
Liebe eLearning-Interessierte!
Sollten Sie bisher noch keine Erfahrungen mit virtuellem Lehren und Lernen gemacht haben, stellt sich Ihnen vielleicht zunächst die Frage, was eLearning eigentlich bedeutet und welche Vorteile und Möglichkeiten diese innovative Lehr- und Lernform hat. Mit dieser Seite möchten wir Ihnen einen kurzen Überblick zu diesem Thema verschaffen und hoffen Ihnen dadurch neue Impulse und Anregungen auch für ihre eigene Lehre geben zu können. Grundlegend kann 'eLearning' verstanden werden als eine durch den Einsatz digitaler Medien technologisch unterstützte Form des Lernens. Die Bandbreite digitaler Medien umfasst dabei sowohl web-basierte Lernsoftware, Community- und Lernplattformen zur Unterstützung kollaborativen Lernens und Arbeitens als auch offline genutzte Lernprogramme. Insbesondere der Einsatz und die Einbindung solcher Lernprogramme und anderer interaktiver Werkzeuge und Veranschaulichungen in Lehrveranstaltungen ist als wesentlicher Bestandteil des eLearning zu zählen.
Sieht man einmal von eLearning als reinem Selbstlernangebot ab, in der der Lernende bzw. die Lehrende alleine an einer Lernsoftware arbeitet, kann eLearning in der Hochschullehre schon durch den Einsatz digitaler Medien (Videos, Animationen, Webseiten, Powerpoint) z.B. in einer Vorlesung initiiert werden. So können durch den Einsatz interaktiver Medien beispielweise komplexe und schwer verständliche Prozesse visualisiert und veranschaulicht werden.
Ein weiterer 'virtueller' Schritt ist die Ergänzung einer Präsenzveranstaltung durch online bereitgestellte Lernmaterialien und Aufgaben (digitalisierte Seminartexte, Videos und Animationen, Lernprogramme, Multiple-Choice Tests, interaktive Werkzeuge). Diese können den Studierenden z.B. über eine Lernplattform zur Verfügung gestellt werden und sind so jederzeit verfügbar.
Von 'Blended Learning' wird gesprochen, wenn eine Lehrveranstaltung sowohl in Präsenz als auch virtuell, z.B. innerhalb der Arbeitsräume einer Lernplattform, stattfindet. In den virtuellen Phasen können sich die Studierenden z.B. über ein Forum untereinander austauschen oder eine gemeinsame Gruppenaufgabe bzw. ein Referatsthema bearbeiten. Die Präsenzphasen können u.a. der Klärung inhaltlicher, technischer oder organisatorischer Fragen, aber auch der Präsentation von Ergebnissen dienen.
Ein rein virtuelles Seminar beginnt idealerweise mit einer gemeinsamen Präsenzveranstaltung, um die Teilnehmer auf die gemeinsame virtuelle Zusammenarbeit vorzubereiten. Der Rest des Seminars findet online in einer Lehr- und Lernumgebung statt, über die Lehrende und Teilnehmende miteinander kommunizieren und in der alle Lernmaterialien und Aufgaben zur Verfügung gestellt sowie bearbeitet werden.
Aufgrund der technischen Entwicklungen in den letzten Jahren bieten sich heute viele Möglichkeiten, traditionelle Lehr-Lernsituationen durch den Einsatz neuer Technologien zu verbessern und herkömmliche Seminarformen durch eLearning Anteile sinnvoll zu ergänzen.
Im Folgenden wollen wir Ihnen einige Vorteile von eLearning am Beispiel von 'Blended Learning' – als Mischform von herkömmlicher Präsenzlehre, Computer- und Internetgestütztem Lernen und virtueller Gruppenarbeit – aufzeigen.
Bei der Integration von eLearning in die Präsenzlehre in Form von 'Blended Learning' sind folgende Bereiche positiv hervorzuheben:
Bereicherung der Präsenzlehre und verbessertes Lernen
- Bereicherung der Präsenzlehre und des Selbststudiums der Studierenden durch den Zugriff auf Informationsressourcen und Lernobjekte, sowie auf Daten und Medien
- Steigerung der Aktualität und Verfügbarkeit der Lerngegenstände durch Einbeziehung des Internets in die Lehre
- interaktiver Umgang mit Lernobjekten, die auf Tafeln oder in Büchern nur statisch zur Verfügung stehen
- die Visualisierung komplexer, unsichtbarer, abstrakter, statischer oder numerischer Vorgänge und Lernobjekte macht reale Objekte zugänglich, die nicht oder nur mit großen Einschränkungen verfügbar sind, wie z.B. in der Ökologie oder bei virtuellen Patienten der Medizin
Verbesserte Kommunikations- und Betreuungsmöglichkeiten
- verbesserte Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden sowie zwischen Lernenden untereinander
- verbesserte Betreuung der Studierenden durch computergestützte Kommunikationsmethoden auch in den Phasen zwischen den Lehrveranstaltungen
- Entlastung der Lehrenden durch die Bereitstellung aufbereiteter Materialen und Tests und dadurch mehr Zeit für eine individuelle Betreuung der Studierenden
- Möglichkeit gemeinsamer Veranstaltungen mit Studierenden und Lehrenden anderer Länder
Förderung von Chancengleichheit und individuellem Lernen
- die Integration von eLearning in die Präsenzlehre ermöglicht Studierenden die zeit- und ortsunabhängige Vor- und Nachbereitung von Seminaren durch die ständige Verfügbarkeit von Studienmaterialien
- fördert die Flexibilität des Lernens durch die Möglichkeit asynchroner Zusammenarbeit
- verbessert die Chancen für Studierende, die am Präsenzstudium nur eingeschränkt teilnehmen können: in ihrer Mobilität behinderte Studierende, temporär erkrankte Studierende, halb oder voll berufstätige Studierende, familiär gebundene Studierende sowie Studierende mit Auslandsstipendien können orts- und zeitunabhängig an Lehrveranstaltungen teilnehmen und müssen auf diese Weise kein Semester versäumen
Förderung von (e)Kompetenzen
- die Integration von eLearning in die Präsenzlehre fördert die Selbstständigkeit und den selbstverantwortlichen Umgang der Studierenden mit neuen Technologien und Arbeitsweisen
- ermöglicht es Studierenden, sich schon während des Studiums mit den Anforderungen virtueller Gruppenarbeit auseinanderzusetzen und vertraut zu machen
Digitale Medien und eLearning sind keine Allheilmittel für die Reform der Studiengänge, sie eignen sich nicht für jede Form der Lehre und nicht für jeden Gegenstand des Lernens. In fast jedem Studiengang gibt es Inhalte und Lernformen, die sich besser für das Präsenzstudium eignen. Beispiele sind Experimentalpraktika, Therapieausbildungen oder Praktika am Krankenbett (Bed-Side Teaching). In vielen Fällen können virtuelle Veranstaltungen als sinnvolle Vor- und Nachbereitung von Präsenzkursen dienen (z.B. für Exkursionen, Biologiepraktika, Laborpraktika), niemals jedoch als deren Ersatz. Einige Fächer eignen sich besser für die multimedial gestützte Lehre als andere. Das unmittelbare Feedback durch Lehrende oder durch die Gruppe kann nicht durch programmgesteuerte oder netzbasierte Interaktionen ersetzt werden.
- eLearning-Strategie-Papier der Universität Hamburg (2006 - 2010)
http://www.uni-hamburg.de/eLearning/eL-Strategie.pdf
- R. Schulmeister, K. Mayrberger, A. Breiter, A. Fischer, J. Hofmann, M. Vogel: "Didaktik und IT-Service-Management für Hochschulen - Referenzrahmen zur Qualitätssicherung und -entwicklung von eLearning-Angeboten". Bremen/Hamburg 2008.
http://www.uni-hamburg.de/eLearning/eLearning_broschuere_lic.pdf
- e-teaching.org mit weiteren Informationen zum eLearning im Allgemeinen und Lehr- und Lernszenarien im eLearning http://www.e-teaching.org