Das Thema Klimawandel stellt eine große Herausforderung für die Kommunikation zwischen Experten und der Bevölkerung dar. Beide Gruppen entwerfen u.a. aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen und ihres Wissens unterschiedliche mentale Konstrukte vom Phänomen Klimawandel. Vor dem Hintergrund der Risikokommunikation kann eine Verständigung aber nur erfolgreich verlaufen, wenn beide Gruppen über die jeweilige andere Auffassung wissen.
Ziel der Dissertation ist es, die bestehenden mentalen Konstrukte (mentale Modelle) von Experten und Bevölkerung zu analysieren und zu vergleichen sowie mögliche Faktoren aufzudecken, die die vorhandenen mentalen Modelle beeinflussen. Eingebunden in das CliSAP-Teilprojekt „StarG“ (Sturmfluten als regionale Geohazards) am KlimaCampus, spielt die langjährige Erfahrung der Stadt Hamburg mit Sturmfluten in der Dissertation eine besondere Rolle. Es soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, inwieweit der Hazard „Sturmflut“ die Wahrnehmung von Klimawandel sowohl bei Experten als auch bei der Bevölkerung beeinflusst.
Kein Deich – Kein Land – Keine Heimat (?) – Sturmfluten und Küstenschutz als heimatbildende Elemente (Arbeitstitel)
Dipl. Geogr. Daniela Siedschlag
E-Mail: daniela.siedschlag@hzg.de
Betreuer: Prof. Dr. Beate M.W. Ratter
Laufzeit: Beginn 2010, Abschluss 2013
Projektbeschreibung:
Die deutsche Nordseeküste ist eine seit Jahrhunderten geprägte Kulturlandschaft. Ohne die Errichtung von Deichen hätte eine Besiedlung entlang der Küste – wie sie in den letzten Jahrhunderten erfolgte – nicht stattfinden und somit für viele Menschen auch nicht zu ihrer Heimat werden können. Annahme des Forschungsvorhabens ist, dass Nordsee, Sturmfluten und Deiche heimatbildende Elemente sind.
Die Nordsee sehen und hören die Bewohner der Küste täglich. Sie „leben“ mit dem Meer und wissen um die Gefahr von Sturmfluten, die regelmäßig auftreten und bei starken Ereignissen besiedeltes Land überfluten und Wohnstätten zerstören können. Die als Schutz vor Sturmfluten errichteten Deiche sind als Bauwerke an der Nordseeküste stets sichtbar und landschaftsprägend und ermöglichen erst das küstennahe Leben. In diesem Kontext prägen das Meer, die Sturmfluten und die Deiche die Wahrnehmung von Heimat.
Ausgangspunkt der Arbeit sind die Wechselbeziehung zwischen Heimat- und Sturmflut-Wahrnehmung sowie der Einschätzung und Bewertung des bestehenden Küstenschutzes. Diese Wechselbeziehungen sollen untersucht und konzeptionell zusammengeführt werden.
Offshore-Windenergie in Europa. Strukturen - Auswirkungen - Perspektiven (Arbeitstitel)
Pascal Sommer
Raum: 837
Tel: +49-40-42838-4956
E-Mail: Pascal.Sommer@uni-hamburg.de
Betreuer: Prof. Dr. Frank N. Nagel
Laufzeit: Beginn 2010, Abschluss 2013
Projektbeschreibung:
Der Ausbau der Windenergie der letzten Dekaden stellt sowohl eine beachtliche technische als auch energiepolitische Entwicklung dar.
Es haben sich in der Windenergieindustrie inzwischen internationale Technologie- und Produktionsnetze ausgebildet. Die Entwicklung ist so weit fortgeschritten, dass die Erschließung der Windpotentiale auf See möglich ist und attraktiv erscheint. Die Evolution der Windenergie hat somit einen Stand erreicht, der bedeutende Strukturveränderungen mit sich bringt.
Die neuen Generationen von Offshore-Windenergieanlagen sind leistungsfähiger, jedoch auch größer und schwerer, was zu neuen Herausforderungen in der Konstruktion, Produktion und Logistik führt. Die Installation und der Betrieb der Windparks auf See stellen sich sowohl technisch komplizierter als auch kostenintensiver dar. Diese wesentlichen Unterschiede führen dazu, dass die Windenergieindustrie dabei ist, sich in zwei unterschiedliche und getrennte Bereiche zu gliedern - "Onshore" und "Offshore".
Das Forschungsprojekt möchte die wesentlichen evolutionären Veränderungen von Onshore- zu Offshore-Windenergie analysieren und beschreiben.
Damit einher geht die Untersuchung und Darstellung der entstehenden räumlichen Strukturen der Offshore-Windindustrie anhand der Prozessketten, die sich aus der Entwicklung der Offshore-Windindustrie, insbesondere an den europäischen Küsten, ergeben. Darüber hinaus wird nach verschiedenen Erklärungsmöglichkeiten für die räumliche Ansiedlung der einzelnen Akteure im Kräftefeld der Offshore-Windkraft gesucht. Anhand dieser Ansätze sollen auch potentiell mögliche Standorte identifiziert werden.
Der Einfluss des demografischen Wandels auf Nachhaltigkeitsaspekte in einer Küstenregion
Dipl. Umweltwiss. Nico Stelljes
E-Mail: Nico.Stelljes@hzg.de
Betreuer: Prof. Dr. Beate M.W. Ratter
Laufzeit: Beginn 2008, Abschluss 2011
Projektbeschreibung:
Nachhaltigkeit und demografischer Wandel sind in Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit sehr präsente Schlagworte. So unterschiedlich sie auf den ersten Blick scheinen mögen, wird bei beiden Themen der Umgang mit gesellschaftlichem Wandel betrachtet. Nachhaltigkeit wird dabei als normative Leitidee für zukünftige Entwicklung verstanden, während der demografische Wandel einen gesellschaftlichen Wandel aufgrund von sich ändernden Bevölkerungsstrukturen beschreibt. Die Grundlage der Arbeit ist eine diskursanalytische Betrachtung der beiden Diskurse über Nachhaltigkeit und demografischer Wandel. Die Analyse zeigt, dass eine Verschränkung beider Diskurse nur in begrenzter Form stattfindet. Eine These der Arbeit lautet, dass die Zusammenführung der beiden Diskurse eine entscheidende Verbesserung für den Umgang mit gesellschaftlichem Wandel darstellt. Im zweiten Abschnitt des Projektes wird eine Möglichkeit dieser Zusammenführung demonstriert. Es wird ein dynamisches Simulationsmodells zur Unterstützung von planerischen Entscheidungen entwickelt. Für die theoretische Fundierung wird auf die Arbeiten von Funtowicz und Ravetz zur post-normal Science Bezug genommen. Als Beispielregion wurde Nordfriesland gewählt, die als (periphere) Küstenregion in besonderer Weise von den Auswirkungen des demografischen Wandels betroffen ist. Mit dem Modell soll lokalen und regionalen Entscheidungsträgern in der Region ein Werkzeug an die Hand gegeben werden, mit dem mögliche Auswirkungen des demografischen Wandels auf bestimmte Nachhaltigkeitsaspekte visualisiert und diskutiert werden können. Ziel der Modellierung ist nicht die Prognose einer wahrscheinlichen Zukunft, sondern die Veranschaulichung möglicher Ergebnisse, die sich als Produkt unterschiedlicher Entscheidungen des Anwenders ergeben würden. Eine solche Visualisierung und der Austausch über unterschiedliche Ergebnisse können einen fruchtbaren Diskussionsprozess anregen und dieser Diskussionsprozess hilft, die Qualität der Entscheidungsfindung zu verbessern.
Die Wahrnehmung urbaner, postindustrieller Kulturlandschaft und ihre Auswirkung auf die räumliche Identität (Arbeitstitel)
Dipl.-Geogr. Eike Christian Winkler
Raum: 733
Tel: +49 (0)40 42838-7295
E-Mail: ewinkler@geowiss.uni-hamburg.de
Betreuer: Prof. Dr. Frank N. Nagel
Laufzeit: Beginn 10/2008, Abschluss 2011
Projektbeschreibung:
Um sich besser im zunehmenden Wettbewerb als Wirtschafts-, Wohn- und Freizeitstandort positionieren zu können, sind Städte und Regionen bemüht, sich einen Charakter von Einzigartigkeit und Unverwechselbarkeit zu geben. Durch die Bildung eines bestimmten Images werden eine positive Außenwahrnehmung sowie eine stärkere Identifikation der Bewohner mit dem jeweiligen Raum angestrebt. Somit rückt auch die Frage nach räumlicher Identität verstärkt in das Interesse von Stadt- und Regionalplanung. In diesem Zusammenhang besitzt die Individualität von Kulturlandschaften und ihren Elementen eine besondere Bedeutung.
Das Dissertationsvorhaben setzt sich mit den Möglichkeiten einer ganzheitlichen Kulturlandschaftspflege in postindustriellen Städten auseinander, um zu einer besseren Wahrnehmung des Raumes beizutragen, sowie die räumliche Verbundenheit der einheimischen Bevölkerung zu stärken und darüber hinaus ein räumliches Bewusstsein der zugezogenen Bewohner zu schaffen.
Die exemplarisch in Hamburg-Wilhelmsburg und Magdeburg-Buckau durchgeführte Untersuchung richtet den Blick verstärkt auf die Wahrnehmung, Erlebbarkeit und emotionale Wirksamkeit von Kulturlandschaft.
Sozialräumlicher Wandel auf Hamburg-St. Pauli: Visualisierte Machtdemonstrationen im umkämpften Stadtraum (Arbeitstitel)
Katharina Wischmann
Raum: 837
Tel: +49-40-42838-4956
E-Mail: wischmann@geowiss.uni-hamburg.de
Betreuerin: Prof. Dr. Anke Strüver
Laufzeit: Beginn 04/2011, Abschluss 2013
Projektbeschreibung:
Im Hamburger Stadtteil St. Pauli vollzog sich innerhalb der letzten Dekaden ein tiefgreifender Transformationsprozess, dessen Geschwindigkeit und Ausmaß sich seit Ende der 1990er Jahre verschärft haben. Die durch Wegzüge von Gewerbebetrieben und die Schließung sozialer Einrichtungen eingeleiteten Modernisierungen in Form von Abrissen und Neubauten oder Sanierung im Bestand bedeuten nicht nur einen soziodemographischen Wandel, sondern auch eine grundsätzliche Veränderung der gebauten Struktur des Viertels. Neben der damit einhergehenden Aufwertung des Stadtteils zeichnen sich Verdrängungsprozesse und Exklusionen als einschneidende Konsequenzen für die lokale Bevölkerung ab. In der Rede von Identifikationsverlust und Mietsteigerungen einerseits sowie vom „Bürostandort St. Pauli“ und vom „attraktiven Wohnquartier in Sahnelage“ andererseits kristallisieren die vielschichtigen und konträren Ansprüche an den Sozialraum St. Pauli, welche ihn zum Austragungsort umkämpfter Stadtentwicklung machen. Diese Aushandlungsprozesse um die Gestaltung des Stadtraumes sind durch komplexe Machtverhältnisse gekennzeichnet.
Mit dem Ziel der Analyse der Machtmechanismen auf St. Pauli verfolgt dieses Promotionsvorhaben drei Fragen: (1) Wie werden im Kontext der Umbaumaßnahmen Legitimationen und Ansprüche ausgehandelt? (2) Durch welche städtebaulichen Visualitäten manifestieren sich diese Machtverhältnisse? (3) Welche (Un-)Möglichkeiten der Raumnutzung werden dadurch erzeugt? Die Operationalisierung dieser Fragen erfolgt mit Rückgriff auf diskurstheoretische Ansätze, die Diskurse als Macht-Wissens-Komplexe konzeptionalisieren. Neben einer sprachlichen findet eine visuelle Diskursanalyse Anwendung, um der Relevanz der machtdurchzogenen Materialisierung des lokal verankerten Konfliktes Rechnung zu tragen.