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Nr. 21/97 vom 19. 2. 1997
Hamburger Politologen können sich auf dem Arbeitsmarkt gut behaupten. Das größte Betätigungsfeld für die Absolventen der Universität ist der Mediensektor, in dem 30 Prozent der erwerbstätigen Politologen beschäftigt sind. Danach folgen die Bereiche Forschung/Bildungseinrichtungen sowie Handel und private Dienstleistungen (vor allem PR-Agenturen und Marktforschungsinstitute) mit jeweils 20 Prozent. Lediglich 15 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten im politischen Sektor (Parteien, Parlamente, Verbände). Das ergab eine jetzt abgeschlossene Studie des Instituts für Politische Wissenschaft der Universität Hamburg über seine Absolventinnen und Absolventen. Diplom-Politologe Bert Butz und Prof. Dr. Peter Raschke, die Autoren, hatten 554 von insgesamt 841 Absolventen der Abschlußjahrgänge 1970 bis 1991 angeschrieben und um Auskünfte zu Studium und Beruf gebeten. 336 ausgefüllte Fragebögen konnten ausgewertet werden.
87 Prozent der Befragten empfinden ihren beruflichen Werdegang als erfolgreich. Bei den Absolventen, die ihr Studium vor 1985 abgeschlossen haben, liegt der Prozentsatz sogar bei 92 Prozent. Lediglich zwei Prozent bezeichnen sich als arbeitslos. Weitere sechs Prozent üben Gelegenheitsarbeiten aus, sind als Hausfrau oder Hausmann tätig oder machen eine unbezahlte Fortbildung, Umschulung oder ein Praktikum. Die gleiche Anzahl befindet sich in einem bezahlten Fort- und Ausbildungsverhältnis. Diese Ausbildungen bedeuten nicht automatisch einen Bruch mit dem Studium, sondern stellen häufig eine gezielte Erweiterung der im Studium erworbenen Qualifikation dar.
Die Arbeit ist die bisher umfangreichste Studie über Absolventen eines politikwissenschaftlichen Instituts in der Bundesrepublik. Durch die Befragung von Diplomierten aus über 20 Jahrgängen konnten auch viele Erkenntnisse von beruflich etablierten Politologen in die Untersuchung einfließen. Dabei zeigten sich in der Einschätzung des Studiums und in den Berufsfindungsstrategien erstaunlich geringe Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Befragten. Über die üblichen Auswertungsroutinen zum beruflichen Verbleib hinaus wurden Fragen zur beruflichen Zufriedenheit sowie zur Studienreform und zu Studienstrategien vertiefend behandelt.
Die Einkommen der Befragten erweisen sich als durchaus zufriedenstellend. Das Durchschnittseinkommen aller Erhebungsteilnehmer liegt bei 5900 Mark brutto. Allerdings wird dieser Verdienst vor allem von den Absolventen erreicht, die länger als fünf Jahre aus dem Studium heraus sind. Berufsanfänger verdienen im Schnitt etwa 2500 Mark weniger, weil sie vielfach teilzeitbeschäftigt sind. Die besten Gehälter werden im privaten Dienstleistungssektor gezahlt, die schlechtesten in Forschung und Bildung.
Die berufliche Integration muß nicht durch einen Bruch mit der politikwissenschaftlichen Ausbildung erkauft werden. 70 Prozent der regelmäßig Erwerbstätigen benötigten ein abgeschlossenes Hochschulstudium für ihre Arbeit, die Hälfte davon ausdrücklich einen sozialwissenschaftlichen Studienabschluß. Drei Viertel der Befragten zogen einen beruflichen Nutzen aus ihrem Studium. Allerdings brauchten 60 Prozent ausdrücklich den Nachweis anderer Qualifikationen, um ihren Arbeitsplatz zu bekommen.
Welche Zusatzqualifikationen sinnvoll sind, läßt sich pauschal nicht beantworten. Im Gegenteil: Gerade die Vielfalt möglicher Qualifikationen bzw. ihre Zusammensetzung zu einem individuellen Qualifikationsprofil bietet die Gelegenheit, den ebenfalls immer individueller werdenden Anforderungen am Arbeitsplatz gerecht zu werden. Politologen steht kein exklusiver Arbeitsmarkt zur Verfügung. Große, aufnahmefähige Tätigkeitsfelder, in denen mit einem relativ standardisierten Qualifikationsstand Beschäftigungsmöglichkeiten erschlossen werden können, sind für diesen Personenkreis kaum in Sicht. Der Arbeitsmarkt für den Politikwissenschaftler liegt eher dort, wo das spezielle Qualifikationsprofil gesucht ist.
Für den Studiengang bedeutet dies, daß sich eine Aufnahme von spezifischen Berufsorientierungen in der Studienordnung nicht anbietet. Ein politikwissenschaftliches Fach muß seinen Studierenden die Möglichkeit einräumen, ein individuelles Qualifikationsprofil auch außerhalb des Studienplanes zu erwerben. Die hierfür notwendigen Freiräume hält der Hamburger Studiengang bisher bereit und findet damit auch die Anerkennung der Absolventen. Kein anderer Aspekt des Studiums wurde bei den verschiedenen Fragen von den Diplomierten so oft lobend erwähnt, wie der extrem geringe Verschulungsgrad des Studiums.
Die Absolventen widersprechen dabei aufs entschiedenste den in Wirtschaft, Politik und Hochschulgremien verfolgten Vorstellungen vom schnellen Studium als erfolgversprechendstem Weg zum Arbeitsmarkt. Im Gegenteil: Sie raten dazu, bereits die Zeit während des Hauptstudiums dazu zu nutzen, berufspraktische Erfahrungen zu sammeln und dafür eine längere Studienzeit (Stichwort: Halbtagsstudium) in Kauf zu nehmen.
Zwei Drittel der Politologen lehnen eine Verkürzung der Studiendauer ausdrücklich als unsinnig ab.
