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Nr. 50/98 vom 2.7.1998
Förderpreis 1998 für Frauen in der Sportwissenschaft
Sie laufen schneller, werfen weiter und springen höher. Sind Männer die besseren Sportler? Nicht für die am Projekt "Feministische Wissenschaft zu Bewegungskultur und Sport" im Fachbereich Sportwissenschaft beteiligten Studentinnen und Wissenschaftlichen Assisteninnen, die am 7. Juli den mit 20 000 Mark dotierten Frauenförderpreis 1998 der Universität Hamburg erhielten. Ihrer Meinung nach sind die Maßstäbe Leistung und Wettbewerb - so mancher Schülerin haben sie den Sportunterricht zur Hölle gemacht - bedeutungslos. Sie interessieren sich für den bewegten Körper und die Bewegung an sich. Darum sprechen sie lieber von Bewegungskultur statt von Sport.
Ausgehend von Initiativen der Wissenschaftlichen Assistentinnen Dr. Katharina Fietze und Dr. Beate Blanke, die bis 1994 zurückreichen, bemühen sich die 13 Projekt-Teilnehmerinnen mit schon manchem Teilerfolg, frauenspezifischen Aspekten in der auch in Hamburg von Männern dominierten sportwissenschaftlichen Forschung und Lehre Geltung zu verschaffen:
- Lehrveranstaltungen mit geschlechtsspezifischen Fragestellungen sollen im Rahmen eines eigenen, feministischen Studienschwerpunkts fester Bestandteil der Studienordnung werden. An diesem Ziel arbeiten die Projektbeteiligten in einer "Frauenkomission" im Studienreformausschuß des Fachbereichs. Bereits jetzt werden am Fachbereich einschlägige Veranstaltungen mit theoretischem Bezug (im laufenden Sommersemester zum Beispiel Beate Blanke: "Geschlechtsspezifische Bewegungsentwicklung" und Katharina Fietze: "Erotik und Prüderie im Sport") sowie praktische Kurse ("Fußball für Frauen", "Leichtathletik für Frauen") angeboten.
- Im Juni vergangenen Jahres fand eine erste, von den Studentinnen selbstständig organisierte Tagung ("Werkstatt zur feministischen Bewegungskultur") statt, auf der Sportlerinnen der Universität sowie aus außeruniversitären Projekten zusammentrafen. Ein ständiges Forum ("Netzwerk") wurde gegründet, zum regelmäßigen Austausch von Erfahrungen der weiblichen Bewegungskultur in Theorie und Praxis.
- "Flipphuhn", die vierteljährlich erscheinende "Zeitung zu feministischer Bewegungskultur und Sport", wurde von Studentinnen als publizistische Plattform für das "Netzwerk" etabliert.
- Weitere Forschungsprojekte sollen verfolgt werden, nachdem Studentinnen bereits eine Begleitstudie zu dem Projekt "MädchenArena" (in Dulsberg-Nord wurde ein Schulhof "mädchengerecht" umgestaltet) erstellt haben, in der die Übertragbarkeit dieses Konzepts auf andere Stadtteile untersucht wurde.
"Angesichts der unterschiedlichen Initiativen innerhalb dieses mit dem Frauenförderpreis 1998 ausgezeichneten Projekts wird besonders deutlich, daß Frauenförderung und Frauenforschung sich gegenseitig bedingen und in Wechselwirkung zueinander stehen", betonte Frau Prof. Dr. Ursula Platzer, Professorin an der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten und Frauenbeauftragte der Universität. Von der Preisverleihung an die Frauen in der Sportwissenschaft verspricht sie sich einen entscheidenden Impuls für eine stärkere Verankerung der Frauen- und Geschlechterforschung auch in diesem Bereich, in dem unter derzeit elf Professoren keine Frau ist.
Der zum zweitenmal vergebene Frauenförderpreis, mit dem die Universität herausragendes und nachhaltiges Engagement ihrer Mitglieder in der Frauenförderung honoriert, wurde durch Präsident Dr. Jürgen Lüthje und die Frauenbeauftragte Prof. Dr. Ursula Platzer verliehen.
Der Planungsstab der Universität Hamburg,
20.07.98.
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