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Von der Mitte her. Zum Logo des Fachbereichs Theologie


[Logo des Fachbereichs Theologie]

Neues Logo des Fachbereichs Theologie
Im Jahr 1979 erschien in Heft Nr. 8 von »uni hh« ein Foto, das die Amtskette des Dekans der ehemaligen Evangelisch-Theologischen Fakultät abbildete; das in der Kette befindliche Medaillon gibt das Siegel dieser 1954 gegründeten Fakultät wider. 1979 beging man also das 25-Jahr-Jubiläum einer Gründung, durch die die Universität Hamburg erst zur »Volluniversität wurde. Dass man der Entstehung des heutigen Fachbereichs Evangelische Theologie damals diese Bedeutung gab, kann man in dem Buch von Silke Jendrowiak mit dem Titel »Der Forschung, der Lehre, der Bildung. Hamburg und seine Universität«, Hamburg 1994, S. 80-83, lesen.

Es hat sich im November vergangenen Jahres schön gefügt, dass bei der Vorstellung des neuen Universitätslogos - das jeweils durch Einzellogos der Fachbereiche ergänzt werden soll - bereits auch das künftige Logo des Fachbereichs Theologie gezeigt werden konnte. Es nimmt das Motiv des schon erwähnten Siegels beziehungsweise des Medaillons auf. Als Teil der Dekanskette ruht das Medaillon im Tresor des Hamburgischen Museums für Kunst und Gewerbe, wo ich es kürzlich sehen und fotografieren durfte.

Das Rundbild greift auf alte Elemente christlicher Ikonographie zurück: Im Kreis, der als Symbol der Ewigkeit gedeutet werden mag, ist ein aus einem liegenden Fisch und den über und unter ihm stehenden griechischen Buchstaben Alpha und Omega bestehendes Kreuz angedeutet. »Ich bin das A und O, spricht Gott der Herr«: Dieser Satz aus Offb. 1,8 bezeichnet Gott beziehungsweise Christus als »den Ersten und den Letzten« und damit auch als den Herrn der (geschaffenen) Zeit. Der Fisch gilt als eines der ältesten christlichen Symbole, das in den letzten Jahrzehnten als Bekenntnissymbol zum Beispiel in der Form von Autoaufklebern auch in Trivialbereiche eingedrungen ist. Vor der sogenannten Konstantinischen Wende im 4. Jahrhundert soll es ein geheimes Erkennungszeichen für Christen gewesen sein, weil das griechische Wort für »Fisch«, Ichthys, als durch die Anfangsbuchstaben der griechischen Wörter für »Jesus Christus, Gottes Sohn, Heiland« gebildete christologische Kurzformel gelesen werden kann. Das Kreuz im Kreis ist zudem auf vielen alten Bildern Symbol der Welt, des Kosmos, in dessen Mittelpunkt nun auf dem Logo, angedeutet durch den Buchstaben Theta, »Gott« steht.

Die insgesamt sieben griechischen Buchstaben (Christus-Anagramm sowie »A« und «O«) lassen erkennen, dass der Umgang mit der »Heiligen Schrift«, die für die reformatorischen Kirchen Orientierung und Richtscnur des Glaubens ist, immer Übersetzung verlangt. Theologie ist Übersetzungsarbeit - nicht nur als Übersetzung aus dem hebräischen und griechischen Urtext der Bibel, sondern im Rahmen aller theologischen Einzeldisziplinen als ein die Tradition reflektierendes, aber auch je neu beantwortendes Zur-Sprache-Bringen ihrer Mitte.

Darum ist Theologie als Wissenschaft unverzichtbar - sowohl als ständiges Korrektiv des gelebten Glaubens, damit dieser nicht fundamentalistisch mit Ideologie verwechselt werde, als auch im Sinne der geistigen Auseinandersetzung mit dem Denken der eigenen Gegenwart, als Stimme im wissenschaftlichen Diskurs, in der das jüdische und christliche, das heißt das biblische Erbe zur Sprache kommt.

Das im Fachbereichsrat einstimmig angenommene Logo des Fachbereichs Evangelische Theologie ist jenem der Gesamtuniversität nachgeordnet: Der Fachbereich Theologie ist Teil der Universität als einer lebendigen Vielfalt verschiedener Wissenschaften im freien Austausch, den der universale Dialog der Gesamtuniversität erlaubt. Verantwortliche Wissenschaft braucht diesen Dialog, an dem die Theologie von ihrer im Siegel und jetzt im Logo angedeuteten Mitte her teilnehmen soll und will.

Ina Willi-Plein


unihh - Heft 2, 2000


Universität Hamburg, 11. Mai 2000. Impressum.

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