Leitung: Julia Pauli und
Michael SchneggDas
beantragte Projekt untersucht die Entscheidungen in den USA lebender
mexikanischer Migranten, im Alter nach Mexiko zurückzukehren, in den
USA zu bleiben oder zwischen beiden Orten zu "pendeln". Mit dieser
Ausrichtung knüpft es an Stränge aktueller Forschung an, die sich mit
dem Phänomen zunehmender globaler Migrationsströme nach dem zweiten
Weltkrieg auseinandersetzen. Der Komplex "Alter und Migration" ist dabei
von wachsender wissenschaftlicher, sozialer und politischer Relevanz
und erfordert eine eingehendere Beschäftigung, als er sie bisher
erfahren hat.
Die in dem Projekt untersuchten Migranten stammen alle
aus verschiedenen ländlichen Gemeinden des zentralmexikanischen Tals
von Solís, in dem die Antragsteller seit 1995 mehrere Feldforschungen
durchgeführt haben. Der transnationale Raum, der etwa in den vergangenen
drei Jahrzehnten zwischen dem Tal von Solís und mehreren Orten in den
USA entstanden ist, beschränkt und bedingt die Zugehörigkeiten und die
daraus resultierenden Handlungen und Entscheidungen der älteren
Migranten und ihrer Familien. Aufgrund der Vorarbeiten in Mexiko ist es
möglich, in dem beantragten Projekt insbesondere auf die in den USA
lebenden Migranten zu fokussieren und zu fragen, inwieweit und auf
welche Art und Weise sich Alter und Altern heute im transnationalen Raum
gestalten.
(Fördervolumen ca. 150.000 Euro)
Der Harburger Binnenhafen ist zurzeit umfassenden Strukturveränderungen
unterworfen, die durch die Aufgabe alter Industriezweige, wie z.B.
Ölfabrikation, und der Neuentwicklung eines Hightech-Standortes geprägt
sind. Dieser Wandel hat starke Veränderungen der Lebens- und
Arbeitsbedingungen im Binnenhafen zur Folge. Zugleich gehen mit dem
Verschwinden der alteingesessenen Betriebe und deren Mitarbeiter
Kenntnisse und Informationen über das Leben und Arbeiten in den alten,
für die Geschichte der Region prägenden Zusammenhängen verloren. Damit
dieses Wissen für die Nachwelt bewahrt bleibt, haben sich die
Kulturwerkstatt Harburg, der Heimat- und Museumsverein für Harburg Stadt
und Land, das Helms-Museum sowie mehrere selbständige Wissenschaftler
verschiedener Disziplinen zusammengetan und das Projekt
„Zeitzeugenbefragung“ ins Leben gerufen. Anhand von Befragungen von
ehemaligen und heute noch tätigen Mitarbeitern verschiedener Betriebe im
Binnenhafen sollen Geschichte, Wandel und kulturelle Identität des
Arbeitsstandortes Harburger Binnenhafen dokumentiert werden. Während der
ersten Testphase wurden bereits drei Harburger Firmen von sechs
Studentinnen der Ethnologie genauer erforscht.
Die Ergebnisse sollen in einer populärwissenschaftlichen Reihe ab Herbst
2008 sowie einer Ausstellung in den Räumen der KulturWerkstatt und des
Helms-Museums vorgestellt werden.
Despite increasing rates of
urbanisation, the livelihoods of the majority of households in the
Okavango river basin depend directly on access to ecosystem services
(ESS). The anthropological sub-project of the BMBF-funded imitative ‘The
future Okavango’ analyzes how local resource users perceive, valuate
and regulate ecosystem functions and services in the research area. An
actor-oriented approach concentrates on four interlinked tasks: firstly
we explore the local ecological knowledge about the services provided by
the environment. Secondly we investigate the people’s emic valuation of
material and non-material ESS as identified in step one and in the
overall scientific framework. Based on these results we explore how
individuals and households decide which natural resources to utilize.
The fourth analytical step will show how actors negotiate institutional
regimes at the community level to regulate ESS and which of these
regimes allows for a sustainable and just management and distribution of
resources. The four scientific tasks can only be achieved through the
active involvement and strengthening of local capacities. This
involvement of stakeholders is guaranteed through the fifth task.
The
project is funded with about 600.000 Euro.
Seit November 2006 bestehender internationaler Forschungsverbund mit acht europäischen Partnern. Im Mittelpunkt der vergleichenden Fallstudien zu unterschiedlichen Diasporagemeinden in Amsterdam, Hamburg, Kopenhagen, London, Riga, Sofia, Thessaloniki und Vilnius stehen Fragen nach sozialen Netzwerken, ökonomischen Strategien und kulturellem Kapital (Projektantrag an die EU).
Seit Anfang des Jahres 2006 fördert die Robert-Bosch Stiftung eine dreijährige Partnerschaft des Instituts für Ethnologie mit mehreren norddeutschen Schulen. Schülerinnen und Schüler der Oberstufe werden von Mitarbeitern des Instituts in ethnologischen Forschungsansätzen unterrichtet und entwickeln unter fachlicher Anleitung eigene Forschungsprojekte aus dem Themenbereich „Familie in der Diaspora“.
Die Ergebnisse werden jedes Jahr in einer öffentlichen Abschlussveranstaltung an der Universität Hamburg vorgestellt.
Projektseite:
Denkwerk Ethnologie - Familie in der DiasporaEuropean Port Cities (EU-Projekt)
Als Orte der Vernetzung und der Konzentration von Waren und von
Menschen sind internationale Hafenstädte gegenwärtig massiven
Veränderungsprozessen unterworfen. Technologische und ökonomische
Entwicklungen im Kontext der Globalisierung haben die Häfen grundlegend
umstrukturiert und damit auch das Verhältnis Hafen – Stadt nachhaltig
verändert. In den Projekten des Forschungsverbundes “Port Cities as
Areas of Transition” werden, am Beispiel ausgewählter internationaler
Hafenstädte in Europa und Lateinamerika, die Folgen globaler
Transformationsprozesse für Lebens- und Handlungsstrategien lokaler
Akteure im interkulturellen Vergleich untersucht (Einzelprojekte, z.T.
gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft). Schwerpunkte der
Forschungen liegen u.a. auf der Wahrnehmung und Aneignung des
städtischen Raums, auf Auswirkungen von Gentrifizerung und auf sozialen
Netzwerken und Alltagsstrategien lokaler Akteure Die Ergebnisse der
Einzelforschungen (Dissertations- und Habilitationsprojekte) sind in
einem Sammelband
„Port
Cities as Areas of Transition“ zusammengefasst.
Projektseite:
www.europeanportcities.deKultur der Obdachlosigkeit in Hamburg
Urbanität, städtische Kultur(en) und urbane Sozialorganisation sind
ein fester Bestandteil von Lehre und Forschung des Instituts für
Ethnologie. Seit dem Sommer 2001 liegt ein besonderer Schwerpunkt auf
Feldforschungen zu kulturellem Wissen, Netzwerken und alltäglichen
Überlebensstrategien von obdachlosen Menschen in Hamburg. Aus einer
Langzeitstudie in der Hamburger Innenstadt entstanden mehrere
Publikation. Weitere Untersuchungen betreffen Alltag und
Verbleibsalternativen von Zwangsgeräumten und die Situation obdachloser
Frauen.
"Lokale
Institutionen in globalisierten Gesellschaften" (DFG-Langfristprojekt)
Leitung:
Michael
Schnegg
Im Rahmen von Dezentralisierungsmaßnahmen, Nachhaltigkeitsüberlegungen
und Wirtschaftlichkeitserwägungen übergibt der namibische Staat die
Verfügungsrechte an natürlichen Ressourcen (Wasser, Forst, Wild) an
ländliche Gemeinschaften. So wird etwa die Infrastruktur (Brunnen,
Pumpen), die die Wasserversorgung in ländlichen Regionen sicherstellt,
an die lokalen Nutzer übergeben,. Das hat zur Folge, dass hunderte von
Gemeinden neue Institutionen entwickeln müssen, die regeln wie Wasser
genutzt und verteilt werden soll. Die Mitarbeiter/innen werden gemeinsam
mit den Projektleitern an der Beantwortung der Frage arbeiten, unter
welchen Bedingungen es Gemeinden im ländlichen Namibia gelingt, Wasser
und andere natürliche Res-sourcen nachhaltig zu nutzen und gerecht zu
verteilen. Neben den lokalen Rahmenbedingungen wird dabei ins-besondere
berücksichtigt, welchen Einfluss global ausgehandelte Vorstellungen von
‚Naturschutz' und ‚Gerechtigkeit' auf die Entstehung von lokalen Regeln
und Institutionen haben und wie sich die zunehmende Vernetzung
ländlicher und urbaner Lebenswelten auf Erfolg und Misserfolg des
Ressourcenmanagement auswirken.
(Fördervolumen des Hamburger
Teilprojektes ca. 450.000 Euro). Das Projekt wird in Kooperation mit
Prof. Bollig (Köln) durchgeführt.
AbgeschLossene Wissenschaftliche Projekte
Ethnographie eines Straßenzugs auf St Pauli
2001-2004
In diesem Projekt wurden - am Beispiel eines ausgewählten Straßenzuges - Alltag, soziale Beziehungen und verschiedene Aspekte von Kultur(en) im Hamburger Stadtteil St. Pauli untersucht und beschrieben. Ein Schwerpunkt lag auf einem Teil der sogenannten "Wohnbevölkerung", die selten im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht und sich nur zu einem geringen Prozentsatz an Wahlen oder politischen Entscheidungen beteiligt. Ihre Sichtweisen, Handlungsstrategien, lokalen Identitäten und Vorstellungen von Nachbarschaft und Urbanität bildeten den Mittelpunkt der Studie. Die Ergebnisse des Projektes sind z.T. in den
Ethnoscripts veröffentlicht.
Kultur und Umwelt in Festland-Südostasien und Neuguinea
Leitung:
Prof Dr. Roland Mischung
Das Projekt soll Aufschluß geben zu der Frage, inwieweit die Umwelt (naturräumliche Faktoren, externe politische und ökonomische Strukturen) die kulturelle Entwicklung sog. "Stammesgesellschaften" in der Dritten Welt beeinflußt hat und für ihre gegenwärtigen Erscheinungsformen verantwortlich ist. Eine zugrundeliegende Annahme war, daß das Verhalten gegenüber der natürlichen und soziopolitischen Umwelt von tradierten Überzeugungssystemen (Wahrnehmungsweisen, Zielvorstellungen) geprägt ist. Das Vorhaben ist ein Beitrag zur ethnologischen Grundlagenforschung mit Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Entwicklungshilfe.
Die empirische Forschungsarbeit wurde bei zwei Bergvölkern (Karen und Hmong) durchgeführt, die aus unterschiedlichen Regionen Südostasiens (NO-Burma bzw. SW-China) nach Nord-Thailand eingewandert sind und hier seit mehreren Generationen unter gleichartigen Umweltbedingungen nebeneinander leben. Wesentliches Ergebnis: Die auf den ersten Blick auffällige Ähnlichkeit beider Kulturen beschränkt sich auf die materielle Kultur, wirtschaftliche Ressourcen sowie Techniken des Feldbaus und der Viehhaltung. Die Art und Weise des Sich-Einrichtens im Raum (Siedlungsdynamik, Ziele und Formen wirtschaftlicher Produktion, externe Austauschbeziehungen, Interaktionen mit dominierenden Bevölkerungsgruppen, Assimilations- und Integrationstendenzen) ist hingegen sehr unterschiedlich und hängt offenkundig mit den jeweiligen geschichtlichen Erfahrungen der beiden Gruppen zusammen, die auch zentrale Bereiche der Sozialstruktur und Religion prägen.
Siedlungsgeschichte und Umwelt im Südosten von Burkina Faso
Leitung: Prof Dr. Roland Mischung
Das Vorhaben gehört zu einem von mir geleiteten Teilprojekt innerhalb des an der Universität Frankfurt/Main angesiedelten Sonderforschungsbereichs "Kulturentwicklung und Sprachgeschichte im Naturraum Westafrikanische Savanne" (SFB 268). Ziel des Gesamtunternehmens "ist die Erforschung der historischen Entwicklung der Kulturen in der westafrikanischen Savanne - unter all ihren Aspekten - und ihres Verhältnisses zu den sie umgebenden Naturräumen". Innerhalb dieses thematischen Rahmens hat das siedlungsgeschichtliche Projekt die Aufgabe, an zwei Fallbeispielen unterschiedliche Formen der Inbesitznahme des geographischen Raums zu dokumentieren: die Untersuchung von insgesamt 18 Gulmance- und 6 Mossi-Dörfern, in zwei aneinandergrenzenden Gebieten am Südrand der Trockensavanne gelegen, sollte zeigen, aus welchen Gründen, unter welchen kognitiven Prämissen und mit welchen Zielen jeweils die Dorfgründungen erfolgen, welche Kriterien der Auswahl eines Siedlungsplatzes zugrundeliegen und welche soziale und räumliche Dynamik die weitere Entwicklung der Dorfgemeinschaften bestimmt.
Die Ergebnisse deuten bei beiden ethnischen Gruppen auf die Existenz jeweils kulturspezifischer "Pläne" und Formen der Wirklichkeits-Wahrnehmung. Dieses Resultat besitzt erhebliche Relevanz für gegenwärtig laufende und geplante Entwicklungsprojekte, die auf Ressourcenschutz und Veränderung wirtschaftlicher Orientierungen abzielen.
Partizipation in der Landesentwicklung und
entwicklungspolitischen Zusammenarbeit in Zentralasien am Beispiel von Kirgistan und Tadschikistan
Leitung:
Prof Dr. Frank Bliss
Seit 2005
Mit anteiliger Förderung durch die VW-Stiftung soll die Frage der Partizipation in der Landesentwicklung
in Kirgistan und Tadschikistan theoretisch und praktisch untersucht werden.
Einerseits geht es darum, „traditionelle“ Formen der Partizipation zu identifizieren und zu
untersuchen, wie diese mit den durch die internationale Entwicklungszusammenarbeit (EZ)
in den betreffenden Ländern propagierten Partizipationsvorstellungen kompatibel sind. Ein
anwendungsorientiertes Ergebnis der Forschungen für die EZ soll die Erarbeitung von Vorschlägen
zum Umgang mit Partizipation in Kirgistan und Tadschikistan sein, d.h. wie kann
die EZ auf unterschiedlichen Interventionsebenen eine erfolgreiche Bevölkerungsbeteiligung
bei ihren Vorhaben erreichen (einschließlich von best practices).
Projektvorstellung