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20.11.1996

Kognition und spezielle Rhetorik

Weltweit erster Workshop über Metonymie in Hamburg

Am Seminar für Englische Sprache und Kultur der Universität Hamburg fand am 23. und 24. Juni 1996 ein internationaler Workshop zur Metonymie statt. Die Tagung wurde von den Professoren Günter Radden und Klaus-Uwe Panther organisiert und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Hansischen Universitätsstiftung gefördert. Dem Thema des Workshops lag der Gedanke zugrunde, daß der Metonymie, die seit der Antike als rhetorische Figur bekannt ist, eine zentrale Stellung für das Verständnis von Sprache und Kognition zukommt. Anders als in der klassischen Rhetorik, in der der Metonymie neben der Metapher eine ornamentale Funktion beigemessen wurde, sehen viele Vertreter der Kognitionswissenschaft in der Metonymie ein grundlegendes sprachliches und konzeptuelles Prinzip. Wie ist es möglich, daß ein Sprecher des Englischen ohne Schwierigkeiten die folgende Äußerung versteht? The ham sandwich wants a sidedish of salad. Der Hörer weiß, daß der Satz wahrscheinlich von einem Kellner geäußert wurde und der Ausdruck the ham sandwich dabei metonymisch für den Gast steht. Kompetente Sprecher einer Sprache verfügen offenbar über generelle kognitive Prinzipien, die es ihnen gestatten, solche referentiellen Ersetzungen vorzunehmen. Häufig wird - wie in dem genannten Beispiel - statt des Referenten selbst ein »salienter« Aspekt dieses Referenten benannt. Fast jede Äußerung enthält sprachliche Audrücke, die nicht-wörtlich und insbesondere metonymisch verstanden werden. In letzter Konsequenz kann man wahrscheinlich fast jeden referentiellen Akt als metonymisch auffassen.

In der linguistischen Diskussion haben bislang metonymische Übertragungsprozesse relativ wenig Aufmerksamkeit gefunden, und ihre herausragende kognitive Bedeutung ist erst in jüngerer Zeit erkannt worden. Der Workshop war weltweit die erste speziell diesem Thema gewidmete Veranstaltung. Das Interesse an dieser Tagung war unerwartet groß und zweifellos auch dadurch bedingt, daß die Thematik von hoher wissenschaftlicher Aktualität war und sich den Teilnehmern die Möglichkeit bot, mit hochrangigen internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Kontakt zu treten und einen intensiven Gedankenaustausch zu pflegen.

Die Referenten der 20 Vorträge kamen aus Belgien (3), Großbritannien (3), Japan, Kanada, Niederlande, Polen, Schweden, Ungarn (2), USA (2) sowie Deutschland (7). Die Hamburger Universität war mit je zwei Professoren und graduierten Studenten vertreten. Die Konferenzsprache war Englisch, aber es wurden weit mehr Sprachen hinsichtlich metonymischer Prozesse untersucht: z.B. neben Englisch und Deutsch, Niederländisch, Französisch, Italienisch, Polnisch und Ungarisch. Die Vorträge befaßten sich mit Fragen der theoretischen Fundierung in Kognition und Sprache, der psychologischen Realität, der Wissensrepräsentation, spezifischen lexikalischen, morphologischen und grammatischen Erscheinungen sowie historischen, sprachvergleichenden und literarischen Aspekten der Metonymie.

Es bestand unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Konsens, daß alle Vorträge innovative Beiträge zum Thema Metonymie darstellten. Die Veranstalter werden daher die Vorträge in einem Sammelband publizieren, der in der Reihe Human Cognitive Processing im Verlag Benjamins (Amsterdam/Philadelphia) erscheinen wird.

Klaus-Uwe Panther, Günter Radden (Radden@rrz.uni-hamburg.de)


Der Planungsstab der Universität Hamburg, 20.11.1996. Impressum.

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