VeRbreitungsAenderuNGEn von kommerziell wichtigen FiScH- und InVertebraTenbeständen in der Nordsee. CLISAP Felxpool gem. mit Prof. A. Temming. Sozio-ökonomische Auswirkungen des Klimawandels auf die norddeutsche Fischereiwirtschaft seit Januar 09.
PRORES - Die Prognose zukünftiger Regime-Shifts des Ökosystems der zentralen Ostsee. CLISAP Flexpool gem. mit Profs. A. Temming und C. Möllmann seit Januar 09.
Integrative Projekte in der Geographie 21.-23.5.2009, Hamburg
„Ich sehe was, was Du nicht siehst – Muster in der Human- und Physischen Geographie – wahrnehmen und verstehen“
Call for papers IPG_Mai_ 2009 Programm_IPG_2009.pdf
GEOCYCLES – time and space in the earth sciences - Theme F: Perception of Earth processes and modern society
Im Rahmen des Landesexcellenzcluster Rheinland-Pfalz.
In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. A. Escher, Mainz und Prof. Dr. Huei-Min Tsai, Normal University, Taiwan
Website: http://www.geocycles.de/
Die Natur, wie sie von den Menschen wahrgenommen wird, ist ein kulturelles Konzept, das sich auf die Natur bezieht, die ihrerseits von den Naturwissenschaften analysiert wird – und letztere ist wiederum ein sozialkulturelles Projekt. Verschiedene Kulturen haben verschiedene Konzepte von der Natur und auch von der Umwelt. Welche kulturellen Gruppen können in dieser Hinsicht unterschieden werden? Welche unterschiedlichen Natur-/Umweltwahrnehmungen existieren? Welche Wirkung haben kulturelle Unterschiede auf die Mensch/Natur-Interaktion, welche Bedingungen setzen sie für eine Strategie nachhaltiger Entwicklung?
Obwohl der Mensch seine Umgebung seit Tausenden von Jahren modifiziert hat, wird ihm erst seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts zunehmend bewusst, dass die Natur nicht bloß eine selbständige Randbedingung menschlicher Existenz ist. Vielmehr leben die die Menschen in einer Umwelt, die von ihnen beeinflusst und vor allem durch die steigende Industrialisierung verändert wurde.
Die Umwelt, wie sie durch Menschen wahrgenommen wird, ist gewissermaßen eine soziale Erfindung, die mit der Natur, wie sie durch die Naturwissenschaft analysiert wird, in Relation gesetzt werden muss. Diese Erkenntnis hat Folgen: Das Erdsystem kann nicht nur naturwissenschaftlich beschrieben werden, sondern muss auch als ein System mit Kultur analysiert werden.
Menschen gehören verschiedenen Kulturen mit unterschiedlichen sozialen Regeln und Normen an. Die Umwelt wird daher unterschiedlich erfahren und interpretiert. Viele Krisen und Katastrophen werden durch Änderungen in der Umwelt ausgelöst, etliche davon verursacht von Menschen. Diese Änderungen werden unterschiedlich wahrgenommen, was zu ebenso vielen verschiedenen Vorstellungen darüber führt, wie sich Umweltprobleme lösen lassen. Deshalb ist es sinnvoll, verschiedene kulturbedingte Interpretationen der Natur und der Umwelt zu identifizieren, um umsetzbare, kulturell angepasste Nachhaltigkeitsstrategien zu entwickeln.
Guyana - der Zuckersektor Guyanas im Spannungsfeld der europäischen Zuckerpolitik. Analysen aus institutionentheoretischer und evolutorischer Perspektive.
Die Entwicklung des guyanischen Zuckersektors steht in engem Zusammenhang mit der kolonialen Erschließung des Landes. Seit mehreren hundert Jahren bildet die Zuckerwirtschaft das Rückgrat der guyanischen Volkswirtschaft. Durch die Reform der europäischen Zuckerpolitik kommt es derzeit zu Preissenkungen, die auch den guyanischen Exportzucker in die Europäische Union betreffen. Für die Entwicklung des Landes hat dies bittere Folgen, da über Jahrzehnte gesicherte Deviseneinnahmen nun wegfallen. Darüber hinaus ist der Zucker in Guyana auch ein wichtiges kulturelles Gut und die Zuckerpolitik des Landes ist nicht nur ökonomisch motiviert. Im Rahmen des Projektes haben wir den Zuckersektor aus ökonomisch-formeller und kulturell-informeller Sicht systematisch analysiert, um Entwicklungspfade verstehen und Handlungsempfehlungen ableiten zu können.
Einen schönen Link zu Guyana finden Sie hier: http://www.zeit.de/online/2005/46/Bildergalerie_Guyana Hier haben wir aus Guyana während der Forschungsreise auf Zeit-online berichtet.
Zur Interdependenz von Natur- und Kulturraum im UNESCO-Weltkulturerbegebiet Mittelrheintal
In Zusammenarbeit mit: Dr. R. Ambos, Dr. K. Emde, Prof. Dr. J. Grunert, Prof. Dr. J. Preuss und Prof. Dr. D. Schenk
gefördert durch: Forschungsfonds der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Forschungsziel ist die geo- und humanökologische Analyse der Interdependenz von Natur- und Kulturraum im UNESCO-Weltkulturerbegebiet Mittelrhein. Dieses Forschungsvorhaben zeichnet sich vor allem durch seine Zielrichtung und Interdisziplinarität aus. Hydrogeologen, Physische Geographen und Humangeographen versuchen gemeinsam Probleme der Mensch/Natur-Interaktion zu behandeln. Das Vorhaben dient der Vorbereitung eines größeren Forschungs-schwerpunktes, der im Rahmen des angestrebten Forschungs-Clusters der Johannes Gutenberg-Universität Mainz „Erdsystemforschung“ seinen Platz finden soll.
Das Projekt zielt auf die Erkundung des Geoökosystems Oberes Mittelrheintal zwischen der Nahe- und der Lahn-Mündung und sein Wirken auf die Perzeption des Naturraumes in der Gesellschaft einerseits und daraus abgeleitete planungsrelevante Handlungen andererseits. Daten der geoökologischen Kompartimente (Klima, Vegetation, Relief, Böden, Lockersedimente und Ausgangsgestein) sollen durch eine klimatische Wasserbilanz verknüpft und bezüglich Niederschlag, Evapotranspiration, Interzeption, Abfluss und Versickerung analysiert werden. Der Kulturraum ist geprägt durch seine historischen Zeugnisse und die herausragende Bedeutung als Verkehrsachse zwischen dem Oberrheingebiet und der niederrheinischen Tiefebene. Der Kulturraum soll vor dem Hintergrund der wirtschafts- und sozialgeographischen Verflechtung unter dem Aspekt von Heimat und Naturwahrnehmung analysiert werden. Kern der Untersuchung ist die Analyse der Interdependenz zwischen geoökologischen und humanökologischen Systemen und ihre Wirkungen auf die Raumentwicklung.
Kuba – Politische Kulturökologie in Ressourcenperipherien der sog. Dritten Welt
in Zusammenarbeit mit: Dipl.-Geogr. Annika Dröge
gefördert durch: Forschungsfonds der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Kuba ist einer der größten Zuckerexporteure weltweit und generiert seit Jahrzehnten den Großteil der Außenhandelseinnahmen aus dem Export von Rohzucker und Zuckerderivaten. Dieser Produktionszweig – und die mit ihm verbundenen ökologischen und politisch-kulturellen Verhältnisse – sind mit der tiefen Wirtschaftskrise seit Beginn der 90er Jahre massivem Transformationsdruck ausgesetzt. Die begonnene Strukturveränderung im Zuckersektor prägt bereits jetzt die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Insel und sie wird darüber hinaus auch eine entscheidende Rolle in der Transformation Kubas in einer zu erwartenden Post-Castro-Ära spielen. Der Entwicklungspfad dieses Wirtschaftszweiges wird von der Lösung mehrerer Probleme bestimmt werden: Wird es eine Transformation der Zentralverwaltungs-wirtschaft geben, und wenn ja – zu welchen Eigentums-, Planungs- und Marktformen, in welchem Tempo, mit welchen politisch-gesellschaftlichen Begleiterscheinungen, in welchen nationalen und internationalen Kontexten? Wird das Ausmaß der mit Zucker bewirtschafteten Flächen (weiter) zurückgehen, und wenn ja – planmäßig oder krisenhaft? Wird die Fertigungs-tiefe erhöht werden – vom Rohzucker über den Weißzucker bis hin zu komplexeren zucker-basierten Endprodukten? Ist der Übergang zu einer naturschonenderen Produktion möglich (physisch-ökologisch, ökonomisch, kulturell), und wenn ja – in welchem Ausmaß und Tempo?
Aufgabe des Forschungsprojekts soll es sein, mögliche Entwicklungspfade der Sektor-entwicklung zu beschreiben und die Bedingungen dafür anzugeben, dass solche Trajektorien eingeschlagen und systematisch stabilisiert werden können. Für die Analyse und die Skizzierung von Entwicklungspfaden wird ein Arsenal zeitgenössischer Theorien verwendet, die sich innerhalb der Geographie entwickelt haben oder von ihr nutzbar gemacht werden konnten. Dazu zählt die System- und Komplexitätstheorie, deren Kategorien (z.B. Pfadabhängigkeit, Bifurkation, Gleich- und Ungleichgewicht) zur Aufklärung von Systemdynamiken - im gesell-schaftlichen und ökologischen Kontext - und zu den Theorien des Managements ungewisser Prozesse beitragen; dabei soll auch der Gender and Development Ansatz mit bedacht werden; die Institutionenökonomie, die den Beitrag von Institutionen (im ökonomischen Sinn: als Determinanten von Handlungsoptionen) für die Etablierung optimaler Märkte erhellt (was im kubanischen Kontext für die Transformationsfrage bedeutsam ist); die politische Kulturökologie, mit der die Entstehung und Stabilisierung kultureller Muster und ihre Wirkung auf politische und ökonomische Handlungszusammenhänge untersucht werden kann – im kubanischen Kontext wäre das vor allem die zuckerzentrierte Produktionskultur (Zucker als Produkt und als kulturelles Zeichen).
Als interdisziplinäres forschungspolitisches Ziel ist es angestrebt, Vertreter von Natur- und Humanwissenschaften, insbesondere aus der Bodenkunde, der Wasserwirtschaft und der Agrarwissenschaft sowie aus Wirtschafts- und Kulturgeographie, Physischer und Agrar-geographie zu beteiligen – auf deutscher und kubanischer Seite. Das Projekt soll darüber hinaus einen Beitrag zur Kooperation der geographischen Teildisziplinen sowie der geographienahen Fächer leisten. Der Gegenstand des Projektes (die Mensch-Natur-Interaktion in einem konkreten, politisch-ökonomisch-kulturell und räumlich bestimmten Stück Zeitgeschichte) sowie seine breit angelegte Methodik und Multidisziplinarität lassen es geeignet erscheinen, Ausgangspunkt für den Entwurf eines integrierten, fächerübergreifenden Masterstudiengangs an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz werden zu lassen: „Human-Nature-Interaction“.