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Forschung Nr. 10/97 vom 17.6.1997
Bei der Förderung neuer Sonderforschungsbereiche durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nimmt die Universität Hamburg in diesem Jahr eine bundesweite Spitzenposition ein. Nachdem der Ende 1996 bewilligte SFB "Glycostrukturen in Biosystemen - Darstellung und Wirkung" die Arbeit aufgenommen hat, können drei weitere Sonderforschungsbereiche zum 1. Juli 1997 mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit beginnen. Ingesamt hat die DFG für die vier SFB rund 22 Millionen Mark zugesagt. Der erste Bewilligungszeitraum beträgt zunächst jeweils drei Jahre.
Zwei der vier neuen Sonderforschungsbereiche befassen sich mit medizinischen, zwei weitere mit naturwissenschaftlichen Themen.
- In dem SFB "Molekulare Mechanismen genetisch bedingter Erkrankungen" haben sich unter der Federführung von Prof. Dr. Heiner Greten (Medizinische Klinik) Arbeitsgruppen aus dem Universitäts-Krankenhaus Eppendorf, dem Heinrich-Pette-Institut und dem Bernhard-Nocht-Institut zusammengeschlossen, um die genetischen Ursachen für die Entstehung innerer Erkrankungen zu erforschen. Die Untersuchungen werden sich mit so wichtigen Krankheiten wie Arteriosklerose und Koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus, Autoimmunerkrankungen, AIDS, Krebs und neuromuskulären Erkrankungen, für deren Entstehung die entscheidende Bedeutung von genetischen Veränderungen in den letzten Jahren belegt werden konnte, beschäftigen.
- Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB "Grundlagen neuraler Kommunikation und Signalverarbeitung" befassen sich innerhalb der molekularen Neurobiologie mit Fragen der Funktionen des zentralen Nervensystems. Diese Disziplin wird heute als eines der zukunftsträchtigsten und dynamischsten Forschungsgebiete der biologischen und medizinischen Grundlagenforschung angesehen. Mit dem Zentrum für Molekulare Neurobiologie (ZMN), in dem die Projekte dieses Sonderforschungsbereichs zusammen mit der Hamburger Max-Planck-Arbeitsgruppe für Strukturelle Molekularbiologie bearbeitet werden, besitzt der Fachbereich Medizin der Universität Hamburg die Forschungskapazität für einen Schwerpunkt, der in seiner Art in Deutschland nahezu einzigartig ist. Vor dem Hintergrund der in wenigen Jahren vollständig vorliegenden Sequenz des menschlichen Genoms wird die Zusammenarbeit von Arbeitsgruppen im Bereich der Molekularen Neurobiologie mit humangenetisch und klinisch orientierten Arbeitsgruppen entscheidend an Bedeutung zunehmen und sehr wesentlich zu den Fortschritten in der Erkenntnis auf dem Gebiet der Neurowissenschaften beitragen. Sprecher dieses SFB ist Prof. Dr. Olaf Pongs (ZMN).
- In dem von den Fachbereichen Physik und Chemie getragenen SFB "Quantenmaterialien - laterale Strukturen, hybride Systeme und Nanocluster" sollen diese Materialien hergestellt und erforscht werden. Quantenmaterialien sind Systeme, in den die physikalischen und chemischen Eigenschaften bei der Herstellung gezielt eingestellt werden können. Zur Herstellung werden zum einen Methoden der Halbleitertechnologie eingesetzt, ähnlich wie in der Industrie bei der Herstellung von Computerchips, zum anderen chemische Prozesse, die auch für die chemische Industrie interessant sind. Diese "Quantenmaterialien" bilden die Grundlage zukünftiger Bauelemente. Man kann sich zum Beispiel vorstellen, neuartige Laser zu entwickeln, die in künftigen flachen Bildschirmen eingesetzt werden. Dabei kann durch die Quanteneffekte die Farbe des Lasers eingestellt werden. Oder es können besonders kleine und schnelle Transistoren entwickelt werden, sogenannte "Einzel-Elektronen-Transistoren", die die Grundlage neuer Computergenerationen sein werden. Ein besonderer Schwerpunkt des Sonderforschungsbereichs sind hybride Supraleiter-Halbleiter-Systeme, in denen die besonderen Eigenschaften von Halbleitern und Supraleitern vereinigt werden. Insbesondere ist die Zielsetzung, die Supraleitung "ein"- und "aus"-zuschalten, eine Traumvorstellung für jeden Physiker mit weitreichenden Konsequenzen für zukünftige, völlig neuartige Bauelemente. Außer Arbeitsgruppen der Universität Hamburg wirken auch Wissenschaftler des HASYLAB vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (DESY) in Hamburg an dem Forschungsvorhaben mit. Sprecher ist Prof. Dr. Detlef Heitmann vom Institut für Angewandte Physik/Zentrum für Mikrostrukturforschung der Universität.
- Im Mittelpunkt des am 1. Januar 1997 begonnenen SFB "Glycostrukturen in Biosystemen - Darstellung und Wirkung" stehen Zuckerverbindungen, die aufgrund ihrer strukturellen Vielfalt für die Vermittlung spezifischer Eigenschaft bei biologischen Prozessen von Bedeutung sind. Sprecher ist Prof. Dr. Joachim Thiem vom Institut für Organische Chemie.
"Mit den neuen Sonderforschungsbereichen hat die Universität Hamburg einen bedeutenden Schritt zur Stärkung ihrer Forschung getan. Zugleich werden dadurch etwa 200 zusätzliche hochqualifizierte Arbeitsplätze in Hamburg geschaffen", erklärte Universitätspräsident Dr. Jürgen Lüthje. Für das kommende Jahr werde die Beantragung weiterer Sonderforschungsbereiche, auch in geisteswissenschaftlichen Fächern, vorbereitet. Mit dieser Konzentration ihrer Forschungsanstrengungen verwirkliche die Universität Hamburg innerhalb kurzer Zeit eine zentrale Empfehlung der Externen Beratungskommission zur Struktur- und Entwicklungsplanung der Universität.
