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Forschung Nr. 13/97 vom 1.8.1997

Zu Beginn des Ruhestandes sind Männer für Hausfrauen nur teilweise eine Last

Identitätsprobleme in einer Übergangsphase. Erstmalig in Deutschland untersucht

Spätestens seit Loriots Spielfilm "Papa ante Portas" weiß man, daß die Übergangsphase des Ehemanns vom Beruf in den Ruhestand auch für die Ehefrau mit Belastungen einhergehen kann. In seiner am Institut für Soziologie der Universität Hamburg entstandenen Dissertation "Hausfrauen im Ruhestand!?" untersuchte Sven Dierks erstmalig in Deutschland die Auswirkungen dieser Übergangsphase auf Hausfrauen, deren Männer in Ruhestand gegangen waren. In jeweils drei- bis fünfstündigen Tiefeninterviews befragte er Hausfrauen in der Stadt wie auf dem Land. Einige Ergebnisse:

Nur ein Drittel der Frauen findet diese Übergangsphase als belastend. Im übrigen entwickeln die Frauen unterschiedliche Strategien, um mit diesem Ereignis umzugehen. Sie haben das Ziel, das Selbstbild und die Identität als Paar zu modifizieren, so daß sich der Partner mit ihren veränderten Rollen neu arrangieren können.

So sehen die Frauen den Haushalt als ihren Kompetenzbereich an, in den der Mann entweder langsam integriert werden oder aus dem er auch ferngehalten werden muß. In manchen Fällen wird er als Totalausfall eingeschätzt, der selbst simple Tätigkeiten nicht ausüben kann, oder er wird langsam auf einfache Aufgaben vorbereitet. So läßt eine der Befragten ihren Mann zwar seit Jahren Obst einkaufen, nicht jedoch Fleisch, weil er dazu noch nicht fähig sei.

Diese Verhaltensweise gilt für Frauen, die die Hoheit in Küche und Haushalt innehaben. Konflikte entstehen, wenn der Ehemann hier mit eigenen Vorstellungen aufwartet. Sie können die hausfräuliche Identität erschüttern.

Belastungen können auch dadurch entstehen, daß auf der anderen Seite der Ehemann den Erwartungen der Frau nicht gerecht wird, indem er eigene Vorstellungen zu verwirklichen sucht, und zwar derart, daß er nicht nur dann und wann auf die Jagd geht (wie vor dem Ruhestand versprochen), sondern ständig auf der Pirsch ist.

Die Frauen gewinnen ihr Selbstverständnis über ihren Aufgabenbereich, den Haushalt, und versuchen hier auch, ihre Kompetenz darzulegen. Die ersten Jahre nach dem Eintritt des Ehemannes in den Ruhestand ist im wesentlichen davon geprägt, die Kompetenzbereiche der Frau vom Mann abzugrenzen.

Führen die Ehemänner ihr Leben jedoch, ohne die Ehefrau weiter zu berücksichtigen, kann es zu Belastungen kommen, weil deren Erwartungen an ein partnerschaftliches Ruhestandsleben nicht erfüllt werden. Dies betrifft vor allem solche Frauen, die ihr Selbstbild nicht aus dem traditionellen Rollenverständnis als Hausfrau bilden. Insofern kommt dem klassischen Selbstbild als Hausfrau in Übergangszeiten durchaus eine Funktion zu, die die Partnerschaft stabilisiert. Dies geschieht aber auf Kosten der Frauen, die auf erhebliche Entfaltungsmöglichkeiten verzichten müssen.

Für künftige Generationen, in denen die Selbstbilder von Frauen unter Umständen weniger auf typischen Rollenverständnissen fußen werden, rechnet Dr. Sven Dierks damit, daß der Beginn des Ruhestands erheblich konfliktreicher verläuft.

Die Arbeit "Hausfrauen im Ruhestand!? Identitätsprobleme in biographischen Übergangsphasen" ist unlängst im Lit-Verlag, Münster, zum Preis von 34,80 Mark erschienen.


Der Planungsstab der Universität Hamburg, 28.8.1997. Impressum.

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