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Forschung Nr. 13/96 vom 13.8.1996

Mehr Mädchen als Jungen zum Überspringen von Klassen empfohlen

Tagungsteilnehmer diskutieren Ergebnisse eines Hamburger Modellversuchs

Auch wenn die Brisanz in der Diskussion über die Begabtenförderung nach wie vor anhält, hat das wissenschaftliche und bildungspolitische Interesse an der Identifikation und Förderung besonders begabter Kinder in der Bundesrepublik seit Anfang der 80er Jahre stark zugenommen. Während die Aufmerksamkeit der ersten Initiativen in der Begabungsforschung zum größten Teil auf Entwicklung und Lernbedürfnisse besonders begabter Kinder sowie auf eine außerschulische Förderung gerichtet war, rücken Fragestellungen zur schulischen Begabtenförderung in der letzten Zeit vor allem wegen der zunehmenden Veränderungen schulischer Strukturen (u. a. ansteigende Zahlen von Gymnasiasten, höhere Klassenheterogenität) in den Vordergrund.

In einem von der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung geförderten, in Deutschland einmaligen Modellversuch zum Überspringen von Klassenstufen wurden über zweieinhalb Jahre lang 300 Hamburger Schülerinnen und Schüler, die aufgrund ihrer Leistungen in ihrer Jahrgangsklasse ausgewählt worden waren, beobachtet. Sie hatten sich unter anderem durch gute bis sehr gute Leistungen hervorgetan. An dem Versuch waren alle vier Bergedorfer Gymnasien (Luisen, Hansa, Bornbrook und Lohbrügge) sowie die Gymnasien Heidberg, Süderelbe, Osdorf und die Gesamtschulen Peter Petersen in Wellingsbüttel und Heinrich Hertz in Winderhude beteiligt.

Als Zeitpunkt des Überspringens war das Ende der fünften Klasse sowie des ersten Halbjahres der Klasse 10 vorgesehen. Fragestellungen des Modellversuchs, der auf die Erhöhung der Frequenz des Überspringens durch unterstützenden Förderunterricht abzielte, waren u. a.: Nach welchen Kriterien werden Schülerinnen und Schüler zum Springen vorgeschlagen? In welchen Merkmalen unterscheiden sich Schüler, die eine Empfehlung annehmen bzw. ablehnen? Ist der Zeitpunkt der Förderung nicht angesetzt? Ist die Förderung der Springer im vorgesehenen Maße notwendig? Welche Erwartungen stehen hinter der Entscheidung zu springen? Welche Auswirkungen hat das Springen im emotionalen, sozialen und kognitiven Bereich?

120 der beobachteten Schüler erhielten von ihren Schulen Empfehlungen zum Überspringen, und zwar 49 Schülerinnen und Schüler von der fünften nach der siebenten und 71 von der zehnten nach der elften Klasse oder andere Zeitpunkte. Den Sprung wagten schließlich 35 Mädchen und Jungen. Pro Schule und Jahr gab es somit 1,6 Springer.

Im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Begleituntersuchung dieses von der Hamburger Schulbehörde getragenen Modellversuchs befragten Dr. Wolfgang Schiebel und Diplom-Psychologin Tania M. Prado vom Psychologischen Institut II der Universität Hamburg zum Vergleich 85 Hamburger Gymnasien und Gesamtschulen nach der Häufigkeit des Überspringens von Klassenstufen in dem davor liegenden Zeitraum. Ergebnis: In vier Schuljahren (von 1990/91 bis 1993/94) wagten lediglich 49 Kinder den Sprung, d. h. 0,14 Springer pro Schule und Jahr.

An der Begleituntersuchung innerhalb des Modellversuchs nahmen 25 Springerinnen und Springer sowie 50 Nicht-Springerinnen und Nicht-Springer teil. Von den insgesamt 75 jungen Leuten hatten 42 Mädchen und 33 Jungen eine Empfehlung zum Überspringen erhalten. Tatsächlich sprangen von ihnen dann 13 Mädchen und zwölf Jungen. Dabei überwogen in der fünften Klasse die Jungen und in den älteren Jahrgängen die Mädchen.

Zum Abschluß des Modellversuchs, der vom 1. Februar 1993 bis zum 31. Januar 1996 dauerte, veranstalten Dr. Wolfgang Schiebel und Diplom-Psychologin Tania M. Prado in Zusammenarbeit mit dem Amt für Schule eine Tagung, in der die Ergebnisse des Hamburger Modellversuchs präsentiert werden. Unter der Thematik "Überspringen von Klassenstufen. Eine effektive Alternative in der schulischen Begabtenförderung?" findet sie am 15. August 1996 im Hörsaal A des Gebäudes Von-Melle-Park 5 statt und wird um 9 Uhr von Schulsenatorin Rosemarie Raab eröffnet wird.


Der Planungsstab der Universität Hamburg, 13. August 1996. Impressum.

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