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16.7.1999

Gehörlose gewinnt "USable"-Hauptpreis

Als Sonderschul-Lehramtsstudentin der Universität Hamburg verbrachte Aya Kremp ein Studienjahr in den USA. Dabei lernte die Studentin den kostenlosen Vermittlungsdienst amerikanischer Telefongesellschaften für Gehörlose, bei dem Telefonate von Schrifttelefonen den hörenden Gesprächspartnern in gesprochenen Text übersetzt werden, kennen. Diesen Service brachte sie als Anregung in den deutsch-amerikanischen Ideenwettbewerb "USable" der Körber-Stiftung ein und gewann jetzt einen der sieben mit jeweils 10 000 Mark dotierten Hauptpreise. Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war es, in den USA nach nützlichen und in Deutschland möglicherweise einsetzbaren Projekten Ausschau zu halten.

Inzwischen arbeitet die Preisträgerin gemeinsam mit dem Gehörlosen-Verband Hamburg an der Umsetzung des Vermittlungsdienstes für die Hansestadt. Die seit ihrer Geburt gehörlose Aya Kremp kam nach ihrem Abitur in Essen an die Universität Hamburg, um das Lehramt für Sonderschule mit den Fächern Gehörlosen- und Lernbehindertenpädagogik mit dem Unterrichtsfach Geschichte zu studieren. Inzwischen lehrt sie dieses Fach als Referendarin an der Hamburger Gehörlosenschule.

Gern denkt Aya Kremp an ihren Aufenthalt in den USA zurück; denn sie genoß dort eine nie gekannte Unabhängigkeit. "Zum ersten Mal war ich als Gehörlose in der Lage, selbst Entscheidungen zu treffen, wen ich wann und wie lange anrufen wollte, auch wenn es nur um alltägliche Dinge ging. Es war mir jederzeit möglich, ein Taxi zu bestellen oder mich einfach mit Freunden zu unterhalten", schildert sie ihre Eindrücke.

In Deutschland mißfällt ihr, daß die Deutsche Gebärdensprache immer noch nicht bundesweit anerkannt und an den Schulen für Gehörlose weitgehend verboten ist. "Hier soll man sich perfekt anpassen, zu 100 Prozent integriert werden und keine eigene Kultur entwickeln, obwohl man sehen müßte, daß der hohe Anspruch nicht zu erfüllen ist." Sie will in beiden Welten leben. Ohne Gebärden ist für Aya Kremp keine entspannte Unterhaltung oder Situation möglich. "Der Streit zwischen Lautsprache und Gebärdensprache wird auch in den USA ausgefochten, aber dort existieren beide Formen gleichberechtigt nebeneinander", sagt sie.


Universität Hamburg, 21.07.1999. Impressum.

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