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Hörsaal B in der Kuppel des Hauptgebäudes der Universität Hamburg an der Edmund-Siemers-Allee hat den Namen »Agathe Lasch-Hörsaal« erhalten. Seit Frühjahr dieses Jahres heisst der darunter liegende Vorlesungsraum (Hörsaal A) bereits »Ernst Cassirer-Hörsaal«. Mit diesen Benennungen will die Universität zeigen, wie eng ihre Geschichte mit den Namen großer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verbunden ist und wie sehr sie sich diesen Persönlichkeiten verpflichtet fühlt.
Die Feier zur Benennung des »Agathe Lasch- Hörsaals« fand am 4. November vergangenen Jahres stattt. Den Festvortrag hielt Prof. Dr. Dieter Möhn, Germanisches Seminar ( »Die Geschichte der Sprache. Die Philologin Agathe Lasch«). Dieter Möhn ist der dritte Nachfolger von Agathe Lasch auf der Professur für Niederdeutsch an der Universität Hamburg. Agathe Lasch (1879 bis 1942 ?) trug in den zwanziger und frühen dreissiger Jahren wesentlich dazu bei, der jungen Hamburger Universität Rang und internationales Ansehen zu verschaffen. Sie hatte in der Germanistik bereits einen Namen, als sie als Assistentin 1917 an das Deutsche Seminar der Hansestadt kam. 1909 war sie in Heidelberg mit ihrer vielbeachteten »Geschichte der Schriftsprache in Berlin« promoviert worden. Anschliessend arbeitete sie als Professorin an einer Frauenhochschule in den USA; dort entstand ihr Hauptwerk, ihre Mittelniederdeutsche Grammatik, bis heute eines der Standardwerke der niederdeutschen Philologie. |
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In Hamburg arbeitete Agathe Lasch an zwei Wörterbuch-Unternehmen: am Hamburgischen Wörterbuch und am Mittelniederdeutschen Wörterbuch. 1919 wurde das Deutsche Seminar Bestandteil der neu gegründeten Universität Hamburg. Agathe Lasch habilitierte sich noch im selben Jahr, wurde 1923 zur Professorin ernannt und 1926 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Niederdeutsch berufen. Sie war damit die erste Frau auf einem Lehrstuhl der Hamburger Universität.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten fand die lehrende und forschende Tätigkeit von Agathe Lasch an der Universität ihr Ende. Das im April 1933 erlassene »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« verbot die Beschäftigung von Juden im öffentlichen Dienst. Eine Petition schwedischer Hochschullehrer verzögerte zunächst eine Anwendung des Gesetzes auf Agathe Lasch. 1934 erfolgte dann doch ihre Entlassung. Dem Berufsverbot folgte ein Publikationsverbot. 1937 zog sie nach Berlin, um bei ihrer Familie zu sein. Sie musste täglich darauf gefasst sein, abgeholt zu werden. Am 12. August 1942 war es soweit. Von da ab verliert sich ihre Spur. Der Vortrag von Prof. Möhn wie auch die Würdigung, die Präsident Dr. Jürgen Lüthje Agathe Lasch bei der Feier zuteil werden liess, werden demnächst in der Reihe »Hamburgische Universitätsreden, Neue Folge« publiziert. |
unihh - Heft 1, 2000