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Max-Planck-Preis für Prof. Albrecht Wezler

Mit Handschriften-Projekt 190 000 Texte in Nepal bewahrt


Albrecht Wezler: der Max-Planck-Forschungspreis als Krönung einer Laufbahn Höchste Anerkennung für Prof. Dr. Albrecht Wezler von der Abteilung für Kultur und Geschichte Indiens und Tibets! Auf Vorschlag des Auswahlausschusses der Alexander von Humboldt-Stiftung und der Max-Planck-Gesellschaft wurde ihm am 29. November in Berlin für seine international herausragenden Forschungen der Max-Planck-Forschungspreis für Geisteswissenschaften 2000 verliehen. Der mit 250 000 Mark dotierte Preis ermöglicht eine drei- bis fünfjährige wissenschaftliche Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern.

Auch Hamburgs Erster Bürgermeister beglückwünschte Professor Wezler zur dieser Würdigung. "Der Preis ist eine Auszeichnung für Ihr bedeutendes wissenschaftliches Werk, er ist neben seinem materiellen Wert gewiss auch eine große ideelle Ermutigung für ihr zukünftiges wissenschaftliches Arbeiten in unserer Stadt sowie vor Ort in Indien und Nepal" schrieb Orwin Runde dem Indologen, den er einen großen Promotoren der wissenschaftlichen Kooperation mit dem indischen Subkontinent nannte.

"Ihre kontinuierliche, sensible und überaus aktive Tätigkeit für das Nepal-German Manuscript Preservation Project ist ein Glücksfall für die Bewahrung eines unvergleichlichen Kulturschatzes", gratulierte Universitätspräsident Dr. Jürgen Lüthje dem ausgezeichneten Forscher. " >The importance of the nearly thirty years of filming activities of the NGMPP cannot be overstated<, heißt es auf Ihrer Homepage - dieser Einschätzung schließe ich mich gern und freudig an."

Mit dieser Preisverleihung wurde die Hamburger Indologie Tibetologie auch national als "Center of Excellence" anerkannt, ein Ruf, den sie international schon längst hat.

Aufgabe des seit 1970 existierenden und seit 1982 von Prof. Wezler geleiteten deutsch-nepalesischen Projekts ist es, möglichst alle noch vorhandenen Handschriften und historischen Dokumente Nepals auf Mikrofilm sicherzustellen und zugänglich zu machen. Damit soll ein wesentlicher Beitrag zur Grundlagenforschung vor allem in den Fächern Indologie, Tibetologie und Geschichtswissenschaft geschaffen werden. An diesem Vorhaben sind nicht nur Professor Wezler und weitere Wissenschaftler in Hamburg, sondern auch Mitarbeiter in Kathmandu unter der Leitung von Dr. Klaus-Dieter Mathes beteiligt (gewesen), die bei ihren Expeditionen in die abgelegensten Gebiete Nepals Handschriften mikrofilmieren. Inzwischen sind rund 190 000 Texte aufgenommen worden. Nach Abschluss der Arbeiten in Nepal Ende Februar 2001 wird eine in Hamburg angefertigte Liste der verfilmten Manuskripte und Blockdrucke im Internet publiziert werden, um Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in aller Welt über die einzigartige Sammlung zu informieren.

"Darunter befindet sich eine ganze Reihe veritabler Sensationen," sagt Prof. Wezler. "So ist eine Ausgabe des ersten Teils des Skanda Purana, eines heiligen Textes der Hindus, in Holland veröffentlicht worden. Er basiert auf der ältesten Handschrift (810 n. Chr.), die wir haben. Der Text ist zum Teil völlig neu gegenüber den anderen, bisher bekannten Versionen."

Die Arbeiten in der Abteilung für Kultur und Geschichte Indiens und Tibets werden noch bis März 2002 fortgeführt und - wie in all den zurückliegenden Jahren - von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert.

Neben den in der Universität zu den Handschriften archivierten Katalogkarten existieren von den filmierten Texten zwei Kopien, von denen eine im Nationalarchiv von Kathmandu und eine in der Sammlung Preußischer Kulturbesitz in Berlin aufbewahrt wird.

Angesichts der Tatsache, dass die tibetische Kultur durch die Herrschaft der Chinesen in Tibet vom Aussterben bedroht ist - während der Kulturrevolution wurden Jahrhunderte alte Kunst- und Literaturschätze der Tibeter rücksichtslos zerstört - wurde eine tibetische Abteilung zur Erschließung und Erhaltung tibetischer Literatur, die für die Kultur- und Geistesgeschichte Zentralasiens von ausschlaggebender Bedeutung ist, in dem Projekt eingerichtet.

Mit der Übernahme des Buddhismus aus Indien und Nepal übersetzten Tibeter zusammen mit indischen Pandits buddhistische Texte aus dem Sanskrit, deren Originale in Indien größtenteils verschollen sind und nun nur noch in tibetischen Übersetzungen vorliegen.

Aufgrund der Unzugänglichkeit der in Tibet erhaltenen Werke ist für die Tibeter und die westliche Forschung die Suche nach tibetischer Literatur in den angrenzenden südlichen Ländern wie Nepal, Sikkim oder Bhutan im Westen die einzige Möglichkeit, das Kulturgut der Tibeter für sich selbst und die übrige Welt zu erhalten.

Nepal genoss jahrhundertelang eine Sonderstellung als Einflusssphäre der indischen und tibetischen Kultur, als Hort hinduistischen und buddhistischen Gedankenguts und als ein Land, durch das einige der wichtigsten Handelsstraßen zwischen Zentralasien und dem indischen Subkontinent liefen. Völker und Stämme sind in den nördlichen Bergregionen Nepals angesiedelt und standen über Jahrhunderte hindurch in engem Kontakt mit der Hochkultur Tibets. Aus diesem Grund ist die Verfilmung tibetischer Handschriften in diesen Gebieten der wichtigste Beitrag zur Materialerschließung tibetischer Literatur neben der Sammeltätigkeit in den neuen Klöstern der Exiltibeter.

Durch das Preisgeld kann Prof. Wezler mehrere Projekte mit ausländischen Partnern realisieren. Eines ist ein Vorhaben mit Prof. Dr. Minoru Hara vom International College for Advanced Buddhist Studies in Tokio, bei dem die Vorstellungen über die Übertragung von religiös-moralischem Verdienst von einer Person (die es erworben hat) auf eine andere (der es zugutekommen soll) in Indien untersucht werden, und zwar unter besonderer Berücksichtigung des Hinduismus. Damit soll ein bisher weitgehend vernachlässigter Aspekt hinduistischer Theologie, aber auch Religionspraxis, der für die zwischenmenschlichen Beziehungen wichtig ist, ins Blickfeld gerückt werden.

Mehr über das Projekt erfahren hier.

uni hh


Foto: Levin
unihh - Heft 1, 2001
Universität Hamburg, 1. März 2001. Impressum.

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