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9. November 2000
Auf der Gedenkveranstaltung zum 9. November auf dem Joseph-Carlebach-Platz hebt Universitätspräsident Dr. Jürgen Lüthje hervor, dass der 9. November wie kein anderer Tag für die Zerrissenheit der deutschen Geschichte stehe:
"Der 9. November verdeutlicht, dass wir uns als Deutsche allen Facetten unserer Vergangenheit stellen müssen, wenn wir uns selbst erkennen wollen. Die Frage nach unserer Identität ist wichtig, wir alle müssen sie beantworten. Wenn die Frage nach unserer Identität aber ausblendet, was unbequem, schmerzlich oder beschämend ist, werden die Antworten verlogen und falsch sein.
Das zeigt der Blick auf die Geschichte der Universität Hamburg: Sie verdankt ihre Gründung 1919 dem Aufbruchsgeist der Weimarer Republik - ein wichtiges Zeichen, der weltkriegsgequälten Jugend, Bildung und Zukunft zu ermöglichen. Doch schon 1933 ist diese junge Universität willfährig gegenüber den braunen Machthabern. Ernst Cassirer, der große Philosoph wird vertrieben. Kaum eine Hand rührt sich für ihn. Agathe Lasch, die herausragende Sprachforscherin, verliert ihre Professur, ihre Bibliothek, schließlich ihr Leben. Zwei beschämende Beispiele für die fehlende Zivilcourage, die fehlende Kollegialität, den Opportunismus der Universitätsmitglieder."
Angesichts dieser Erfahrung plädiert Lüthje für die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte:
"Lassen Sie uns einen Tag des Nachdenkens verabreden, alljährlich am 9. November. So wie die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes beharrlich die Erinnerung an den 9. November auf diesem Platz wach halten, sollte die Universität Hamburg am 9. November ihrer eigenen Geschichte während des Nationalsozialismus innewerden. Sich in Lehrveranstaltungen mit der Vergangenheit der eigenen Universität, des eigenen Faches auseinander zu setzen - das steht jedem Universitätsmitglied gut an."
