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7. November 2000
Wie kaum eine andere Naturwissenschaft hat die Biologie in den letzten zwei Jahrzehnten eine Aufspaltung in stets neue Forschungsrichtungen erfahren. Die immer rasantere Entwicklung führte nicht nur zu einer ungeheuren Wissensexplosion, sondern auch zu einem Wandel in der Bedeutung der biologischen Forschung in unserer Gesellschaft. Davon kann sich jede(r) am 13. und 14. November 2000 im Zoologischen Institut und Zoologischen Museum der Universität Hamburg am Martin-Luther-King-Platz 3 überzeugen. Anlässlich der "Tage der Forschung" berichten in diesem Jahr Wissenschaftler des Fachbereichs Biologie über ihre Forschungsschwerpunkte. Ergänzt werden die Beiträge durch eine wissenschaftliche Posterausstellung aktueller Forschungsarbeiten.
Die Erkenntnisse der Molekularbiologie bilden die Grundlage der Gen- und Biotechnologie, den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Aus ihnen resultieren Grundlagen für die Mikrobiologen oder Pflanzen- und Tierphysiologen, die das komplexe Zusammenspiel von Proteinen und anderen Molekülen in Bakterien und hochentwickelten Organismen untersuchen. Ökosystemforschung und Naturschutz bilden die Basis für die Bewahrung unserer Umwelt und für den Erhalt der natürlichen Ressourcen. Ergänzt werden diese Anstrengungen durch die Entwicklung neuer Konzepte zur nachhaltigen Nutzung und der Erforschung nachwachsender Rohstoffe. Eine große Bedeutung hierfür wie für alle angewandten Aspekte in der Biologie hat die Erforschung der natürlichen Vielfalt des Lebens.
Diesen Anforderungen an die heutige Biowissenschaft trägt der Fachbereich Biologie mit seinen Forschungschwerpunkten Rechnung. Hierzu gehören die molekularen Grundlagen der Biologie, die Meeresforschung, das Verständnis von Ökosystemen und die Erforschung der Biodiversität als auch die angewandten Forschungsrichtungen.
In sieben Kurzvorträgen werden einzelne Aspekte dieser Themengebiete allgemeinverständlich dargestellt. Aus dem Institut für Allgemeine Botanik und Botanischer Garten wird Dr. Stephanie Lütticke über die "Biotechnologie bei Pflanzen" berichten. Die angewandte Molekularbiologie der Pflanzen ist einer der Forschungsschwerpunkte dieses Institutes. Hier werden unter anderem Genstrukturen beim Mais und die Steuerung ihrer Aktivitäten analysiert wie auch Methoden zur molekularen Pflanzenzüchtung entwickelt. Darüber hinaus beschäftigt man sich mit der Molekularbiologie pflanzenschädigender Pilze.
Mit seinem Vortrag über Biodiversität richtet Prof. Dr. Jens Rohwer das Augenmerk auf die organismische Biologie und die Vielfalt des Lebens. Die Biodiversitätforschung macht sich auch die bedeutenden wissenschaftlichen Sammlungen der biologischen Institute der Universität Hamburg zu nutze. Mehr als 1,4 Millionen Pflanzen befinden sich allein im Herbar des Instituts für Allgemeine Botanik. Hinzu kommt noch die umfangreiche Früchte- und Samensammlung des Instituts für Angewandte Botanik. Pflege und Bearbeitung dieses Materials wie auch der Schätze des Zoologischen Museums gehören zu den Auftragsangelegenheiten des Fachbereiches. Die Sammlungen stellen einen unermesslichen Wert für die Wissenschaft dar. Bildet doch die Kenntnis der Arten die Grundlage für den Naturschutz oder beispielsweise für die Suche neuer Nutzpflanzen.
Pflanzen als nachwachsender Rohstoff sind ein zentrales Thema im Fachbereich Biologie. Ihm widmen sich sowohl das Institut für Angewandte Botanik als auch die Holzwirtschaft. Dr. Gisela Dreyling aus dem Institut für Angewandte Botanik wird in ihrem Vortrag auf die Möglichkeiten der technischen Nutzung von Brennnesselfasern eingehen. Neben der Nutzpflanzenbiologie beschäftigt sich diese Disziplin auch mit ökologischen Fragestellungen, wie Renaturierungmaßnahmen im südamerikanischen Tropenwald. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Diagnose von Pflanzenkrankheiten. Darüber hinaus werden neue Verfahren zum Pflanzenschutz und der biologischen Schädlingsbekämpfung entwickelt. Das Institut führt neben der Lehre und Forschung umfangreiche Auftragsangelegenheiten im Bereich der Warenkunde durch. Pro Jahr werden über 10 000 Qualitätsprüfungen für Handel, Wirtschaft, Behörden erstellt. Aber auch dem unsicheren Pilzsammler kann in der Pilzberatung geholfen werden.
Mit seinem Beitrag über die wissenschaftlichen Grundlagen des Naturschutzes leitet Dipl.- Biologe Veit Hennig zu einem bedeutenden Thema unserer Zeit über. Der Fachbereich Biologie ist einer der wenigen Fachbereiche in Deutschland an denen man "Naturschutz" studieren kann. Forschungsschwerpunkte des Zoologischen Institutes und Zoologischen Museums zum Beispiel sind hier Untersuchungen an tropischen Regenwäldern auf Madagaskar und in Kolumbien. Aber auch die Auswirkung menschlicher Einflüsse auf die Gewässer des Elbeeinzugsgebietes sind Gegenstand aktueller Forschung.
Die großen, international bedeutenden wissenschaftlichen Sammlungen des Zoologischen Museums bilden mit die Grundlage der Biodiversitätsforschung. Mehr als 6,3 Millionen Tiere, die über 100 000 verschiedene Arten repräsentieren, lagern in den Magazinen des Museums.
Meeresforschung spielt auch ein zentrale Rolle am Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaften. Prof. Dr. Axel Temming wird über das Nahrungsnetz in der Nordsee berichten. Populationsdynamische Prozesse, ökologische Wechselwirkungen und fischereibiologische Untersuchungen sind Gegenstand aktueller Arbeiten genauso wie die Erfassung und Quantifizierung der Stoffkreisläufe in aquatischen Ökosystemen. Hierzu gehört auch die schwerpunktmäßige Erforschung der Elbe.
Aber auch der Mensch ist Forschungsschwerpunkt innerhalb der Biologie. Im Rahmen der Paläoanthropologie wird die Entstehungsgeschichte des Menschen rekonstruiert. Hier darf das Institut für Humanbiologie als deutschlandweit führend angesehen werden. Die zahlreichen Kooperationen mit ausländischen Kollegen belegen die internationale Bedeutung des Instituts. Auf die Bedeutung der zytogenetischen und molekularbiologischen Methoden für die Humangenetik und Humanbiologie wird Prof. Dr. Alexander Rodewald eingehen. Populationsgenetische Studien und die Diagnostik genetisch bedingter Krankheiten gehören ebenso zu den Forschungsinhalten des Institutes wie die Psychobiologie.
Da die Kurzvorträge nur einen kleinen Einblick in die vielfältigen Aktivitäten der einzelnen Institute liefern können, werden sie noch durch 50 Posterbeiträge über aktuelle Arbeiten ergänzt.
Einen weiteren Höhepunkt an beiden Tagen bilden die einstündigen Plenarvorträge. Am 13. November um 14.15 Uhr heißt es dann "Holz - ein nachwachsender Roh- und Werkstoff". Nur den Wenigsten dürfte bekannt sein, dass Hamburg die einzige Universität Deutschlands ist, an der man "Holzwirtschaft" studieren kann. Die zum Fachbereich Biologie gehörenden Ordinariate für Weltforstwirtschaft, Holzbiologie und Holztechnologie veranschaulichen in eindrucksvoller Weise den Brückenschlag von der Grundlagenforschung zum Anwendungsbezug, von der Ökosystemforschung zur Entwicklung neuer Holzwerkstoffe. Das Ordinariat für Weltforstwirtschaft betreibt Waldökosystemforschung und entwickelt Konzepte zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Schutz und Erhalt der tropischen Regenwälder als natürliche Ressourcen ist eine wesentliche Aufgabe.
Wissenschaftler der Holzbiologie hingegen untersuchen die Struktur und Qualität von Holz sowie dessen Eigenschaftsänderungen durch äußere Einflüsse. Aber auch die Altersbestimmung von Holz, der Holzschutz und die Entwicklung von Methoden zur Entsorgung von imprägniertem Holz und Holzwerkstoffen werden hier erforscht. Die Holztechnolgie dagegen untersucht die physikalischen und mechanisch-technologischen Eigenschaften von Holz. Hierzu gehören auch die Gewinnung von Klebstoffen aus Abfallprodukten der chemischen Holzindustrie und die Entwicklung neuer Span- und Faserplatten.
