Teilprojekt 3
Gendersensible Analyse von Wertorientierungen und Naturwahrnehmungen von Landwirtinnen und Landwirten
Die
veränderten politischen Rahmenbedingungen im Zuge der “Agrarwende”
treffen Landwirtinnen und Landwirte in ihren Lebens- und
Arbeits-bedingungen. Die Organisation der landwirtschaftlichen Arbeit
und des Alltags geschieht vor dem Hintergrund der bestehenden
Wirtschaftsform, vorhandener Ressourcen und der wirtschaftlichen
Konstitution des Betriebes. Der politisch intendierte ökologische
Strukturwandel muss von einer großen Zahl von LandwirtInnen getragen
und vorangebracht werden. Um die Resonanz auf diese politische Maßnahme
zu erfassen, stehen im Zentrum der Fragestellung dieses Teilprojektes
Frauen und Männer in landwirtschaftlichen Betrieben mit ihrer
Wahrnehmung und Beurteilung der “Agrarwende” sowie mit ihren
Entscheidungs- und Handlungsspielräumen für die Gestaltung der
betrieblichen Zukunft. Diese Betrachtungsweise wird auf die Bereiche
»Natur« und »landwirtschaftliche Arbeit« gelenkt und ermöglicht,
Aussagen darüber zu treffen, ob und wie sich die veränderten
Rahmenbedingungen auf die Lebens- und Arbeitsbereiche je von Frauen und
Männern auswirken und wie sie in ihrem sozialen Umfeld damit umgehen.
Landwirtschaftliche
Arbeit mit ihren unterschiedlichen sozialen, psychischen und monetären
Ausprägungen und Zuschreibungen soll in ihrer Bedeutung für die
LandwirtInnen analysiert werden. Die subjektiven Konzepte von Natur
werden hinsichtlich ihrer Bedeutung für die landwirtschaftliche Arbeit
untersucht. Da Entscheidungen über zukünftige Entwicklung der
landwirtschaftlichen Betriebe von den dort lebenden Frauen und Männern
abhängen, können die Ergebnisse wichtige Hinweise für die Realisation
der “Agrarwende” geben. Der geschlechtsspezifische Ansatz hat dabei die
Funktion, soziale Prozesse, Verhältnisse und Strukturen aufzudecken,
die Geschlecht als solches erst konstruieren und die
Konstruktionsmechanismen einer ungleichen geschlechtlichen Ordnung zu
entlarven. Die Verschiedenartigkeit und Vielfalt unterschiedlicher
Tätigkeiten der Männer und Frauen auf den Betrieben und die
Heterogenität der Alltagswelten sollen Berücksichtigung finden. Die
Konzeption der politischen Maßnahmen im Zuge der “Agrarwende” kann mit
Hilfe der Ergebnisse um eine geschlechtsspezifische Perspektive
erweitert werden, so dass Einflussstrukturen, Potenziale und
Handlungsspielräume von Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben für
Veränderungsprozesse mehr Gewicht bekommen.