PROF. DR. JUTTA SCHNEIDER
Profil
Paarungsstrategien von Weibchen und Männchen einer Art können sehr
verschieden sein und unter Umständen zu einem Konflikt zwischen den
Geschlechtern führen. Sexuell kannibalische Spinnen zeichnen sich durch
eine ungewöhnliche Kombination von polyandrischen Weibchen (verpaaren
sich mehrfach) und monogamen oder selten bigamen Männchen aus. Mit
Hilfe von theoretischen Modellen und Feldstudien suchen wir nach den
evolutiven Ursachen dieses ungewöhnlichen Paarungssystems.
Ein polyandrisch/monogynes Paarungssystem hat zur Folge,
- dass die Männchen unter starkem Selektionsdruck stehen Weibchen zu monopolisieren
- dass bei polyandrischen Weibchen die Spermien mehrerer Männchen im weiblichen Genitaltrakt um die Befruchtung der Eier konkurrieren (Spermienkonkurrenz).
Wir untersuchen experimentell den Einfluss von Spermienkonkurrenz und sexuellem Konflikt auf Paarungserfolg, sexuellen Kannibalismus, Genitalstrukturen
und Verhalten
- dass Weibchen während oder nach der Paarung theoretisch zwischen den Spermien mehrerer Männchen wählen können; diese kryptische Weibchenwahl
untersuchen wir anhand von Doppelverpaarungen mit Männchen unterschiedlicher Qualität und Verwandtschaftsbeziehung (Inzuchtvermeidung).
In einem rezenteren Ansatz beschäftigen wir uns mit den Ursachen des sexuellen Kannibalismus aus der Weibchenperspektive. In diesem Zusammenhang suchen
wir nach den genetischen und umweltbedingten Grundlagen individueller Variation in der Angriffslust der Weibchen.
Spinnen sind als einzelgängerische Raubtiere bekannt und doch gibt es einige wenige Arten, die sozial leben. Die Gattung Stegodyphus ist besonders
interessant, weil sie subsoziale und permanent soziale Arten enthält. Wir untersuchen die Bedeutung der Verwandtschaft und der Inzucht für die Kooperation der
Spinnen mit Hilfe von vergleichenden, genetischen und experimentellen Ansätzen.
Einige Spinnenarten haben sehr erfolgreich unsere anthropogenen Lebensräume erschlossen. Brückenspinnen besiedeln in extrem hohen Dichten Brücken und
Gebäude in Wassernähe. Wir haben die Herausforderung angenommen, nach den spezifischen Eigenschaften und Bedürfnissen dieser Art im urbanen Lebensraum
zu suchen.
Die Evolution und der adaptive Wert von Genitalstrukturen der Gattung Argiope
Life History und Stadtökologie der Brückenspinne, Larinioides sclopetarius
Der adaptive Wert von Paarungsraten bei der Gattung Argiope
Die Evolution der Körpergröße bei Radnetzspinnen am Beispiel der Gattung Nephila
Polyandrie als ein Mechanismus der Inzuchtvermeidung bei der Gattung Argiope
Conflict and cooperation in brood caring spiders
Der Wandel spezialisierter Paarungsstrategien in der Spinnengattung Nephila – evolutionäre Anpassungen und Zwänge
DR. RALF WANKER
Profil
Die "social complexity hypothesis" besagt, dass im Laufe der Evolution ein erhöhter Komplexitätsgrad des sozialen Systems einer Art zu erhöhten
kognitiven Leistungen geführt hat. Zu diesen kognitiven Leistungen gehören sowohl Leistungen im sozialen Bereich, also im Umgang mit Artgenossen, wie
auch Leistungen im Bereich der Kommunikation und mentale Leistungen beim Erkennen von Zusammenhängen oder bei Problemlösungen. Alle drei Aspekte untersuchen
wir vor allem an sozial lebenden Papageien. Denn seit 2005 ist es offiziell anerkannt, dass die pallialen Strukturen im Vogelhirn, die für die kognitiven
Leistungen zuständig sind, um ein vielfaches größer sind als bisher angenommen.
Soziales System und Konfliktmanagement In diesem Projekt untersuchen wir die soziale Struktur vor allem der Augenring-Sperlingspapageien (Forpus conspicillatus)
in unserem Institut und der Grünflügelaras (Ara chloroptera) im Tierpark Hagenbeck. Hierbei interessiert uns der Komplexitätsgrad der sozialen Struktur und wie die
Tiere diese Struktur aufrechterhalten indem sie entstehende Konflikte lösen. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich die Paarpartner der Augenring-Sperlingspapageien
nach einem Konflikt wieder versöhnen.
Akustische Kommunikation Hier untersuchen wir die Bedeutung der Lautäußerungen für die Kommunikation in der Gruppe bei den Augenring-Sperlingspapageien
und den Grünflügelaras. Wichtig ist uns hierbei der Informationsgehalt der Lautäußerungen und welche Informationen von den Tieren genutzt werden. Der Kontaktruf
der Augenring-Sperlingspapageien dient z. B. dem individuellen Erkennen der Paarpartner und der Nestgeschwister. Darüber hinaus besitzen die
Augenring-Sperlingspapageien in den Rufen ein Namensäquivalent mit dem sie bestimmte Familienmitglieder rufen.
Problemlösung Können die Papageien kausale Zusammenhänge erkennen und Probleme im Geiste lösen ist hier die zentrale Frage des Projektes. Mit Standardtests
und eigenen selbst entwickelten Versuchsapparaturen wird untersucht, ob die Tiere durch Versuch und Irrtum lernen oder ob sie einsichtiges Lernen zeigen. Die
letzten Untersuchungen haben gezeigt, dass die Paarpartner der Grünflügelaras bei der Problemlösung sogar kooperieren, jedenfalls solange, bis jeder eine eigene
Lösung gefunden hat.
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